KWG-Vortrag: Ein anderer Blick? Wie Frauen über Michelangelo forschen
Heidrun Rosenberg und Raphael Rosenberg, Wien
Donnerstag, 16. 07. 2026, 20:15 Uhr
Universität Freiburg, KG I, Hörsaal 1010
Bereits seit dem 16. Jh. wurden in der Kunstliteratur Genderstereotype eingesetzt, um Stilqualitäten zu charakterisieren: Michelangelos Werke galten als besonders männlich, Raphael wurde als femininer wahrgenommen. Beeinflussten solche Zuschreibungen die kunsthistorische Rezeption? Haben Frauen über andere Künstler:innen geschrieben als ihre männlichen Kollegen? Wann und aus welchen Gründen haben sie sich mit Michelangelo befasst? Welche seiner Werke haben sie zum Gegenstand ihrer Forschungen gemacht, wie sind sie dabei verfahren und wie wurden sie rezipiert? Zählte ein Schreiben über Michelangelo als Karriere-Bonus?
Ausgangspunkt der Recherchen sind zwei Publikationen von M[arie] Schröter (1913) und A[nnie] Popp (1922): Schröter glänzte durch ihre expressionistische Sprache und wissenschaftstheoretische Überlegungen. Ihr Ziel war eine Gesamtdeutung Michelangelos. Popp legte mit der ersten Monographie zur Medicikapelle zugleich eine Pionierleistung fotorealistischer Rekonstruktionen vor. Beide Frauen gaben nur den ersten Buchstaben ihres Vornamens preis, vermutlich um ihr Geschlecht in einer männerdominierten Welt zu verdecken.
Raphael Rosenberg lehrt als Professor an der Universität Wien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Rezeption Michelangelos. Dr. Heidrun Rosenberg ist freiberufliche Kunsthistorikerin. 2021 organisierte sie die internationale Tagung »Great Female Art Historians« in Wien.
