Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

„Europa kann sich entfalten, wo Kooperation Alltag ist“

Freiburg, 18.05.2026

Der Dies Universitatis am 19. Mai 2026 steht in diesem Jahr im Zeichen des zehnjährigen Jubiläums des Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) von „Eucor – The European Campus“. Was bedeutet diese Form der europäischen Zusammenarbeit für die Universität Freiburg, die Region und Europa? Ein Gespräch mit Prof. Dr. Melanie Arndt, Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit.

Prof. Dr. Melanie Arndt, Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit. Foto: Patrick Seeger / Universität Freiburg

Frau Arndt, am diesjährigen Dies Universitatis geht es unter anderem um grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Zeiten globaler Krisen. Was leistet Eucor in dieser Hinsicht?

In Zeiten globaler Krisen verstärken sich Unsicherheit und Ängste. Langfristig angelegte Verbünde wie Eucor bieten einen stabilen, verlässlichen und vertrauensvollen Rahmen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Damit schafft Eucor Sicherheit und ermöglicht Verständigung trotz Krisen. Und das lohnt sich: Gemeinsam ist man tatsächlich einfach stärker. Die Eucor-Universitäten bündeln Expertise über Grenzen hinweg, was der Forschung nützt und dazu beiträgt, Lösungen für Probleme zu finden.

Eucor zeigt, wie gut etablierte europäische Verbünde auch in Zeiten globaler Krisen funktionieren können: Forschende arbeiten gemeinsam, Studierende bewegen sich selbstverständlich über Grenzen hinweg. Europa wird hier nicht nur gedacht, sondern gelebt. Es lohnt sich also, in europäische Zusammenarbeit zu investieren und stabile Partnerschaften aufzubauen, um herausfordernde Zeiten gemeinsam meistern zu können.

Den EVTZ von Eucor gibt es nun seit zehn Jahren. Warum feiern wir das beim Dies Universitatis?

Gefeiert wird ein echter Meilenstein. Seit 2016 besitzen die fünf Eucor-Universitäten – die Universitäten Basel, Freiburg, Haute Alsace und Straßburg sowie das Karlsruher Institut für Technologie – eine gemeinsame dauerhafte Rechtspersönlichkeit in Form eines Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit, kurz EVTZ. Das war damals eine Premiere, denn Eucor war der erste EVTZ zwischen Hochschulen in Europa.

Mit dem EVTZ wurde aus einem universitären Netzwerk eine handlungsfähige Institution. Statt projektbezogener Zusammenarbeit gibt es nun eine dauerhafte Struktur mit gemeinsamer Governance und Strategie sowie einer eigenen Eucor-Geschäftsstelle, die für alle Mitgliedsuniversitäten arbeitet. Das klingt nach einer rein strukturellen Veränderung, ist aber politisch und wissenschaftlich hoch relevant. Kooperation wurde dadurch verlässlich, langfristig und strategisch. Heute hat der Verbund Modellcharakter für europäische Hochschulallianzen.

Ein Porträt von Melanie Arndt.

„Mit dem EVTZ wurde aus einem universitären Netzwerk eine handlungsfähige Institution. Statt projektbezogener Zusammenarbeit gibt es nun eine dauerhafte Struktur mit gemeinsamer Governance, gemeinsamer Strategie und einer eigenen Eucor-Geschäftsstelle.“

Prof. Dr. Melanie Arndt

Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit

Was hat der EVTZ-Status konkret für Eucor verändert?

Die Universitäten bleiben autonom, handeln aber unter einem gemeinsamen Dach. Das ermöglicht Kooperation nicht nur auf symbolischer, sondern auf einer operativen Ebene. Zum Beispiel werben die Universitäten zusammen europäische Fördermittel ein und bauen gemeinsame Graduiertenprogramme auf, etwa in den Bereichen Quantenwissenschaft und Immunologie. Besonders erfolgreich ist das durch den EVTZ vergebene Förderinstrument „Eucor Seed Money“. Damit wurden seit 2017 insgesamt 73 gemeinsame Projekte angestoßen, etwa ein Drittel davon konnte anschließend nationale oder europäische Drittmittel einwerben. So wurden allein zwischen 2017 und 2021 rund 12,5 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel mobilisiert.

Worin liegt die Besonderheit von Eucor im Vergleich zu anderen Universitätsverbünden?

Die größte Besonderheit ist die geografische Nähe. Renommierte Universitäten aus drei Ländern liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, das ist europaweit einzigartig. Diese Nähe ermöglicht eine niedrigschwellige Internationalisierung der Lehre und der Forschung: gemeinsame Seminare, Blockkurse oder Forschungsprojekte lassen sich physisch realisieren. Studierende profitieren von freier Mobilität, Forschende von gemeinsam genutzten Infrastrukturen, Brückenprofessuren und Vernetzungsmöglichkeiten. Jährlich finden mehr als 50 Veranstaltungen im studentischen Bereich statt, die Internationalität und kulturelle Vielfalt fördern. Hinzu kommt die starke regionale Verankerung. Eucor arbeitet eng mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen – etwa im Eucor-Städte-Netzwerk, bei Veranstaltungen wie dem BioCampus Investor Day oder bei Transferformaten wie derMobiLab Roadshow. Dadurch festigt sich ein europäischer Wissenschaftsraum, der sowohl regional als auch außerhalb der Wissenschaft fest verwurzelt ist.

Ein Porträt von Melanie Arndt.

„Internationalisierung heißt für die Universität Freiburg mehr als nur Austauschprogramme oder Einzelprojekte, sondern strukturell verankerte, langfristige europäische Zusammenarbeit.“

Prof. Dr. Melanie Arndt

Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit

Was bedeutet die Mitgliedschaft in Eucor für die Universität Freiburg?

Die Eucor-Mitgliedschaft zeigt sehr gut, was wir unter moderner Internationalisierung verstehen: Internationalisierung heißt für die Universität Freiburg mehr als nur Austauschprogramme oder Einzelprojekte, sondern strukturell verankerte, langfristige Zusammenarbeit. Dazu gehört auch, Perspektiven unserer engsten Partner ins Zentrum der eigenen institutionellen Entwicklung zu stellen.

Für die Universität Freiburg bedeutet Eucor außerdem eine stärkere internationale Sichtbarkeit. Gemeinsam bilden wir einen trinationalen Hochschulraum am Oberrhein, der global wahrgenommen und auch für unsere globalen Partner immer attraktiver wird.

Sie sitzen innerhalb von Eucor der Policy Group Nachhaltigkeit vor. Woran arbeitet diese Gruppe zurzeit?

Nachhaltigkeit ist ein strategischer Schwerpunkt von Eucor. Unsere Policy Group dient zum einen als Austauschplattform zum Thema Nachhaltigkeit. Zum anderen entwickeln wir Lehr-, Forschungs- und Transferkooperationen, um Nachhaltigkeit im Oberrheingebiet gezielt voranzubringen. Ein Beispiel hierfür ist die grenzüberschreitende Brückenprofessur „Water Sustainability“ zwischen dem Karlsruher Institut für Technologie und der Université de Strasbourg. Außerdem organisieren wir Workshops, in denen Forschende neue gemeinsame Projekte zum Thema Nachhaltigkeit entwickeln, und stärken wissenschaftliche Netzwerke wie das trinationale Netzwerk Upper Rhine Cluster for Sustainability Research (URCforSR). Ein wichtiger Teil unserer Arbeit liegt auch auf der operativen Ebene: Die Universitätsverwaltungen tauschen Best Practices für nachhaltigen Universitätsbetrieb aus.

Ein Porträt von Melanie Arndt.

„Für Eucor hat der EVTZ manchmal die beschleunigende und reinigende Funktion eines Katalysators übernommen: Er stößt neue Entwicklungen an und treibt sie voran.“

Prof. Dr. Melanie Arndt

Prorektorin für Internationalisierung und Nachhaltigkeit

Welchen Blick haben Sie als Historikerin auf zehn Jahre EVTZ?

Als Historikerin interessiert mich vor allem das Zusammenspiel von Wandel und Kontinuität. Genau das lässt sich bei der Entwicklung von Eucor und dem EVTZ sehr eindrücklich beobachten. Für Eucor hat der EVTZ manchmal die beschleunigende und reinigende Funktion eines Katalysators übernommen: Er stößt neue Entwicklungen an und treibt sie voran. Gleichzeitig stärkt der EVTZ den Verbund, indem er ihn organisatorisch zusammenhält. Dieses professionelle Management ist bei einem so umfangreichen internationalen Verbund wie Eucor ein enormer Gewinn.

Wo sehen Sie Eucor und den EVTZ in zehn Jahren?

Ich sehe einen echten europäischen Campus am Oberrhein mit noch mehr Studierendenmobilität und einem gelebten Multilingualismus, möglicherweise unterstützt durch KI. Wir werden stärker integrierte Lehrangebote haben, mehr gemeinsame Doktorand*innen-Programme und neue Brückenprofessuren als Motoren für innovative Forschung. Gleichzeitig wird der Transfer weiterentwickelt, indem die Zusammenarbeit mit regionalen Akteur*innen intensiviert wird. Europa kann sich entfalten, wo Kooperation Alltag ist. Mein Wunsch ist es, dieses Europa des Miteinanders – in dem Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit ist – zu bewahren, weiter auszubauen und andere damit zu inspirieren, um so zu einem größtmöglichen gegenseitigen Verständnis und Austausch beizutragen.

Eucor – The European Campus

Eucor – The European Campus ist ein trinationaler Verbund zwischen fünf Universitäten in der Oberrheinregion im Herzen Europas. Zu den Mitgliedern zählen die Universitäten Basel, Freiburg, Haute-Alsace, Strasbourg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Gemeinsam bündeln die Universitäten Kompetenzen von 17.000 Forscherinnen und Forschern, 9.900 Promovierenden sowie 120.000 Studierenden in einer starken Forschungs- und Wirtschaftsregion zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Ziel ist der Aufbau eines klar profilierten Wissenschaftsraumes ohne Mauern und Grenzen mit internationaler Ausstrahlung.

Dies Universitatis 2026

Der diesjährige Dies Universitatis findet am 19. Mai 2026 statt und steht unter dem Schwerpunkt „Internationalität als Zukunftsstrategie – Hochschulen im globalen Wandel“. Ein besonderer Fokus liegt auf der Zusammenarbeit innerhalb von Eucor – The European Campus, das 2026 das zehnjährige Bestehen seines Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) feiert. Zudem würdigt der Festakt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Universität verdient gemacht haben. Ein weiterer Höhepunkt ist die Premiere des neuen Imagefilms der Universität.

Kontakt

Hochschul- und Wissenschaftskommunikation

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