Lehrsammlung
Die gemeinsame Sammlung der Urgeschichtlichen Archäologie, sowie Frühgeschichtlichen Archäologie und Archäologie des Mittelalters
Wir pflegen eine umfangreiche Fundsammlung mit über 11.000 Objekten vom Paläolithikum bis zur Neuzeit. Diese bereits im 19. Jahrhundert für die Lehre angelegte Sammlung bietet faszinierende Einblicke in die materielle Kultur vergangener Zeiten. Besonders stark vertreten sind urgeschichtliche Artefakte aus Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz, ergänzt durch ausgewählte außereuropäische Funde.

(Fundnr. 1804)

(Fundnr. 1801)
Auf den Spuren kolonialer Verflechtungen

Zwei Keramikscherben, die laut altem Fundzettel aus „Stephansort“ stammen – eine als Handelsstation gegründete Siedlung im heutigen Papua-Neuguinea, die als zentrale Station der Kolonialverwaltung im „Schutzgebiet“ Kaiser-Wilhelms-Land der Kolonie Deutsch-Neuguinea fungierte. (UFG-2018-1574).
Zwischen Mai und November 2024 haben wir in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekt (Leitung: Sebastian Brather, Forschungsarbeit: Laura Kuhn) die Erwerbungsumstände außereuropäischer Funde erforscht. Wir konnten mehrere Objekte identifizieren, die aus Regionen stammen, die zum Beschaffungszeitpunkt unter europäischer Kolonialherrschaft standen bzw. die von kolonialen Strukturen geprägt waren: darunter Objekte aus Java (1908, Niederländisch-Indien), Funde aus Deutsch-Neuguinea (Papua-Neuguinea) sowie Steinartefakte und Keramikfragmente aus Südrhodesien (Simbabwe), Südafrika und Deutsch-Südwestafrika (Namibia), die überwiegend zwischen den 1870er und 1940er Jahren als Schenkungen oder durch gezielte Ankäufe in die Sammlung gelangten. Das Projekt vernetzte uns mit anderen ur- und frühgeschichtlichen Lehrsammlungen im deutschsprachigen Raum und trug zur fachweiten Auseinandersetzung mit diesem Thema bei. Die Ergebnisse finden Sie in unserer Bilddatenbank Freikon und als Publikation.
Das Projekt „Koloniale Kontexte in der Ur- und Frühgeschichtlichen Lehrsammlung der Universität Freiburg“ wurde gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.


(Fundnr. 1795)

(Fundnr. 345)
Eine Sammlung mit Geschichte
Den Grundstein legte 1867 der Freiburger Anatom Alexander Ecker mit seiner archäologischen Privatsammlung, die er der Albert-Ludwigs-Universität schenkte. Gemeinsam mit Steinwerkzeugen aus der Sammlung des Mineralogen Heinrich Fischer bildete sie den Anfangsbestand des neu gegründeten „Museums für Urgeschichte und Ethnographie“. 1936 wurde die Sammlung vorübergehend mit der archäologischen Sammlung der Stadt Freiburg zusammengelegt und im neu gestalteten „Museum für Urgeschichte“ im Adelhauserkloster präsentiert. Das dort gemeinsam mit der Bodendenkmalpflege untergebrachte Institut überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt. 1961 wurde das Museum geschlossen und die Sammlung eingelagert.
Vielfalt zum Anfassen
Unsere Sammlung umfasst ein beeindruckendes Spektrum archäologischer Funde. Bereits 1875 dokumentierte Fischer einige urgeschichtliche Objekte, die teilweise noch heute in unserem Bestand zu finden sind – darunter ein als Werkzeug genutzter Höhlenbären-Unterkiefer vom Hohlefels bei Blaubeuren. Zahlreiche Objekte aus Stein, Knochen und Horn sowie konservierte Pflanzenreste stammen aus den Pfahlbausiedlungen des Bodensees. Den Hauptteil der Sammlung bilden Steinartefakte und Keramikfragmente. Etwa 440 Gegenstände sind hervorragende Repliken aus der Thüringer Werkstatt Sonneberg, darunter Metallfunde wie Messer, Beile und Nadeln. Aus Gips wurden Tierstatuetten aus dem Magdalénien und die Venus von Willendorf nachgebildet.
Von Studierenden für Studierende
Seit den 1960er Jahren wurde die Lehrsammlung nur sporadisch genutzt. Dies änderte sich zwischen 2008 und 2011, als eine studentische Arbeitsgruppe (Leitung: Marina Hess) mit der systematischen Aufarbeitung des Fundstoffes begann. Das Ziel: Die Funde fotografisch und textlich in einer Datenbank zu erfassen und für Lehrveranstaltungen zugänglich zu machen. 2018 konnte dieses Projekt wieder aufgegriffen und 2019 abgeschlossen werden (Leitung: Valerie Schoenenberg; Mitarbeit: Maria Kohle, Anna Zimmermann und Laura Kuhn). Mit über 2000 Inventarnummern bildet die Sammlung heute einen wertvollen Fundus für das Studium.
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Bilddatenbank Freikon
Bilddatenbank der Universität Freiburg
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CCC-Portal
Portal für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten der Deutschen Digitalen Bibliothek
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Kuhn, Laura, 2025: Provenienzforschung zu kolonialen Kontexten in der ur- und frühgeschichtlichen Lehrsammlung der Universität Freiburg. Blickpunkt Archäologie 2, 2, 142–146.