Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Herzlich willkommen: Prof. Dr. Jonathan Henshaw, Professor für Theoretische Biologie

Freiburg, 29.04.2026

Seit März 2026 ist Jonathan Henshaw Professor für Theoretische Biologie an der Fakultät für Biologie. Im Interview spricht er darüber, wie seine Forschung dabei helfen kann, das evolutionsbiologische Verständnis für diverses Sexualverhalten im Tierreich zu verbessern, was er seinen Studierenden auf den Weg geben möchte und warum ihn die Wissenschaft auch im Privaten nicht ganz loslässt.

Ein jüngerer Mann mit Bart in einem Park mit alten Bäumen

Prof. Dr. Jonathan Henshaw, Professor für Theoretische Biologie. Foto: Klaus Polkowski / Universität Freiburg

Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?

Als theoretischer Evolutionsbiologe erforsche ich die Vielfalt des Lebens und untersuche Befruchtungsstrategien, Sexualverhalten und elterliche Fürsorge im Tierreich anhand mathematischer Modelle und Computersimulationen. Einen auffälligen Kontrast finde ich dabei besonders spannend: Die Vielfalt des Lebens scheint aufgrund der kaum überschaubaren Zahl und Verschiedenheit von Organismen schier grenzenlos, unterliegt gleichzeitig aber klaren Gesetzmäßigkeiten. Es reizt mich, beide Seiten besser zu verstehen – sowohl die Muster, als auch die Vielfalt darum herum – um nachvollziehen zu können, wie die Evolution unsere Welt prägt.

Falls Ihre Forschung Ansatzpunkte bietet: Welche Lösungsansätze finden Sie in Ihrer Forschung für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft?

Wir Menschen sind von hoher Diversität in unseren Partnerpräferenzen geprägt. Der aktuelle Forschungsstand zeigt jedoch, dass wir damit nicht allein sind: Sexualverhalten in der Natur ist generell sehr divers. Gleichgeschlechtliches Sexualverhalten ist zum Beispiel weit verbreitet und wurde schon bei verschiedenen Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien, Amphibien und Insekten nachgewiesen. Theoretische und empirische Studien zeigen auch, dass es verschiedene evolutionäre Funktionen erfüllen kann. Mit meiner Arbeit möchte ich das evolutionsbiologische Verständnis für diverses Sexualverhalten schärfen und für sexuelle Vielfalt, auch bei Menschen, sensibilisieren.

Was möchten Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben und was nehmen Sie selbst aus der Lehre mit?

Ich möchte sie insbesondere darin unterstützen, ihre Fähigkeiten im quantitativen Bereich zu verbessern, um Modelle und Statistik kritisch einzusetzen und zu interpretieren. Lehre ist für mich ein kooperativer Prozess. Ein Beispiel: Ich muss meine statistische Lehre gefühlt jährlich völlig überarbeiten, da künstliche Intelligenz neue Herangehensweisen anbietet. Meine Studierenden sind neugierige und zum Teil schon erfahrene Nutzer*innen dieser Technologien und ich tausche mich gern mit ihnen darüber aus, wie wir diese produktiv einbinden können.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell persönlich am meisten außerhalb Ihrer Forschung?

Mein Interesse an den Themen Vielfalt und Wissenschaft spiegelt sich auch im Privaten wider, allerdings auf einem ganz anderen Gebiet: Als Teil der Online-Community von iNaturalist, die Nutzer*innen erlaubt, ihre Beobachtungen von Tieren, Pflanzen und Pilzen in der Natur zu dokumentieren. Als Beobachter und Bestimmer schlüpfe ich damit in die Rolle eines Citizen Scientist, also eines Bürgerwissenschaftlers, der Forschenden relevante Daten für ihre Arbeit zur Verfügung stellt.

Worauf freuen Sie sich in Freiburg besonders?

Ich war bereits Juniorprofessor an der Universität Freiburg, bin also nicht „ganz neu“ hier. Ich freue mich besonders darauf, mit den neuen Generationen von Wissenschaftler*innen arbeiten zu dürfen und gemeinsam neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln.

Infobox

Name: Prof. Dr. Jonathan Henshaw

Professur: Theoretische Biologie

Forschungsschwerpunkte: Ursachen und Folgen der natürlichen Selektion, Sexuelle Selektion und die Evolution der Paarungssysteme, Evolution elterlicher Fürsorge

Kontakt

Hochschul- und Wissenschaftskommunikation

Universität Freiburg
Tel.: +49 761 203 4302
E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de