Girls’Day 2026 in der Chemie

Beim diesjährigen Girls’Day am 23.04.2026 gab es in der Fakultät für Chemie und Pharmazie gleich drei tolle Angebote, in denen Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen einen Blick hinter die Kulissen der universitären Forschung im MINT-Bereich werfen konnten. Das Ziel: Mädchen für naturwissenschaftliche und technische Berufe begeistern und ihnen Perspektiven jenseits klassischer Rollenbilder aufzuzeigen.

Neugier als Superpower – dein Tag als Wissenschaftlerin!

Unter diesem Motto konnten elf Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren in der Chemie der Universität Freiburg hautnah erleben, wie der Arbeitsalltag einer Wissenschaftlerin aussehen kann. Das Programm, das vom Institut für Makromolekulare Chemie mit der Unterstützung des Freiburger Materialforschungszentrums (FMF) und dem Institut für Physikalische Chemie betreut wurde, war dabei vielfältig und interaktiv.

Einerseits erzählten Prof. Dr. Laura Hartmann (Makromolekulare Chemie) und Junior-Professorin Dr. Fiona Kearns (Physikalische Chemie) von ihrem Werdegang und ihrem Arbeitsalltag als Frau in der Wissenschaft. Andererseits durften die Schülerinnen in Kleingruppen selbst zum Thema „Nachhaltigkeit von Kunststoffen“ experimentieren und somit hautnah erleben, wie Forschung an der Universität aussehen kann. Besondere Highlights waren hierbei der Vergleich von Stärkefolie und Frischhaltefolie in Wasser (erstere löst sich mit der Zeit auf, während letztere unverändert bleibt) sowie die Herstellung von bunten Perlen, die sich bilden, wenn Natriumalginat mit einer Spritze in Calciumchlorid getropft wird.

Da der Tag von Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Bereichen betreut wurde, gab es für die Mädchen ganz viele Möglichkeiten, alle weiteren offenen Fragen zu stellen. Zum Abschluss gab es dann noch eine kleine Überraschung: selbst gemachtes Eis aus Himbeeren, Joghurt, Sahne – und flüssigem Stickstoff zum „einfrieren“. Am Ende waren also alle satt und glücklich – und hoffentlich schon voller Vorfreude auf einen weiteren Girls’Day in der Chemie.

Chemie erleben – Campusluft schnuppern

Aber nicht nur die Kooperation von Makro, PC und FMF bot ein spannendes Programm: im Arbeitskreis von Dr. Tobias Schnitzer (Institut für Organische Chemie) bekamen Sylvia und Lisa spannende Einblicke in den Unialltag.

Der Tag begann mit dem Besuch der Grundvorlesung Organische Chemie, in der sie erste Eindrücke vom Studium sammeln konnten. Anschließend lernten sie mehr über Polymere und erkundeten gemeinsam einen 3D-Drucker. Für besondere Begeisterung sorgten dann die Experimente mit flüssigem Stickstoff und Trockeneis, bei denen der Spaß natürlich nicht zu kurz kam. Auch der Uni-Alltag abseits des Labors gehörte dazu: Beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa konnten Sylvia und Lisa echte Campusluft schnuppern.

Zum Abschluss wartete noch ein besonderes Highlight: Gemeinsam stellten sie fluoreszierende Farbstoffe her, die anschließend unter UV-Licht zum Leuchten gebracht wurden. Ein abwechslungsreicher Tag mit vielen spannenden Eindrücken, neuen Erfahrungen und jeder Menge Spaß.

Physik bei -200°C – warum wir Proteine einfrieren, bevor wir sie mikroskopieren!

Im Rahmen des dritten Angebots ging es vor allem um die Frage: „Wie können wir Proteine mikroskopieren?“ Die Antwort darauf erhielten die Mädchen in der CryoEM Facility. Zunächst erklärte Dr. Stefan Steimle, der Leiter der Facility, die Hintergründe: Proteine können im Lichtmikroskop nicht gesehen werden, da sie zu klein sind. Es werden andere Mikroskope benötigt, die mit kürzeren Wellenlängen arbeiten – da kommt die Elektronenmikroskopie ins Spiel. Proteine halten aber nicht lange genug still, als dass man sie im Elektronenmikroskop beobachten könnte – außerdem befinden sie sich in Wasser, was die Mikroskopie stören würde. Die Lösung? Die Proteine werden eingefroren – bei knapp minus 200 °C! Bei den Temperaturen sind die Proteine unbeweglich und die Wassermoleküle unsichtbar, weil sie nicht-kristallines Eis bilden – und der Mikroskopie steht nichts mehr im Wege.

Nach der Theorie ging es für die Schülerinnen dann auch gleich in die Praxis: Sie durften ihre eigenen Proteinproben einfrieren und für das Mikroskop vorbereiten – das erforderte viel Feingefühl und war eine echte Herausforderung. Nach der Mittagspause konnten sie dann eigene Bilder von ihren Proben erstellen. Erfreulicherweise ergaben alle Proben gute Bilder – keine Selbstverständlichkeit, denn die Probenvorbereitung ist durchaus heikel. Ein großer Glückwunsch an alle Teilnehmerinnen!

Dieser Girls´Day, der in Zusammenarbeit vom Sonderforschungsbereich 1381 und der CryoEM Facility organisiert wurde, ergab einen tollen Einblick in einen Wissenschaftsbereich an der Schnittstelle von Physik, Chemie und Biologie und wir freuen uns schon darauf, ihn nächstes Jahr wiederholen zu dürfen!