Forschung in Zeiten des Krieges: Tetiana Hoshko als VUIAS-Fellow am FRIAS
Freiburg, 05.02.2026
Mit der Historikerin Tetiana Hoshko begrüßt das FRIAS die erste Empfängerin des neuen VUIAS Fellowships. Der Forschungsaufenthalt ist Teil einer internationalen Initiative zur Unterstützung ukrainischer Wissenschaftler:innen.

„Die Bedingungen für wissenschaftliches Arbeiten in der Ukraine sind äußerst schwierig“, sagt Tetiana Hoshko, Professorin für Geschichte an der Ukrainian Catholic University in Lwiw. Der Alltag sei geprägt von häufigen Strom- und Internetausfällen, Einschränkungen in der Wasserversorgung sowie vielen schlaflosen Nächten aufgrund von Luftalarmen infolge russischer Angriffe. „Dennoch setzen wir unsere Arbeit fort, unterrichten Studierende und veröffentlichen wissenschaftliche Beiträge – wenn auch langsamer als unter normalen Umständen.“
Im akademischen Jahr 2025/26 ist Tetiana Hoshko Fellow am FRIAS. Ihren ersten Aufenthalt absolvierte sie von Oktober bis Dezember 2025, im Juni 2026 kehrt sie für zwei weitere Monate nach Freiburg zurück. Hoshko ist die erste Empfängerin eines Fellowships des Virtual Ukraine Institute for Advanced Study (VUIAS). Dieses ist Teil einer internationalen Initiative des Wissenschaftskollegs zu Berlin in enger Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen aus der Ukraine, Europa und den USA. Ziel ist es, ukrainische Wissenschaftler:innen beim Aufbau eines Ukraine Institute for Advanced Study (UIAS) in Kyjiw zu unterstützen. Da ein regulärer Institutsbetrieb derzeit nicht möglich ist, arbeitet VUIAS seit September 2023 als virtuelle Einrichtung. Das Projekt wird bis 2029 von der VolkswagenStiftung mit rund zwei Millionen Euro gefördert. Der Forschungsaufenthalt in Freiburg wurde zusätzlich durch großzügige Spenden des Fördervereins Alumni Freiburg e.V. ermöglicht.
Nach drei Monaten am FRIAS zieht Hoshko eine positive Bilanz: Sie habe die Zeit als außerordentlich produktiv erlebt und wichtige Fortschritte in ihrer Forschung erzielen können – nicht zuletzt dank der hervorragenden Arbeitsbedingungen und der Möglichkeit, sich intensiv auf ihr Projekt zu konzentrieren. „Es war für mich von unschätzbarem Wert, mich mehrere Monate in Sicherheit und intellektueller Ruhe ausschließlich meiner Forschung zu widmen“, sagt die Historikerin.

Tetiana Hoshko ist Professorin für Geschichte an der Ukrainian Catholic University (UCU) in Lwiw. Im Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit steht seit vielen Jahren die Geschichte des deutschen Stadtrechts in den ruthenischen Gebieten der polnischen Krone zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert. Dabei untersucht sie, wie rechtliche und intellektuelle Strömungen aus West- und Mitteleuropa in die Region gelangten, lokal adaptiert wurden und zur Herausbildung europäischer Rechts- und Kulturvorstellungen beitrugen.
Aus dieser Arbeit heraus wandte sich Hoshko zunehmend bislang wenig erforschten Quellen zu, insbesondere botanischen und medizinischen Traktaten der Frühen Neuzeit. Am FRIAS arbeitet Hoshko an ihrem Projekt „Women’s Health and Pregnancy in the Towns of the Polish‑Lithuanian Commonwealth, 16th and 17th Centuries“, das medizinische, soziale und rechtliche Vorstellungen von Frauengesundheit und Schwangerschaft in frühneuzeitlichen Städten untersucht.
„Durch die hervorragende Infrastruktur an der Universität Freiburg konnte ich ein Kapitel einer geplanten Monografie zu urbanen Frauen in den ruthenischen Gebieten vom 14. bis 17. Jahrhundert zur Publikation vorbereiten.“ Neben den Arbeitsbedingungen hebt sie vor allem den intensiven wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der intensive intellektuelle Austausch am FRIAS war sehr anregend. Die Gespräche mit den Fellows und anderen Kolleg:innen haben mir geholfen, meine Argumente zu schärfen, neue Perspektiven zu erkennen und zentrale Aspekte meiner Forschung noch einmal zu überdenken. Ich freue mich auf meine Rückkehr im Sommer 2026.“
Text: Max Bolze, 05.02.2026