Forschungsprofil

Vorderasiatische Archäologie und Altorientalische Philologie wenden vielfältige methodische Ansätze für archäologische, philologische und kulturhistorische Fragestellungen an

Unsere Schwerpunkte liegen auf der Analyse materieller Kulturen, der Auswertung keilschriftlicher Quellen und der Erforschung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und religiöser Transformationsprozesse im Alten Vorderasien.

Ein besonderer Fokus der archäologischen Forschung besteht in der Durchführung von Ausgrabungen und Geländebegehungen (Surveys) in den verschiedenen Ländern Südwestasiens (aktuell: Irak, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate).

Aktuelle Projekte an unserer Abteilung beschäftigen sich unter anderem mit der Organisation und Entwicklung früher Städte, Kulturkontakten in der Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum, menschlichem Resilienzverhalten vor dem Hintergrund tiefgreifender Transformationen. Internationale Kooperationen und digitale Methoden (z. B. 3D-Rekonstruktionen, Datenbanken) spielen eine wichtige Rolle. Nachwuchswissenschaftler*innen werden aktiv in die Forschung eingebunden und bei der Entwicklung eigener Projekte unterstützt.

Unsere aktuellen Forschungsprojekte

Ländliche Siedlungsformen Nordmesopotamiens im 2. Jahrtausend v. Chr.: eine funktionale und sozialgeschichtliche Analyse

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Ivana Puljiz

Mitarbeiterin: Eva Geith Hidam M.A. (2021–2023)

Förderung aktuell durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG-Projektnummer: 427985824)
Projektlaufzeit: 2017 – heute (davon 2019–2024 mit Förderung durch die DFG)

Kooperationspartner: Dr. Bekas Jamaluddin Hasan (seit 2021 Antikendirektion Dohuk, Kurdistan-Irak), Dr. Hasan Ahmed Qasim (bis 2020 Antikendirektion Dohuk, Kurdistan-Irak), Kaify Ali Mustafa (Generalantikendirektion Erbil, Kurdistan-Irak)

Die archäologische Forschung zur Mittelbronzezeit (ca. 2000–1550 v. Chr.) und Spätbronzezeit (ca. 1550–1200 v. Chr.) in Nordmesopotamien konzentrierte sich bislang vor allem auf große städtische Siedlungen mit ihren institutionellen Bauten, monumentalen Strukturen und weitläufigen Wohnvierteln. Demgegenüber fanden kleinere ländliche Fundorte im Umfeld der Städte – häufig vereinfachend als „Dörfer“ bezeichnet – bislang kaum Beachtung, obwohl sie im genannten Zeitraum die Mehrzahl der Siedlungen ausmachten.

Das Projekt trägt dazu bei, diese Forschungslücke durch die fallbeispielhafte Untersuchung der nordmesopotamischen Kleinsiedlung Muqable III (nachfolgend: Muqable) in der Provinz Dohuk in der Autonomen Region Kurdistan des Irak zu schließen. Zwischen 2017 und 2022 wurden dort in enger Zusammenarbeit mit der Antikendirektion Dohuk archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Sie legten eine lange Siedlungsabfolge frei, die zeigt, dass der Ort vom 20./19. Jh. v. Chr. bis in die mittelassyrische Zeit (13. Jh. v. Chr.) durchgehend besiedelt war (Nutzungsphasen H 16–A/H 5).

Die großflächige Freilegung der Befunde sowie die detaillierte Auswertung von Architektur, Funden und Erdablagerungen ermöglichen es, die funktionale Entwicklung der Kleinsiedlung von der Mittel- bis zur Spätbronzezeit nachzuvollziehen. Zu Beginn der Mittelbronzezeit bestand Muqable aus einer ländlichen Siedlung mit mindestens einem aufwendig gestalteten, mit Steinplatten gepflasterten Wohnhaus (Phase H 16). Im 15. und 14. Jahrhundert v. Chr. gab es am Ort keine Wohnsiedlung; stattdessen befand sich auf der Hügelkuppe ein außerurbanes Heiligtum mit einem langrechteckigen Tempel im Zentrum (Phasen H 10–H 9). Am Ende seiner Nutzung wurde der Tempel eingeebnet und die Überreste mit aschehaltigen Erdschichten überdeckt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr., der mittelassyrischen Zeit, war Muqable Sitz einer befestigten Agrardomäne (Akkadisch: dunnu), die auf die landwirtschaftliche Produktion spezialisiert war (Phase A/H 5).

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Gleichsetzung Kleinsiedlung = Dorf eine zu starke Vereinfachung darstellt. Vielmehr ist anzunehmen, dass Kleinsiedlungen unterschiedliche Funktionen hatten, die sich – wie das Beispiel von Muqable zeigt – im Laufe der Zeit auch mehrfach ändern konnten. Um das Umland urbaner Zentren Nordmesopotamiens besser zu verstehen, ist es wichtig, diese unterschiedlichen Funktionen kleiner Siedlungen in archäologische Interpretationen insbesondere von Surveydaten einzubeziehen, anstatt Kleinsiedlungen pauschal als „ländlich“ zu kategorisieren.

Die Ausgrabungen in Muqable sind inzwischen abgeschlossen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Auswertungs- und Publikationsphase.

Publikationen:

Faist, B. (2023), Über den Wert von kleinen Tontafelfragmenten – Muqable in der mittelassyrischen Zeit, in: C. Ambos – N. P. Heeßel – W. Meinhold (Hrsg.), kullat ṭupšarrūti. Festschrift für Stefan M. Maul, Wiesbaden, 203–206.

Puljiz, I. (2025), The Mittani Temples and the Middle Bronze Age – Mittani Sequence of Muqable, Zeitschrift für Orient-Archäologie 16 (2023), 51–95.

Puljiz, I. – Qasim, H. A. (2021), The Middle Assyrian Rural Complex of Muqable. With Contributions by Oliver Hense and Betina Faist, Zeitschrift für Orient-Archäologie 13, 90–126.

Puljiz, I. – Qasim, H. A. (2018), Exploring the Middle Assyrian Countryside in the Middle Tigris Region: The 2017 Season of Excavations at Muqable III, Zeitschrift für Orient-Archäologie 11, 88–109.

Land of the Stormgod. Survey in Gaziantep / Şehitkamil, Türkei

Projektleitung: Dr. Birgül Ögüt

Förderung aktuell durch den Innovationsfonds der Universität Freiburg
Projektlaufzeit: Juli 2022 – Dezember 2025

Der Dülük Baba Tepesi im Bezirk Şehitkamil (Gaziantep) war über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Kultort, dessen Nutzung von der späten Eisenzeit bis ins Mittelalter reicht. Bekannt wurde der Ort als zentrales Heiligtum des Jupiter Dolichenus, eines in römischer Zeit reichsweit verehrten Sturmgottes. Bereits in vorhellenistischer Zeit war der Berg bewohnt, wie zahlreiche Funde belegen. Die moderne Türbe des Dülük Baba und ein frühmittelalterliches Kloster zeugen von der langen Kontinuität kultischer Nutzung. In direkter Nachbarschaft liegt die antike Stadt Doliche – das heutige Dülük –, wo seit 2015 Grabungen stattfinden. Beide Orte weisen zudem Spuren paläolithischer und akeramisch-neolithischer Nutzung auf. Dazwischen klafft jedoch eine auffällige Lücke in der Besiedlungsgeschichte, insbesondere im Zeitraum vom Neolithikum bis zur späten Eisenzeit – eine bislang ungeklärte Forschungslücke. Das Projekt „Land of the Stormgod“ untersucht seit 2022 systematisch die Siedlungsentwicklung im Bezirk Şehitkamil. Ziel ist es, die archäologische Landnutzung vom Neolithikum bis ins Mittelalter besser zu verstehen und sie in den Kontext benachbarter Regionen wie dem Euphrattal und dem İslahiye-Tal einzuordnen. Neben dem Dülük Baba Tepesi stehen dabei auch umliegende Siedlungshügel im Fokus.

Living and dying in times of change: A multidisciplinary study on resilience of Bronze and Iron Age communities at Dibba 76, Fujairah (UAE)

Projektleitung: Dr. Kristina Pfeiffer und Dr. Julia Gresky (Berlin)

Mitarbeiter*Innen: Lydia Rust M.A. (Anthropologie), Dr. Emmanuele Petiti (Bioarchäologie), Kooperationspartner*Innen: Fujairah Tourism and Antiquities Department, Referat Naturwissenschaften des Deutschen Archäologischen Instituts, Max-Planck-Institut für Geoanthropology (Jena), Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Leipzig)

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG-Projektnummer: 545205647)
Projektlaufzeit: Mai 2025 – April 2028

Inhalt des archäologisch-bioarchäologischen Projektes ist eine engmaschige, auf Isotopendaten gestützte Studie an mittel-/spätbronze- und früheisenzeitlichen Gemeinschaften in Südost-Arabien. Ziel ist die Erforschung von Resilienzverhalten infolge von Veränderungen von Mensch-Umwelt-Beziehungen. Es wird untersucht, wie die Bevölkerung mit massiven soziokulturellen Umwälzungen und nachhaltigen Folgen von Aridifizierung umgegangen ist und wie signifikant die Auswirkungen auf den Lebensstil und die Mobilität in dieser Region waren. Studien zur Biografie, Ernährung und Lebensweise von Individuen sowie zu gesellschaftlichen Dynamiken und Mobilität wurden in der Golfregion für nahezu das gesamte 2. Jahrtausend v. Chr. bisher weitgehend vernachlässigt. Somit sind sowohl Gruppenbiografien sowie krisenbezogene Anpassungsstrategien der Bevölkerungsgruppen unklar. Die Grundlage für die Untersuchungen bildet ein intaktes und ungestörtes Kollektivgrab im Emirat Fujairah, V.A.E. (Dibba 76).

Regimewechsel und Kulturwandel – der Übergang von mittanischer zu mittelassyrischer Herrschaft in Nordmesopotamien. Untersuchungen am Beispiel der Stadt Kemune/Zaḫiku

Projektleitung: Jun.-Prof. Dr. Ivana Puljiz (zusammen mit Prof. Dr. Betina Faist, Universität Heidelberg)

Mitarbeiter (Universität Freiburg): Dr. des. Benjamin Glissmann

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG-Projektnummer: 571373775)
Projektlaufzeit: 1. Februar 2026 – 31. Januar 2029

Kooperationspartner: Dr. Hasan Ahmed Qasim (Kurdistan Archaeology Organization, Kurdistan-Irak), Dr. Bekas Jamaluddin Hasan (Antikendirektion Dohuk, Kurdistan-Irak), Kaify Ali Mustafa (Generalantikendirektion Erbil, Kurdistan-Irak), Prof. Dr. Peter Pfälzner (Universität Tübingen)

Das Projekt widmet sich der Untersuchung des Regimewechsels und des damit verbundenen Kulturwandels in der Zeit des 14. und frühen 13. Jh. v. Chr. in Nordmesopotamien. Es handelt sich um einen sehr dynamischen Zeitabschnitt, in dem das zerfallende Mittani-Reich vom mittelassyrischen Staat als stärkster Regionalmacht abgelöst wird. Dies markiert den Übergang zwischen zwei sehr unterschiedlichen politischen Systemen und Gesellschaftsformen.

Fokus der Untersuchung ist das nördliche Mitteltigrisgebiet (Nordirak), da dieses geografisch exakt zwischen den Kernregionen der beiden genannten Großreiche liegt. Es kann somit als Kontaktzone angesehen werden, in der verschiedene gesellschaftliche Traditionen und politische Interessen aufeinandertrafen. Das Quellenmaterial für die geplante Untersuchung stammt aus dem am Mittleren Tigris gelegenen Fundort Kemune, der mittanischen Stadt Zaḫiku. Hier wurden wichtige archäologische Befunde sowohl der spätmittanischen als auch der frühmittelassyrischen Zeit ausgegraben. Es ist somit einer der wenigen Orte, an denen der direkte Übergang zwischen beiden Perioden erforscht werden kann. Die mittanische Stadt mit massiven Stadtbefestigungen, einem Palast, einem großen Magazingebäude und einem industriellen Bereich wurde großflächig freigelegt; aus mittelassyrischer Zeit stammt das Haus eines Bürgermeisters mit einem Zerstörungsinventar, welches ein Tontafel-Archiv in fünf Keramikgefäßen einschloss. Höchst bedeutsam ist, dass in Kemune Keilschrifttexte aus beiden relevanten Perioden gefunden wurden. Mittanische Texte stammen aus dem Palast, quantitativ sticht aber vor allem das frühmittelassyrische Archiv mit 262 Texten aus der Zeit des Königs Adad-nērārī I. (1295–1264v. Chr.) heraus.

Die bereits erfolgte Ausgrabung der mittanischen Stadt von Kemune und der zeitlich anschließenden frühmittelassyrischen Siedlung sowie die Ent­deckung gut kontex­tualisierter Texte aus der spätmittanischen und der frühmit­telassyrischen Zeit bieten die einmalige Chance, die kulturelle, politische und soziale Entwicklung der Region mittels einer kombinierten archäologi­schen und philologischen Analyse an der genannten Epochenschwelle nachzuzeichnen. Das Projekt ist daher interdisziplinär konzipiert, bestehend aus einer archäologischen Arbeitsgruppe an der Universität Freiburg (PI: Ivana Puljiz) und einer philologischen Arbeitsgruppe an der Universität Heidelberg (PI: Betina Faist). Beide Gruppen widmen sich komplementären Aspekten der materiellen Kultur, der Lebensbedingungen, der Ökonomie, der politischen Struktur und der Gesellschaftsform einer Stadt während der Transitionsphase zwischen zwei unterschiedlichen politischen Systemen. Die daraus entstehende Synthese wird dazu beitragen, eine große Forschungslücke mit vielfältigen neuen Erkenntnissen zu schließen und darüber hinaus auch generelle Einsichten in Prozesse des Kulturwandels, die Rolle von Kontaktzonen und die Auswirkungen großflächiger politischer Verschiebungen zu liefern.

Publikationen:

Puljiz, I. – Qasim, H. A. (im Druck), Mittani Urbanism, Earthquakes, and the Advent of Middle Assyrian Rule in the Northern Middle Tigris Region. Results of the Excavations at Kemune/Zaḫiku, With contributions by Betina Faist, Zeitschrift für Orient-Archäologie 18.

Puljiz, I. – Qasim, H. A. (2019), A New Mittani Centre on the Middle Tigris (Kurdistan Region). Report on the 2018 Excavations at Kemune, With Contributions by Ralf Beutelschieß and Betina Faist, Zeitschrift für Orient-Archäologie 12, 10–43.

Sänger und Sängerinnen im Alten Orient, Eine diachrone Studie (3.-1. Jt. v. Chr.) zur Stellung der Berufsgruppe der Sänger unter wirtschaftlichen und gesellschaftlich-kul­turellen Gesichtspunkten

Projektleitung: Prof. Dr. Regine Pruzsinszky

Förderung u.a. durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften, Gerda-Henkel-Stiftung, Österreichische Forschungsgesellschaft, Wissenschaftliche Gesellschaft der Universität Freiburg, Institute for Advanced Studies, Princeton

Literaturwerke, wie Epen, Mythen, Königshymnen u.a. in sumerischer und akkadischer Sprache wurden nachweislich zum Hören gedichtet. Vortragende waren die Sänger, die von verschiede­nen Musikern mit ihren Instrumenten begleitet wurden, wie uns insbesondere die sumerische Dichtung wissen lässt. Die Sänger des Alten Orients nahmen an allen wichtigen Festen anlässlich Neujahrsprozes­sionen, Tempelrekonstruktionen und sonstigen Feierlichkeiten teil. Nicht nur am Hof und Tempel führ­ten sie ihren Beruf aus, sondern begleiteten ihren König auf Sieges- und Triumphzügen. Musiker dienten der Herrscherschicht als Machtwerkzeug zur Übermittlung wichtiger politisch und religiös relevanter Themen.

Eine der wichtigen Fragestellungen, die sich aus der Durchsicht verschiedenster Texte, wie z.B. Hymnen und diverser administrativer Dokumente, ergibt, ist ob und in wieweit Sänger auch an der Dichtung bzw. am Verfassen dieser am Hof und im Tempel vorgetragenen Literaturwerke beteiligt waren. Im ersten Jahrtausend v. Chr. existierte zwar die Tradition verschiedene Werke einzelnen Personen zuzuschreiben, allerdings gelten der Weisheitsgott Ea und Herrscher als „Autoren“. Viele königliche Lieder bzw. Hym­nen aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. sind in der ersten Person Singular aus der Sicht des Königs stili­siert, der sich als herausragender Sänger, Musiker und Dichter darstellt. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Sänger nicht selbst als Dichter fungieren: Dies kann aus einer Stelle im Proömium der sogenann­ten Šulgi-Hymne erschlossen werden, in welcher der Dichter und Sänger von sich selbst spricht, den gepriesenen König aber in der in der dritten Person Singular erwähnt.

Diverse Listen, die regelmäßige Geschenke und Lohnzahlungen aus Palästen und königlichen Archiven an Sänger festhalten, lassen schnell erahnen, dass Sänger, nicht nur als „einfache“ Künstler tätig waren, sondern eine wichtige Funktion innerhalb der Oberschicht bzw. der Eliten einnahmen. Welche Interessen verfolgt die politische und religiöse Macht Künstler zu unterhalten? Neben dem ökonomischen Prinzip der „conspicious consumption“, dass „Nutzloses“ unterhalten wurde und dafür Güter ausgegeben werden, geht es insbesondere um die Verankerung des Ansehens des Herrschers in der Gesellschaft. Letzteres wird einerseits durch Geschenke an die Musiker sowie durch die Darstellung des Königs in der Dichtung, mit dem Ziel Wirkung auf Meinungsträger zu erwirken, deutlich. Musik ist die einzige Kunst, die wir als Kunst deutlich im Alten Orient greifen können. Das verdeutlichen viele Listen mit kostbaren Geschen­ken an Musiker, jedoch nicht an Baumeister, Architekten, Dichter o.a. bildende Künstler. Es geht daher insbesondere um die Darstellung einer sozialen Elite, auf die sich die königliche Herrschaft stützt.

Neben der Position, Kompetenzen und Arbeitsbereiche der Sänger innerhalb der Palasthierarchie sollen auch die im Bereich der Tempelhierarchie umfassend anhand von Keilschrifttexten religiösen Inhalts zu Ritualen und kultischen Feierlichkeiten erörtert werden. Paradigmatisch kann hier anhand von Textquel­len die Verankerung der schönen Künste am Königshof dargelegt werden. Eine der zentralen Frage ist, wie sich parallel hierzu eine religiöse Musikpraxis und Dichtkunst am Tempel entwickeln und unabhän­gig vom Königshof existieren konnte.

Eine diachrone Studie (3. -1. Jt. v. Chr.) zum Berufstand der Sänger, die als sumerisch NAR und akka­disch nāru bezeichnet wurden, soll über ihre bislang noch wenig beachtete (Macht-)Stellung im wirt­schaftlichen, kulturell-religiösen und politischen Bereich Aufschluss geben. Aus dem Vergleich ergeben sich wichtige Beobachtungen zur noch nicht in ihrem Gesamtumfang erfassten gesellschaftlichen Stel­lung der Sänger und Sängerinnen, die mit wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen einhergehen.

Publikationen:

Herausgeberschaft:

R. Pruzsinszky ­ D. Shehata (eds.), Musicians and the Tradition of Literature in the Ancient Near East, Proceedings of the Vienna-workshop in September 2007, Wiener Offene Orientalistik 8, Wien 2010.

Artikel und Buchbeiträge:

R. Pruzsinszky, Die königlichen Sänger als Werkzeug politischer Propaganda, in: R. Pruzsinszky ­ D. Shehata (eds.), Musicians and the Tradition of Literature in the Ancient Near East, Proceedings of the Vienna-workshop in September 2007, Wiener Offene Orientalistik 8, Wien 2010, 95-118.

R. Pruzsinszky, Singers, Musicians and Their Mobility in Ur III Period Cuneiform Texts, in: R. Dumbrill (ed.), Proceedings of the International Conference of Near Eastern Archaeomusicology ICONEA 2009-2010, Gorgias Press 2011, 31-39.

R. Pruzsinszky, The Social Positions of nar-Musicians of the Ur III Period at the End of the 3rd Millennium BC, in: S. Emerit (ed.), Le statut du musicien dans la Méditerranée ancienne: Égypte Mésopo­tamie, Grèce, Rome, Actes de la table ronde internationale tenue à Lyon Maison de l’Orient et de la Méditerranée (Université Lumière Lyon 2) les 4 et 5 juillet 2008, Lyon, Bibliothèque d’Étude 159, Institut Français d’Archéologie Orientale, Kairo 2013, 31-46.

R. Pruzsinszky, Vielseitig und kreativ: Musikerinnen im Alten Orient, Antike Welt, Verlag Phillip von Zabern 2015/2, 26-31.

R. Pruzsinszky, Musicians and Monkeys, Ancient Near Eastern Clay Plaques Displaying Musicians and their Socio-Cultural Role, in: A. Bellia ­ C. Marconi (eds.), Representations of Musicians in Ancient Coroplastic Art: Iconography, Ritual Contexts, and Functions, TELESTES. Studi e recherché di archeologia musicale nel Mediterraneo 2, Istituti editoriali e poligrafici internazionali: Pisa ­ Roma 2016, 23-34.

R. Pruzsinszky, “The Poor Musician” in Ancient Near Eastern Texts and Images, in: A. Garcia-Ventura, C. Tavolieri und L. Verderame (eds.), The Study of Musical Performance in Antiquity: Archaeology and Written Sources, Cambridge Scholars Publishing 2018, 39-58.

R. Pruzsinszky, Las mujeres y el universo musical en el Próximo Oriente Antiguo, in: A. Garcia-Ventura and J. J. Justel (eds.), Las mujeres en el Oriente cuneiforme, Servicio de Publicaciones de la Universidad de Alcalá 2018, 89-116.

R. Pruzsinszky, “Singing the Rug” or Weaving Singers? The Case of Temple Singers in the Ur III Period, in M. Cifarelli et al. (eds.), Exploring Gender Dynamics across the Ancient Near East, Collected Essays of Gender and Methodology in the Ancient Near East (GeMANE) 4 and 5, wEdge 7 (2025) 241-256.

R. Pruzsinszky, “More than Just Music: The Sociocultural Role of Musicians in the Ancient Near East”, in: M. Mikrakis (ed.), Towards a Social Archaeology of Sound: Music and Related Practices in the Ancient Mediterranean, Bloomsbury Publishing plc (in Vorbereitung).

Upper Mesopotamia During the “Dark Age” of Mesopotamia

Projektleitung: Prof. Dr. Regine Pruzsinszky

Die philologische Erschließung von unpublizierten Keilschrifttexten aus Tikunani in Kooperation mit Kollegen und Kolleginnen aus Spanien (J. Justel, J. A. Belmonte Marín, B. Solans, und A. Planelles) sowie die vorangegangenen Studien zur Chronologie Mesopotamiens im 2. Jt. v. Chr. im Rahmen des Spezialforschungsbereichs SCIEM 2000 an der Universität Wien eröffnen die einzigartige Möglichkeit das „Dunkle Zeitalter“ Mesopotamiens um die Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends chronologisch zu fixieren und die historischen Abläufe und Dynamiken vor dem Hintergrund der sozialpolitischen Strukturen zu rekonstruieren. Im Rahmen dieses Projektes sind nicht nur Fragen zur Länge und Natur dieser Übergangsperiode relevant. Basis der Auswertung ist eine umfangreiche Personennamendatenbank, die neben prospographischen Informationen auch wichtige Daten zur hurritischen Onomastik aus der spätaltbabylonischen Zeit liefert.

Förderung: Projekt „El reino de Tikunani en la Alta Mesopotamia: historia, administración y sociedad según los archivos inéditos del rey Tunip-Teššup (ca. 1620 a. C.)”:unter der Leitung von J. JustelHAR2015-­63716-­P, finanziert von MINECO (spanische Regierung) und FEDER (Europäische Union), DFG Kollegforschergruppe 2615 „Rethinking – Governance in the Ancient Near East” an der FU Berlin, Projekt „Al otro lado del río. Conflictos sociopolíticos en fronteras y rutas del Próximo Oriente Antiguo durante el Bronce Final (ca. 1600-1200 a.C.)“, unter der Leitung von J. A. Belmonte, finanziert von der Agencia de Investigación y Innovación de Castilla-La Mancha (2024-2028)

Herausgeberschaft:

H. Hunger – R. Pruzsinszky (eds.), Mesopotamian Dark Age Revisited, Contributions to the Chronology of the Eastern Mediterranean 6, Wien 2004.

Artikel und Buchbeiträge:

R. Pruzsinszky, Who is Who in Tigunani, Towards an Understanding of the Socio-political Situation in Upper Mesopotamia during the Dark Age in the 2nd Millennium BCE, Mesopotamia 58 (2023) 93-102.

R. Pruzsinszky, A Look at the Formational Period of Mittani from Tigunani in Upper Mesopotamia, in M. Novák – D. Stein (eds.), Mittani – An Enigmatic Empire, OBO S.A. 42 (erscheint 2026).

R. Pruzsinszky, The Expansion and Demise of the Mittani Empire (16th-14th cent.), in J.-A. Belmonte und E. Torrecilla (eds.), Diplomacia, Imperialismo y globalización en el próximo Oriente antiguo: el Bronce Final (ca. 1600-1200 A.C., Shadum, Selvilla (erscheint 2026).

R. Pruzsinszky, Licht in Dunkel, Neue Erkenntnisse zum „Dunklen Zeitalter“ in Obermesopotamien nach den Texten von Tikunani, in: E. Cancik-Kirschbaum, J. Klinger und A. Dornauer (eds.), Melammu Volume (erscheint voraussichtlich 2026).

R. Pruzsinszky, Upper Mesopotamia during the ‘Dark Age’ in the second millennium BCE, in: F. Nebiolo und V. Chalendar (eds.), Upper Mesopotamia in the 2nd and 1st Millennia BC: New Research and Perspectives, DUBSAR, Münster (in Vorbereitung).

Defining Masculinities in Mesopotamia and Syria during the Early Second Millennium BCE

Dr. Patricia Bou Pérez

Humboldt-Stipendiatin
Early Career Fellow am FRIAS

The project investigates masculine performance in Iraq (Mesopotamia) and Syria during the first half of the second millennium BCE (Old Babylonian period). It will be carried out over a two-year period at the University of Freiburg under the supervision of Prof. Dr. Regine Pruzsinszky and is funded by the Alexander von Humboldt Foundation.

While gender studies have significantly reshaped the study of women, sexuality, and social roles in Antiquity, masculinities in the Old Babylonian period Assyriology remain understudied, particularly beyond elite and royal models.

The project addresses three main gaps: the limited focus on the Old Babylonian period compared to the second half of the first millennium BCE; the predominance of hegemonic and royal masculinities at the expense of non-elite men; and the insufficient engagement with theoretical frameworks from sociology and anthropology. It proposes to analyze letters and legal, and literary texts from major archives in Syria and Iraq, combining philological precision with sociological approaches centered on practice, agency, and social interaction.

The research pursues three objectives: (1) to characterize both hegemonic and performative masculinities in professional and familial contexts; (2) to identify regional variations in masculine expression; and (3) to develop an adapted analytical framework for the study of masculinities in cuneiform sources.

By integrating textual analysis with interdisciplinary theory, the project seeks to contribute to a more nuanced understanding of gender dynamics and male identities in ancient Mesopotamian societies.

Selected Publications:

(volume in preparation; accepted): “Joy, Enthusiasm, and Relief in Old Babylonian Warfare (ca. 2000-1600 BCE),” in P. Bou Pérez (ed), Guerre et émotions au Proche-Orient ancien. Barcino. Monographica Orientalia, Barcelona: Edicions Universitat de Barcelona.

2025. “De las tablillas a las emociones: reflexiones sobre las “prácticas emocionales” en el estudio de los textos cuneiformes,” Gerión 43/1, p. 9–28.

2024. “‘Should You, A Cripple, Command Us?!’: Exploring the Interplay of Warfare, Disabilities, Masculinities, and Emotions in the Mari Archives,” Akkadica, p. 55–68.

2024. “Le terme uššušum dans le Code de Hammurabi : le cas de l’article § 116,” Aula Orientalis 42/1, p. 11–20.

2023. “Emotions, Traumas and War in the Old Babylonian Period,” Orient 53, p. 137–155.

Abgeschlossene Dissertationen