Cognitive-Affective Maps

Was sind Cognitive-Affective Maps (CAMs)?

Cognitive-Affective Maps (CAMs) sind ein innovatives Werkzeug zur Erfassung und Darstellung individueller Einstellungen, Überzeugungen und Gefühle. Sie visualisieren, wie Menschen über bestimmte Themen denken – und vor allem, wie sie sich dabei fühlen. CAMs bestehen aus Konzepten (z. B. „Klimawandel“, „Auto“, „Freiheit“), die als farbige Formen dargestellt werden. Farbe und Form zeigen an, ob das Konzept positiv, negativ, neutral oder ambivalent empfunden wird. Die Stärke der emotionalen Bewertung wird über die Dicke der Linien dargestellt. Konzepte werden durch Linien verbunden, die unterstützende (durchgezogene Linie) oder hemmende (gestrichelte Linie) Beziehungen anzeigen. Im Gegensatz zu klassischen Mindmaps erfassen CAMs nicht nur Gedanken, sondern kombinieren diese mit emotionalen Bewertungen – also wie angenehm oder unangenehm bestimmte Vorstellungen empfunden werden.

Theoretischer Hintergrund

CAMs wurden von dem Philosophen und Kognitionswissenschaftler Paul Thagard entwickelt und basieren auf seiner Theorie der emotionalen Kohärenz (Hot Cognition Model, HOTCO). Zentrale Idee: Menschen streben danach, dass ihre Gedanken und Gefühle zueinander passen – sie „mappen“ also kognitiv-affektiv kohärente Netzwerke. CAMs machen dieses innere Netz aus Überzeugungen und Emotionen sichtbar. Der Prozess des Zeichnens einer CAM wird dabei als ein Constraint-Satisfaction-Problem verstanden – man bringt widersprüchliche Gedanken und Gefühle in ein stimmiges Gesamtbild.

Wie entstehen CAMs?

CAMs werden meist von Teilnehmenden selbst erstellt – digital, mithilfe der CAM-Tools der Universität Freiburg. Die Person beginnt mit einem zentralen Begriff und ergänzt frei (oder geleitet durch Vorgaben) weitere Konzepte, bewertet deren emotionale Bedeutung und verknüpft diese inhaltlich. Die entstehenden CAMs lassen sich quantitativ analysieren (z. B. Durchschnitt der Bewertungen, Netzwerkdichte, zentrale Knoten) und qualitativ auswerten (z. B. thematische Schwerpunkte, Erzählmuster).

Wozu können CAMs genutzt werden?

CAMs eröffnen neue Möglichkeiten in Forschung, Bildung, Therapie und Kommunikation:

Die Methode eignet sich besonders gut, um komplexe Einstellungen sichtbar zu machen, die in klassischen Umfragen oft verborgen bleiben. Sie verbindet qualitative Tiefe mit quantitativer Strukturanalyse – ein echter Brückenschlag zwischen beiden Forschungswelten.

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen, Anwendungsbeispiele und Zugang zu kostenlosen Tools finden Sie auf:

https://drawyourminds.de
https://paulthagard.com/links/cognitive-affective-maps/
https://camtools-documentation.readthedocs.io/en/master/