Forschung

Die Forschung der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie widmet sich schwerpunktmäßig den nordwestlichen Provinzen des Römischen Reichs. Die Themen sind wie der Forschungsgegenstand recht vielfältig: ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Römern und Germanen entlang der Rheingrenze –untersucht im Rahmen einer Grabung am Gräberfeld der sogenannten Oberrheingermanen in Diersheim.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Limesforschung, u.a. mit abgeschlossenen Grabungen an der rätischen Mauer in Laimerstadt und am Kastellbad von Öhringen. 2025 startet eine neue Grabung im Kastell von Schramberg-Waldmössingen, das kurz nach 70 n. Chr. errichtet wurde, als der südliche Schwarzwald in die römische Provinz Germania superior einbezogen wurde.

Schon seit längerem stehen auch zivile Siedlungsstrukturen im Focus, so z.B. im urbanen Zentrum von Mogontiacum/Mainz und in stadtähnlichen Kleinsiedlungen wie Lahr-Dinglingen oder Riegel am Kaiserstuhl. In Lahr-Dinglingen ist die Abteilung federführend an Grabungsauswertungen sowie an der laufenden Konzeption zum Bau und der Einrichtung eines Gebäudes in Form des „Streifenhauses“ beteiligt.

Wirtschaftsarchäologische Projekte konzentrieren sich unter anderem auf die Keramikproduktion, unterstützt durch geochemische Analysen mittels portabler Röntgenfluoreszenz, z.B. an der Aufarbeitung eines Töpferofens für Terra sigillata aus Rheinzabern. Ein besonderes Spezialfeld ist zudem die römische Wandmalerei, die neue Einblicke in Wohnkultur und Repräsentation erlaubt.

Zerscherbte Keramik und fragmentierter Wandputz

Unsere aktuellen Forschungsprojekte

Diersheim II
Ein Gräberfeld der sogen. Oberrheingermanen in Rheinau-Diersheim

Projektleitung: Prof. Dr. Alexander Heising, Uwe X. Müller M.A.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. war der Oberrhein zeitweilig die Grenze des Römischen Reiches. Im Vorfeld dieser Grenze sind einige Fundstellen bekannt, die auf eine Ansiedlung von Personen aus der Germania hinweisen. Diese „Oberrheingermanen“ stammten vermutlich aus dem elbgermanischen Raum und haben sich auf Inschriften selbst als Suebi bezeichnet. Da eine Ansiedlung direkt vor der Reichsgrenze ohne eine Billigung durch Rom undenkbar war, dürften diese Gemeinschaften vertraglich an das römische Reich gebunden worden sein (sog. foedus). Als mögliche Aufgaben könnten sie einen Teil des Grenzschutzes übernommen haben, indem sie die Rheinauen kontrollierten.

Nachdem bereits in den 1930er Jahren eine Nekropole der „Oberrheingermanen“ in Rheinau-Diersheim nordöstlich von Straßburg ausgegraben werden konnte, wurde 2013 nur wenige 100 Meter weiter ein zweites Gräberfeld ähnlichen Charakters entdeckt. Da diese Gräberfeld Diersheim II durch Tiefpflügen akut bedroht war, wurde die Nekropole 2015-2020 in einem Kooperationsprojekt zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und unserer Abteilung ausgegraben und soll in den nächsten Jahren wissenschaftlich ausgewertet werden.

Publikationen

  • AA 2015: Schrempp J. / Machura M. / Lauber J. / Kortüm K. / Heising A. 2016: Frühe Germanen am Oberrhein? Ein neues Gräberfeld mit Waffenbeigaben in Diersheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2015. Darmstadt, 158-161.
  • AA 2016: Schrempp J. / Heising A. / Lauber J. / Kortüm K. 2017: Diersheims „Sueben“ – Zeugen tiberischer Grenzpolitik am Oberrhein. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2016. Darmstadt, 176-179.
  • AA 2017: Schrempp J. / Heising A. / Lauber J. / Kortüm K. 2018: Parallelgesellschaft am Oberrhein? Die Diersheimer Waffengräber auf römischem Provinzboden. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2017. Darmstadt, 162-165.
  • AA 2018: Schrempp J. / Kortüm K. / Kuhnle G. / Heising A. 2019: Gräber und Deponierungen. Aktuelle Untersuchungen im römisch-germanischen Gräberfeld bei Diersheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2018. Darmstadt, 178-179.
  • AA 2019: Müller U.X. / Kortüm K. / Kuhnle G. / Heising A. 2020: Gerüstet fürs Jenseits – Fortsetzung der Ausgrabungen im römerzeitlichen Gräberfeld von Diersheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2019. Darmstadt, 152-154.
  • AA 2020: Müller U.X. / Kortüm K. / Kuhnle G. / Heising A. 2021: Bestattungen mit Flussblick – Zum Abschluß der Ausgrabungen im germanisch-römischen Gräberfeld von Diersheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2020. Darmstadt, 168-171.
  • Heising 2023: Die Gräberfelder von Rheinau-Diersheim (D) und die „Oberrheingermanen“ in der frühen Kaiserzeit. In: Lucia Clara Formato, Elisabeth Krieger, Felix Lang, Ana Zora Maspoli, Julia Rabitsch, Lennart Schönemann, Stefan Traxler, Annina Wyss Schildknecht (Hrsg.), Gräber in Kontaktregionen. Aussagepotenzial und Methoden bei der Auswertung römerzeitlicher Nekropolen. ArchaeoPlus 14 (Salzburg 2023) 85–98.
  • Blöck u.a. 2024: Lars Blöck, Alexander Heising, Uwe Xaver Müller, Johann Schrempp, Making Suebi. Roman frontier management in the southern Upper Rhine valley in the 1st c. AD? In: H. Van Enckevort, M. Driessen, E. Graafstal, T. Hazenberg, T. Ivleva, C. Van Driel-Murray (Hrsg.), Strategy and Structures along the Roman Frontier. Proceedings of the 25th International Congress of Roman Frontier Studies 2 (Leiden 2024) 25-32. DOI: 10.59641/ll634ox.
  • Heising/Schrempp 2024: Alexander Heising/ Johann Schrempp, Schwaben am Oberrhein? Gräberfelder der Oberrheingermanen in Diersheim. In: Katalog The hidden Länd – Wir im ersten Jahrtausend. Große Landesausstellung (Oppenheim 2024) 50–57.

Das Kastell von Waldmössingen – Eine Lehrgrabung an Gebäude B

Projektleitung: Prof. Dr. Alexander Heising, Dr. Andreas Thiel, Dr. Christoph Wulfmeier (Grabungsleitung), Lena Katharina Regetz M.A. (Grabungsleitung) 

Laufzeit: ab 2025

Seit 1896 ist bekannt, dass sich auf dem Gewann Schafbühl in Schramberg-Waldmössingen ein römisches Kastell befand. Die rund 2 ha große Anlage entstand vermutlich um 73/74 n. Chr. beim Bau der sogenannten Kinzigtal-Straße. Bei der Lehrgrabung (04.08.–12.09.2025), durchgeführt von der Abteilung für Provinzialrömische Archäologie der Universität Freiburg in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, wurde ein Gebäude in der westlichen praetentura dieses Militärlagers untersucht. Der für die Maßnahme angelegte, 6 × 30 m große, Schnitt brachte hierbei sogar Spuren der frühen Holzbauphase zutage. Zudem fanden sich zahlreiche Metallfunde, vor allem Gussreste, Schlacken und Recyclingmaterial, sowie über 300 weitgehend ungebrauchte Schuhnägel. Diese Befunde sprechen für eine Nutzung des Gebäudes als fabrica (Werkstatt). Parallel zu den Grabungsarbeiten betrieben die TeilnehmerInnen intensive Öffentlichkeitsarbeit und informierten wöchentlich etwa 250 BesucherInnen über das Kastell und die Ausgrabung. Die Resonanz aus der Bevölkerung war dabei sehr positiv. Da noch einige Fragen zum Kastell von Waldmössingen und insbesondere zur fabrica offen sind, wird das Projekt im Sommer 2026 fortgesetzt.

Presse

colores provinciarum
Zwischen Fragment und Gesamtbild – Provinzialrömische Wandmalerei

Projektleitung: Michael Ramsperger M.A.

Laufzeit: ab 2024

In den ländlichen Gebieten der Provinzen von Obergermanien und Raetien findet sich bemalter Wandverputz bei Grabungen häufig stark fragmentiert und zerstört. Dies erschwert eine weitergehende wissenschaftliche Bearbeitung, die auf die Rekonstruktion der dekorativen Ausstattung der Innen- und Außenwänden von Gebäuden abzielt.

Aus diesem Grund wurde ein methodisches Verfahren zur seriellen, digitalen Aufnahme, Dokumentation und Auswertung bemalter Wandputzbruchstücke entwickelt. Mithilfe der systematisch erhobenen Daten ist es mit dem aktuell entwickelten Verfahren möglich, die Fragmente aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Durch die unterschiedlichen Kombinationen der einzelnen erfassten Merkmale sollen aussagekräftige Informationen zu Dekor, Gestaltung und Architekturkontext gewonnen werden.

Insbesondere stehen die Farben und Pigmente der Fragmente im Fokus der Untersuchung. Diese werden mittels Röntgenfluoreszenz analysiert.

Publikationen

  • Ramsperger 2025: mos maiorum – Römisches Leben in Rottweil [11. Kolloquium der Deutschen Limeskommission, Rottweil, 23. – 24. September 2025], in Vorbereitung.
  • Ramsperger 2025: Dekorativer Wandputz aus der Hadrianstraße 9 in Ladenburg, in Vorbereitung.
  • Ramsperger 2024: Dea fortuna in provincia, in: Pictura parietum, Connessioni mediterranee in età ellenistica e romana Atti del VI colloquio Airpa Agrigento 6-8 Luglio 2023 (Rom 2024) 345-348.
  • Ramsperger 2024: Digitale Aufnahme, Dokumentation und Auswertung von bemalten Wandputzbruchstücken, in: Pareti dipinte. Dallo scavo alla valorizzazione. In: Atti del XIV Congresso internazionale dell’Association Internationale pour la Peinture Murale Antique (AIPMA). Napoli-Ercolano, 9-13 settembre 2019 (Rom 2024) 439-444.

Laufende Dissertationen

Abgeschlossene Dissertationen

Abgeschlossene Habilitationen