„Der Alte Friedhof in Freiburg ist auch ein Ort der Universitätsgeschichte“
Freiburg, 30.01.2026
Valerie Möhle arbeitet im Uniseum. Ehrenamtlich engagiert sie sich für den Alten Friedhof, den ehemaligen Friedhof Freiburgs, der zur Parkanlage umgewidmet wurde. Anhand der dort begrabenen Professoren lassen sich viele Geschichten zur Universität erzählen.

Dr. Valerie Möhle arbeitet im Uniseum. Ehrenamtlich engagiert sie sich für den Verein der Freunde des Alten Friedhofs. Foto: Klaus Polkowski / Universität Freiburg
Verwitterte und mit Moos bewachsene Grabsteine, verrostete Kreuze, aufwändig restaurierte Skulpturen auf Gräbern: Valerie Möhles Blick schweift durch die weitläufige Parkanlage des Alten Friedhofs in Freiburg. Das Sonnenlicht fällt an diesem Tag im Spätherbst durch den alten Baumbestand, buntes Laub schmückt die Wege. „Der Alte Friedhof ist auch ein Ort der Universitätsgeschichte“, sagt Möhle. Die promovierte Kunsthistorikerin arbeitet im Uniseum und engagiert sich ehrenamtlich für den Verein der Freunde des Alten Friedhofs. Dort gibt sie Führungen und setzt sich für den Erhalt des Parks ein.
Der Alte Friedhof liegt im Freiburger Stadtteil Neuburg. Für fast zwei Jahrhunderte war er der zentrale Friedhof Freiburgs. 1872 wurde er aufgehoben und umgewidmet. Seitdem ist der Alte Friedhof ein Natur- und Kulturdenkmal inmitten der Stadt und für Besucher*innen frei zugänglich. „Ich liebe den Alten Friedhof wegen seiner individuell gestalteten Grabmale“, sagt Möhle, „ob man sich für Kunstgeschichte interessiert, für die Inschriften auf den Grabmalen oder die Biografien der hier bestatteten Menschen: Es gibt einfach so vieles zu entdecken“.
Führungen zur Universitätsgeschichte auf dem Alten Friedhof
Möhle engagiert sich seit fünf Jahren ehrenamtlich für den Alten Friedhof und bietet dort auch Führungen an. Die Spenden, die Möhle dafür annimmt, kommen dem Verein zu Gute, der sich für den Erhalt des Friedhofs einsetzt. „Der Verein der Freunde des Alten Friedhofs unterstützt die Stadt Freiburg dabei, Grabmale auf dem Friedhof professionell restaurieren zu lassen“, so Möhle. Wichtig sei ihr bei ihren Führungen auch, die Universitätsgeschichte einzubauen. Sie bietet sogar eine Führung an, die sich ausschließlich mit den Spuren der Universität auf dem Alten Friedhof befasst. „Auf dem Alten Friedhof sind viele Universitätsprofessoren bestattet, anhand ihrer Lebensläufe wird die Geschichte der Universität Freiburg greifbar“.
Der erste protestantische Professor der Universität erlaubt Frauen die Teilnahme an seinen Vorlesungen
Eine wichtige Station der Universitätsgeschichte verbindet sich etwa mit einem unscheinbaren Kreuz aus Metall, der Grabstätte von Johann Georg Jacobi (1740-1814). Jacobi war der erste protestantische Professor an der damals noch zu Österreich gehörenden, rein katholischen Universität. Er erarbeitete sich dennoch schnell Beliebtheit in Stadt und Universität und wurde 1791 zum ersten protestantischen Rektor der Universität gewählt. An seinen literaturwissenschaftlichen Vorlesungen durften auch Frauen teilnehmen – mehr als 100 Jahre bevor es Frauen erstmals erlaubt war, sich für ein Studium zu immatrikulieren.

Johann Georg Jacobi war der erste protestantische Professor der Universität Freiburg. Bereits im 18. Jahrhundert durften Frauen an seinen Vorlesungen teilnehmen. Foto: Klaus Polkowski / Universität Freiburg

Thaddäus Rinderle war Mathematiker und Erfinder. Sein Interesse für Globen wird auch auf seinem Grabmal gewürdigt. Foto: Klaus Polkowski / Universität Freiburg
Ein Grabstein illustriert das Wirken des Mathematikers Thaddäus Rinderle
Nur wenige Meter entfernt befindet sich ein weiteres Grab mit Bezug zur Universität. Über der Inschrift „Rinderle, Professor“ ziert ein Schmetterling das wuchtige Grabmal aus rotem Sandstein. „Der Schmetterling ist ein Symbol der Auferstehung und stellt kunstgeschichtlich eine Rückbesinnung auf die Antike dar“, so Möhle. Thaddäus Rinderle (1748-1824) war Mathematiker und Erfinder. Er interessierte sich unter anderem für den Bau von Uhren und Globen. Davon zeugt zum einen der Globus, der auf dem Grabmal thront, aber auch die Inschrift auf dessen Sockel: „Vieles hat er bestimmt mathematisch / mit Ziffer und Buchstab / aber die Stunde des Todes bleibt / unbekannter als x“.
Georg Carl Staravasning: Verdienste bei der medizinischen Versorgung der Stadtbevölkerung
Noch aufwändiger gestaltet ist das Grabmal des Universitätsprofessors und Arztes Georg Carl Staravasning (1748-1792), das ihn bei der Versorgung eines Patienten zeigt. Auf einem Regal darüber steht eine Reihe von Büchern. „Die Darstellung illustriert den Übergang der Medizin von einer eher theoretischen Wissenschaft hin zu einem Fach, das Studierenden auch praktisch durch den Dienst am Krankenbett vermittelt wird“, so Möhle. „Staravasning steht für diese Universitätsreformen im Geiste der Aufklärung ebenso wie für seine Verdienste bei der medizinischen Versorgung der Stadtbevölkerung“. Die Bürger*innen Freiburgs würdigten das auch bei seiner Beerdigung, die von einem großen Trauerzug begleitet wurde.

Georg Carl Staravasning steht für Universitätsreformen im Bereich Medizin und für seine Verdienste bei der medizinischen Versorgung der Stadtbevölkerung. Foto: Klaus Polkowski / Universität Freiburg
Austausch mit der Universität
Neben der Spurensuche auf dem Alten Friedhof ist es Möhle auch wichtig, den Verein der Freunde des Alten Friedhofs dabei zu unterstützen, Kontakte zur Universität zu pflegen und nach gemeinsamen Forschungsinteressen zu suchen. „Viele Grabmale des Alten Friedhofs sind geprägt von der Antikenbegeisterung des Klassizismus. Die Archäologen Prof. von den Hoff und Prof. Dickmann haben den Vereinsmitgliedern im vergangenen Jahr die antike Grabmalsgestaltung nahegebracht. Im Anschluss an einen Besuch in der Archäologischen Sammlung der Universität haben wir Antikenbezüge auf Grabmalen des Alten Friedhofs untersucht – ein sehr fruchtbarer Blick über den Tellerrand.“
Gerade weil der Alte Friedhof ein zentraler Ort für die Stadt- und Universitätsgeschichte ist, ist es Möhle ein Anliegen, diesen noch stärker in Stadtgesellschaft und Universitätsgemeinschaft zu verorten und bekannt zu machen.


