Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Honigbienen navigieren präziser als bislang angenommen

Freiburg, 17.02.2026

Ein Forschungsteam der Universität Freiburg liefert durch ein drohnenbasiertes Tracking-System erstmals hochaufgelöste 3D-Flugbahnen von Honigbienen in natürlicher Landschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass jede Biene über viele Flüge hinweg dasselbe Ziel äußerst präzise ansteuert und individueller navigiert als bislang angenommen. Dabei orientieren sich die Tiere an markanten Punkten in der Landschaft.

Drohne fliegt über eine landwirtschaftliche Fläche mit Bäumen und Bienenkästen am Feldrand.
Ein Team der Universität Freiburg zeigt, dass Honigbienen individuell gewählte Routen mit hoher Präzision abfliegen. Foto: Andrew Straw

Ein Team der Universität Freiburg um den Neuro- und Verhaltensbiologen Prof. Dr. Andrew Straw untersuchte das Flugverhalten von Honigbienen. Mit einer Drohne verfolgten die Forschenden Honigbienen auf ihrem Flug zwischen Bienenstock und einer rund 120 Meter entfernten Futterquelle in einer landwirtschaftlich genutzten Umgebung. Um die Bienen auf ihrer jeweiligen Route gezielt beobachten zu können, verwendeten die Wissenschaftler*innen das von der Arbeitsgruppe um Straw entwickelte „Fast Lock-On (FLO) Tracking“. Dabei wird ein kleiner, stark reflektierender Marker am Insekt befestigt. Ein Bildsensor richtet sich darauf aus und beleuchtet ihn mit Infrarotlicht. So kann eine einfache Bildauswertung die Biene innerhalb weniger Millisekunden zuverlässig finden und im Blick behalten. Die Ergebnisse zeigen, dass jede Honigbiene auf ihre ganz eigene Weise navigiert und diese individuellen Routen sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückflug mit höchster Präzision beibehält. Dabei nutzen die Tiere markante Punkte in der Landschaft als Orientierungshilfe.

„Unser Trackingsystem macht es erstmals möglich, hochaufgelöste 3D-Flugbahnen von Honigbienen in natürlichen Landschaften aufzuzeichnen“, erklärt Straw. „Unsere Aufnahmen lassen erkennen, dass jede Biene ihre eigene bevorzugte Route hat und diese sehr genau abfliegt. Man könnte fast sagen, jede Biene besitzt ihre eigene Persönlichkeit.“

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass visuelle Orientierungspunkte die Navigation der Bienen unterstützen und die Präzision ihrer Flugbahnen erhöhen.“

Prof. Dr. Andrew Straw

Professor für Neuro- und Verhaltensbiologie, Universität Freiburg

Bienen orientieren sich an ihrer Umwelt

Die analysierten 255 Flugrouten führten durch eine Landschaft am Kaiserstuhl, mit Hecken, einem Maisfeld und einem Baum, der den direkten Weg zwischen Bienenstock und Futterquelle blockierte. „Wir konnten eine sehr hohe Präzision der Flugbahnen innerhalb der gewählten Wege ermitteln. Einzelne Bienen haben ihre individuellen Flugwege bei mehreren Flügen genau wiederholt. Oft fliegen sie nur wenige Zentimeter von ihren vorherigen Routen entfernt vorbei“, betont Straw.

Luftaufnahme von Feldern mit farbigen Flugbahnen, die die Bewegungen einer Drohne um Baumgruppen darstellen.
Farbig dargestellte Flugrouten zeigen die individuellen Wege von Honigbienen in einer landwirtschaftlichen Umgebung. Foto: Andrew Straw

Die geringste Abweichung der Flüge identifizierte das Team in der Nähe markanter Landschaftsmerkmale wie dem Baum. Die größte Variabilität wurde dagegen über dem Maisfeld gemessen, einem Bereich mit einer sehr gleichförmigen visuellen Struktur. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass visuelle Orientierungspunkte die Navigation der Bienen unterstützen und die Präzision ihrer Flugbahnen erhöhen“, erklärt Straw. Unsicherheiten der Bienen steigen dagegen in visuell monotonen Umgebungen.

Mehr Präzision als im Schwänzeltanz

Die Studie liefert zudem neue Hinweise zur Interpretation des Schwänzeltanzes, mit dem Honigbienen ihren Artgenossinnen Futterquellen anzeigen. „Bisher war bekannt, dass die Richtungsangaben im Schwänzeltanz nicht ganz präzise sind“, erläutert Straw. Für Futterquellen in etwa 100 Metern Entfernung können die Richtungsangaben des Schwänzeltanzes um rund 30 Grad abweichen. „Mit unserer Forschung konnten wir nachweisen, dass einzelne Bienen zu ihnen bekannten Zielen deutlich genauer navigieren. Selbst dort, wo ihre Flugbahnen am stärksten variieren, weichen sie im Mittel nur um wenige Grad von ihrer individuellen Route ab. Unsere Ergebnisse erlauben die Schlussfolgerung, dass die Ungenauigkeit des Schwänzeltanzes nicht auf begrenzte Navigationsfähigkeiten der Bienen zurückzuführen ist. Vielmehr sind einzelne Tiere räumlich erheblich genauer orientiert, als es ihre Tanzkommunikation vermuten lässt“, so Straw.

Zwei Honigbienen an einer blauen Vorrichtung zur Erfassung. Sie tragen kleine Reflektoren am Rücken. Am Feldrand im Gras.
Mit kleinen Reflektormarkern versehene Honigbienen ermöglichen das präzise Tracking ihrer Flugbahnen – die Ergebnisse zeigen, dass einzelne Tiere bekannte Ziele deutlich genauer ansteuern, als es die Richtungsangaben im Schwänzeltanz vermuten lassen. Foto: Andrew Straw

Weitere Informationen

  • Originalpublikation: Stentiford, Rachel, Harrap, Michael J. M., Titov, Victor V., Lochner, Stephan, Straw, Andrew D. (2026): Precise, individualized foraging flights in honey bees revealed by multicopter drone-based tracking. Current Biology.
    DOI: doi.org/10.1016/j.cub.2026.01.045
  • Prof. Dr. Andrew Straw ist Professor für Neuro- und Verhaltensbiologie an der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg.
  • Die Forschung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Förderinitiative „Momentum“ der VolkswagenStiftung gefördert.

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