Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Herzlich willkommen: Prof. Dr. Jacqueline Klooster, Professorin für Gräzistik

Freiburg, 12.11.2025

Seit Oktober 2025 ist Jacqueline Klooster Professorin für Gräzistik am Seminar für Griechische und Lateinische Philologie der Universität Freiburg. Im Interview erzählt sie, warum antike Texte für uns fremd und vertraut zugleich sind, was wir aus ihnen lernen können, wie wichtig Offenheit und genaues Lesen sind – und was Amsterdam von Freiburg unterscheidet.

Ein Frau mit lockigem Haar sitzt in einem Hörsaal
Prof. Dr. Jacqueline Klooster. Foto: Jürgen Gocke / Universität Freiburg

Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?

Als Gräzistin finde ich es fantastisch, Texte zu lesen können, die vor 2.500 Jahren geschrieben wurden und in denen Menschen ihre Fragen über die Welt, ihre Emotionen und ihre Ideen zu Papier gebracht haben. Es ist unglaublich, dass wir all das heute noch lesen können und so einen Einblick in eine Welt erhalten, die unserer eigenen ähnlich ist, aber in vielerlei Hinsicht auch fremd und anders. Das liefert immer neue Erkenntnisse, auch über die Welt von heute. Die Antike zu verstehen bedeutet, sich zu bemühen, sich in eine andere Perspektive hineinzuversetzen.

Persönlich finde ich daher auch interessant, wie moderne Autoren und insbesondere Autorinnen, etwa Madeline Miller und Natalie Haynes, aber auch Christa Wolf und Marguerite Yourcenar, mythologische Geschichten zu verstehen versuchen, indem sie sie von innen heraus neu durchleben und neu erzählen.

Falls Ihre Forschung Ansatzpunkte bietet: Welche Lösungsansätze finden Sie in Ihrer Forschung für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft?

Wahrscheinlich sind Altphilolog*innen nicht die ersten, an die man denkt, wenn man nach Lösungen für die großen Probleme unsere Welt sucht. Dennoch glaube ich, dass wir eine nicht unbedeutende Rolle spielen können. Antike Texte bieten viele Anknüpfungspunkte, um über Muster in unserer eigenen Welt kritisch nachzudenken.

Ein gutes Beispiel finden wir in den stereotypen Rollen der griechischen Frauen, die ihren Männern untertan sein mussten und sich nicht in der Öffentlichkeit zeigen durften. Warum war das die Norm, galt das immer, und wie hat sich das auf das Frauenbild in unserer eigenen Kultur ausgewirkt? Und können wir dem etwas entgegensetzen, indem wir die antiken Texte kritisch lesen, aber auch die Rezeption und Neuerzählungen der Antike kritisch hinterfragen?

Was möchten Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben und was nehmen Sie selbst aus der Lehre mit?

Gutes Lesen ist essenziell. Es ist wichtig, genau zu lesen und dabei alle Vorurteile über einen bestimmten Text über Bord zu werfen: Schauen Sie, was wirklich geschrieben steht, und versuchen Sie, es so gut wie möglich zu verstehen, mit so vielen Hilfsmitteln wie möglich: Wörterbuch, Grammatik, Kommentare, historischer Kontext. Erst wenn man sich wirklich angestrengt hat, kann man sich zu einem Text verhalten. In einer Welt, in der die Aufmerksamkeitsspanne durch den Einfluss des Internets kürzer geworden ist, ist eine solche tiefe Konzentration im Unterricht sehr wichtig.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell persönlich am meisten außerhalb Ihrer Forschung?

Ich bin erschrocken über die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft: die Unwilligkeit und Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, um Gemeinsamkeiten zu finden: zwischen Männern und Frauen, verschiedenen Geschlechtsidentitäten, verschiedenen Religionen, verschiedenen ethnischen Hintergründen. Ich denke, dass die Empathie, die durch Lesen und Einfühlen in andere Gedankenwelten entsteht, gerade deshalb so wichtig ist. Wir sollten unser Denken durch Lesen und Diskutieren schärfen, statt alles aus sozialen Medien zu übernehmen oder die KI für uns Denkaufgaben übernehmen zu lassen, die wir als unangenehm empfinden. Wenn wir Fähigkeiten wie Empathie, Konzentration und logisches Denken nicht weiter trainieren, werden wir sie verlieren.

Wir Geisteswissenschaftler*innen müssen uns gut darüber informieren, was in den sozialen Medien und im Bereich der KI passiert. Das sind die großen Revolutionen unserer Zeit, die wir kritisch verfolgen müssen, deren Möglichkeiten wir aber auch auch nicht verpassen dürfen, wenn wir relevant bleiben wollen.

Auf was freuen Sie sich in Freiburg besonders?

Ich freue mich sehr darauf, neue Kolleg*innen und Studierende kennenzulernen, neue Freundschaften zu schließen und Kooperationen anzugehen. Da ich aus den Niederlanden komme, freue ich mich besonders darauf, die Berge und den Schwarzwald zu entdecken. Eine so beeindruckende Natur findet man in der Umgebung von Amsterdam nicht leicht, obwohl das Meer natürlich auch schön ist. Ganz allgemein freue ich mich darauf, in dieser wunderschönen Stadt zu leben.

Infobox

Name: Jacqueline Klooster

Professur: Altphilologie, Griechisch

Forschungsschwerpunkte: Hellenistische Dichtung, Historische Erzählerforschung, Rezeptionstheorie, Die Rezeption von Mythologischen Frauenfiguren in der Moderne

An Exzellenzcluster/-initiative beteiligt? Noch nicht

Kontakt

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