Herzlich willkommen: Prof. Dr. Birte Christ, Professorin für Englische Philologie (Nordamerikanische Literaturwissenschaft) am Englischen Seminar
Freiburg, 20.11.2025
Seit dem 1. Oktober 2025 ist Prof. Dr. Birte Christ zurück an ihrer Alma Mater. Die Professorin für Englische Philologie, die an der Universität Freiburg studiert hat und promoviert wurde, spricht im Interview über Forschungsfreiheiten in den Literatur- und Kulturwissenschaften und erklärt, warum sie ihre Studierenden zum kritischen Denken ermutigen möchte.

Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?
Im Rahmen meiner von der DFG geförderten Heisenberg-Professur mit dem Thema „Die kulturelle Arbeit populärer Formen: Transnationale und intersektionale Perspektiven in den Amerikastudien“ analysiere ich in einem Projekt die Rolle amerikanischer Literatur auf dem deutschen Buchmarkt der Nachkriegszeit von 1945 bis 1977. In einem anderen untersuche ich anhand narratologischer und ästhetischer Aspekte, wie US-amerikanische und britische Texte, Filme und Fernsehproduktionen Isolationshaft darstellen. Dass ich dabei transnational arbeiten kann und keinem Kanon verpflichtet bin, genieße ich sehr. Ebenso die Freiheit, über die breitere kulturelle, ja ideologische Bedeutung medialer Darstellungen nachzudenken: Wie möchte ein Text, ein Foto, ein Film oder eine Reklame, dass wir die Welt sehen? In wie weit ist der historische Kontext – gerade in Bezug auf die USA – bis heute politisch prägend? Das finde ich super spannend.
Welche Lösungsansätze finden Sie in Ihrer Forschung für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft?
Aktuell erleben wir auf verschiedenen Ebenen einen Trend zur Polarisierung. Schwarz-Weiß-Denken tritt immer stärker in Krisensituationen auf, da Polarisierung vermeintlich einfache Lösungen für vielschichtige Probleme verspricht. Mit meiner Forschung möchte ich das Bewusstsein dafür schärfen, dass die allermeisten Dinge auf der Welt komplex sind und dies auch sein dürfen. Daher möchte ich andere zu ermutigen, komplex und kritisch zu denken – eine wichtige Fähigkeit, um Lösungsansätze für große politische und gesellschaftliche Aufgaben zu finden.
Was möchten Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben und was nehmen Sie selbst aus der Lehre mit?
Die USA trotz der aktuellen Entwicklungen nicht aufzugeben! Als Amerikanistin ist es mir sehr wichtig, in meiner Lehre die longue durée, also lange historische Phasen,im Blick zu behalten und nicht intellektuell in Panik zu verfallen – auch wenn wir uns natürlich gegen jegliche autokratische Politik stellen müssen. Zudem möchte ich meine Studierenden motivieren, neugierig zu bleiben und sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben – das schaffe ich selbst auch am besten in der Diskussion im Seminarraum.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell persönlich am meisten außerhalb Ihrer Forschung?
Wie vermutlich uns alle: Krieg und Gewalt – und wie wir sie verhindern können. Wobei dies auch Thema meiner Forschung ist: In der Lesekultur der Nachkriegszeit geht es ganz stark darum, wie Kriege verhindert werden können und wie Demokratie gelebt werden kann.
Auf was freuen Sie sich in Freiburg besonders?
Auf die Kolleg*innen vor Ort und die Chance, eine junge dynamische Fakultät inhaltlich wie personell mitgestalten zu können. Perspektivisch auch auf eine Neuauflage meines Seminars zu „Christmas Movies“, in dem wir Klassiker dieses Genres und darin vorkommende Motive sowie Stereotype kritisch beleuchten. Und auf die Pommes in der Mensa, die ich noch in guter Erinnerung habe.
Infobox
Name: Prof. Dr. Birte Christ
Professur: Professur für Englische Philologie (Nordamerikanische Literaturwissenschaft) am Englischen Seminar der Philologische Fakultät der Universität Freiburg
Forschungsschwerpunkte:
- Recht und Literatur
- Literatur vom 17 Jahrhundert bis zur Gegenwart
- Diversity Studies
- Gegenwartspolitik und Geschlechterfragen
- Instapoetry