Ernährungswirtschaft krisenfest machen: Wissenschaft unterstützt Dialog der Lebensmittelverbände
Freiburg, 28.07.2026
Wie kann die Ernährungswirtschaft in Deutschland krisenfest werden? Im Juli organisierte die Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft der Universität Freiburg einen Strategie-Workshop in Berlin zu dieser Frage, an dem rund 20 Verbände und Organisationen der Lebensmittelverarbeitung teilnahmen. Die Veranstaltung legte den Grundstein für eine langfristige evidenzgestützte Zusammenarbeit, um den negativen Auswirkungen des Strukturwandels in der Lebensmittelverarbeitung koordiniert zu begegnen.
Die Lebensmittelverarbeitung in Deutschland durchläuft einen drastischen Strukturwandel, der die Ernährungswirtschaft insgesamt krisenanfällig werden lässt. Wie dieser Entwicklung mit konkreten Maßnahmen wirksam begegnet werden kann, diskutierten im Juli rund 20 Verbände und Organisationen der Lebensmittelverarbeitung aus ganz Deutschland bei einem Strategie-Workshop in Berlin. Die Veranstaltung wurde von der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft der Universität Freiburg organisiert und bildete den Startpunkt einer langfristigen evidenzgestützten Zusammenarbeit der Verbände für eine krisenfeste Ernährungswirtschaft.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war die kürzlich von der Humboldt-Professur veröffentlichte Studie „Strukturwandel in der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland – Ursachen, Folgen und Maßnahmen für Resilienz und Nachhaltigkeit“. Diese zeichnet ein deutliches Bild des tiefgreifenden Strukturwandels in der Lebensmittelverarbeitung: Die Zahl kleiner und handwerklicher Betriebe ist stark rückläufig, unter anderem aufgrund von wirtschaftlichem Druck, Fachkräftemangel und bürokratischen Hürden. Dabei kommt kleinen und handwerklichen Betrieben eine Schlüsselrolle für eine resiliente und regionale Lebensmittelwirtschaft zu, zum Beispiel bei den Themen Versorgungssicherheit,regionale Wertschöpfung und Erhalt von Arbeitsplätzen.
„Es ist als sehr positiv zu bewerten, dass die vielen teilnehmenden Verbände und Organisationen die Evidenz der von uns erarbeiteten Studie nutzen, um konkrete verbands- und branchenübergreifende Maßnahmen zu ergreifen. Nur durch solch ein gemeinsames und koordiniertes Vorgehen kann den drastischen Auswirkungen des Strukturwandels in der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland wirksam begegnet werden.“
Prof. Dr. Arnim Wiek
Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft, Universität Freiburg
Wissenschaftliche Sammlung und Vermittlung innovativer Lösungsansätze
Die Studie zeigt zudem, dass kleine und handwerkliche Betriebe bereits vereinzelt innovative Lösungen entwickelt haben, um den Herausforderungen des Strukturwandels zu begegnen, diese in den Branchen jedoch bisher nicht flächendeckend umgesetzt sind. Genau an diesem Punkt setzte der Strategie-Workshop an, der von Mitarbeitenden der Humboldt-Professur moderiert wurde. Erstmals kamen Vertreter*innen aus den zentralen Branchen der Lebensmittelverarbeitung zusammen, um vorhandene Unterstützungsangebote für kleine und handwerkliche Betriebe gemeinsam zu analysieren. Die Teilnehmenden tauschten sich dazu aus, welche Lösungsansätze sich bereits bewährt haben, wo Kooperationen sinnvoll wären und bei welchen Herausforderungen politische Unterstützung erforderlich ist. Zudem entwickelten sie Ansätze für verbands- und branchenübergreifende Maßnahmen.
Prof. Dr. Arnim Wiek von der Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswissenschaft beschreibt die Zusammenarbeit, die durch die Veranstaltung angestoßen wurde, wie folgt: „Es ist als sehr positiv zu bewerten, dass die vielen teilnehmenden Verbände und Organisationen die Evidenz der von uns erarbeiteten Studie nutzen, um konkrete verbands- und branchenübergreifende Maßnahmen zu ergreifen. Nur durch solch ein gemeinsames und koordiniertes Vorgehen kann den drastischen Auswirkungen des Strukturwandels in der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland wirksam begegnet werden.“
Die Teilnehmenden einigten sich einstimmig darauf, eine Folgeveranstaltung zur Erarbeitung eines gemeinsamen Aktionsplans durchzuführen und den begonnenen Prozess langfristig fortzuführen. Damit markiert der Strategie-Workshop den Auftakt für einen langfristigen Austausch zwischen Verbänden, Unternehmen und Wissenschaft. „Zugleich sendete das Treffen in Berlin ein deutliches Signal Richtung Bundespolitik: Die großen Herausforderungen des Strukturwandels lassen sich nur gemeinsam bewältigen und benötigen der gezielten und weitreichenden politischen Unterstützung“, so Wiek.
Am Workshop nahmen u.a. Vertreter*innen folgender Verbände und Organisationen teil:
- Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks
- Agora Agrar
- Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
- Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft
- Bundesverband der Regionalbewegung
- Bundesverband Naturkost Naturwaren
- Demeter
- Deutscher Bauernverband
- Deutscher Fleischer-Verband
- Lebensmittelverband Deutschland
- Verband der Landwirte mit handwerklicher Fleischverarbeitung
- Verband für handwerkliche Milchverarbeitung
- Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk
Weitere Informationen
- Originalpublikation: Buckwitz, S., Wiek, A., Blum, B., & Sipple, D. (2025). Strukturwandel in der Lebensmittelverarbeitung in Deutschland – Ursachen, Folgen und Maßnahmen für Resilienz und Nachhaltigkeit. Humboldt-Professur für Nachhaltige Ernährungswirtschaft, Institut für Wirtschaftswissenschaften, Universität Freiburg.
DOI: https://doi.org/10.6094/UNIFR/276942