Reduktion im Alltag –
Mobilität und Wohnen als transformative Praxisfelder im Kontext heterodoxer Wohlstandsvorstellungen
(10/2026 – 09/2029; Leitung: Prof. Dr. Timo Heimerdinger, DFG-Projektnr.: 584162375), finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Teilstudien:
a) N.N.: „Teilstudie Mobilität“ (Reduktion von Privat-PKWs und CO2-intensiver Alltagsmobilität)
b) N.N.: „Teilstudie Wohnen“ (Reduktion von Wohnraum und Flächenbeanspruchung)
Die Klimakrise erfordert eine umfassende Reduktion von klimaschädlichen Emissionen und Ressourcenverbrauch allgemein. Neben politischen und systemischen Kontexten ist auch der private Konsum adressiert. Als relevant gelten hierbei die Bereiche Ernährung, Mobilität und Wohnen. Die Frage individueller Konsumreduktion und Verbrauchsbegrenzung ist politisch umkämpft. So einig sich viele Akteure in dieser Frage grundsätzlich sind, so umstritten ist sie, je konkreter der Reduktionsimperativ auf einzelne Praxisfelder bezogen wird. Es handelt sich also sowohl um eine politisch offene Frage, als auch um eine wissenschaftliche Forschungsaufgabe jenseits makrotheoretischer Debatten, v.a. in Bezug auf gelingende Konsumreduktion in bürgerlichen Mittelklassemilieus in Verlaufsperspektive. Hierzu existieren bislang kaum detaillierte ethnografische Studien, da sich die politischen und wissenschaftlichen Debatten oft um die Ränder der Gesellschaft drehen. Wir untersuchen in diesem Projekt konkrete Reduktionspraktiken in einer prozessualen Perspektive in Bezug auf die Praxisfelder (Alltags-)Mobilität und Wohnen. Diese umfassen Praktiken im Kontext der Abschaffung des eigenen Autos und Umstieg auf ÖPNV, Carsharing oder Fahrrad sowie Wohnraumverkleinerung, Wohnungstausch oder Umbau von Häusern in mehrere kleinere Einheiten. Diese Praktiken werden – so unsere zentrale These – von den handelnden Akteur*innen als aktive und produktive Suchbewegung nach neuen, heterodoxen Formen des Wohlstands gedeutet. Sie umfassen neben dem Aspekt der ökonomischen Prosperität auch etwa jene der Raum- und Zeitsouveränität, des ethischen Konsums, der Klimagerechtigkeit oder der Passung zwischen Anspruch, Denken und Handeln.
Die übergeordnete Fragestellung lautet daher: Wie werden Reduktionspraktiken hinsichtlich Wohnen und Mobilität alltagspraktisch vollzogen, erlebt und begründet und welche Wohlstandsvorstellungen werden hierbei auch jenseits des konventionellen ökonomischen Wachstumsparadigmas realisiert?
Die mittelfristig angelegte, ethnografisch-begleitende Untersuchung erfolgt im Rahmen zweier ethnografischer Teilstudien. Beide Bereiche – Mobilität und Wohnen – stehen im Zentrum des Alltagsvollzugs, unterscheiden sich in ihrer alltäglichen Binnenlogik jedoch voneinander. Mit der Fokussierung auf einen konkreten Ort (Freiburg) und bürgerlich-transformationsbereite Mittelklassemilieus wird ein soziokultureller Raum beforscht, der sowohl maßgebliche Verbrauchsprofile zeigt, als auch in seiner Multiplikator- und Meinungsbildungsfunktion Breitenwirksamkeit entfaltet. Das Projekt erforscht daher soziokulturell paradigmatische und gesellschaftlich symptomatische Mechanismen in Reduktionspraktiken als aktiven Formen der Lebensgestaltung. Es möchte damit über die weitgehend normativ und prospektiv geführten Debatten im öffentlichen und politischen Raum hinausführen.