Die Verlegerin
Dr. Carmen Flum
Verlegerin des kunstwissenschaftlichen Fachverlags ad picturam
Promovierte Kunsthistorikerin wird Verlegerin – klingt ungewöhnlich? Carmen Flum zeigt, dass dieser Weg nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich sein kann. Nach Stationen in Paris, Heidelberg und Freiburg, einer preisgekrönten Magisterarbeit zu Rodin (2003) und einer Promotion über Armeleutemalerei (2008) arbeitete sie zunächst freiberuflich: als Journalistin, Autorin und wissenschaftliche Lektorin. 2011 gründete sie dann den Fachverlag ad picturam und bewies, dass kunsthistorische Kompetenz auch auf der verlegerischen Seite der Wissenschaftskommunikation unverzichtbar ist. Wie gelingt der Schritt von der Forschung zum eigenen Unternehmen?
„Ich habe tatsächlich zunächst drei Semester Kunst auf Lehramt an der PH studiert, bin dann aber doch meinem Herzen gefolgt und habe mich an der Uni Freiburg für Kunstgeschichte eingeschrieben. Nach meiner Promotion 2008 musste ich meine Dissertation publizieren. Da ich bereits zuvor einige Jahre als Autorin und wissenschaftliche Lektorin tätig war und während meiner Promotion hier in Freiburg in einem Verlag gearbeitet hatte, beschloss ich, meine Dissertation in Eigenregie zu veröffentlichen. Die Idee, dafür einen richtigen Verlag zu gründen, hatte ich hier in der Bibliothek des Kunstgeschichtlichen Instituts – und zwar am 30. April 2010, das werde ich nie vergessen. Von diesem Moment an war ich Feuer und Flamme für meinen Verlag. Ich habe beim Arbeitsamt einen Gründungszuschuss beantragt und der wurde bewilligt.“
„Meine Arbeit ist unheimlich abwechslungsreich. Ich arbeite komplett eigenverantwortlich, mache schöne Bücher und kann schnelle Entscheidungen treffen. Dabei habe ich unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten, sowohl bei den einzelnen Publikationen als auch bei der Entwicklung des Verlags. Ich arbeite mich immer wieder in neue Themen ein, lerne immer wieder dazu und ständig neue, interessante Menschen kennen. Das Tollste: Ich arbeite eigentlich nur mit freundlichen, netten Leuten zusammen, die ihren Job gerne machen und mit Leidenschaft.“
„Ich denke, eine Promotion ist nicht zwingend notwendig, aber ich lektoriere Texte von Universitätsprofessoren und da gibt es mir doch ein gewisses Selbstvertrauen, selbst promoviert zu sein. Grundsätzlich gibt es keine Vorgaben. Ich habe mich in alles eingearbeitet: InDesign, Photoshop, in die gesamte Software, in die Buchhaltung und in den Vertrieb.“
„In der Aufbauphase habe ich mit vielen Leuten aus der Branche gesprochen: mit Leuten aus dem Bibliothekswesen, mit Verlegern, Herausgebern, mit Marketingexperten, mit Druckern, Grafikern, Großhändlern. Zum Beispiel mit Rüdiger Becksmann, dem damaligen Leiter des Corpus Vitrearum, der für den Deutschen Verein für Kunstwissenschaft viele Bände gestaltet und herausgegeben hat. Einen sehr intensiven Austausch hatte ich auch mit Angela Karasch, die damals Fachreferentin für Kunstgeschichte an der Universitätsbibliothek war und mir viele wertvolle Tipps gegeben hat.“
„Bei den Buchprojekten arbeite ich sehr eng mit den Autor*innen und Herausgeber*innen zusammen. Darüber hinaus habe ich einen Grafiker, den ich nach Bedarf dazu hole, und meine Ansprechpartner in den Druckereien, mit denen ich zusammenarbeite. Regelmäßigen Kontakt pflege ich auch zu Maria Effinger von der UB Heidelberg, die die E-Books auf der Plattform arthistoricum.net – ART-Books mit Open Access hostet und deren Langzeitarchivierung garantiert.“
Der Freiberufler
Pascal Heß, M.A.
Freiberuflicher Kunsthistoriker
Vom Architekturstudium in Darmstadt zur freiberuflichen Kunstgeschichte – Pascal Heß’ Werdegang zeigt, wie vielfältig und flexibel eine Karriere in der Kulturvermittlung sein kann. Als freiberuflicher Kunsthistoriker bewegt er sich zwischen verschiedenen Welten: Kunstpädagogik im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, freies Autoren- und Kuratorendasein, Kunstvermittlung, Lehre an der Academy of Visual Arts in Frankfurt. Was alle diese Tätigkeiten verbindet? Die Leidenschaft für Vermittlung und die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Am Beispiel des Paradiesgärtleins vom Oberrheinischen Meister aus der Sammlung des Städel Museums illustrierte Pascal Heß in seinem Vortrag, welche Wege und Möglichkeiten sich für Kunsthistoriker*innen in der freiberuflichen Praxis eröffnen – jenseits der klassischen Institutionskarriere.
Die Gartenkonservatorin
Dr. Karin Seeber
Gartenkonservatorin bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg
Stellen Sie sich vor, Sie pflanzen heute einen Mammutbaum, der Sie im besten Fall Jahrhunderte überleben wird. Sie arbeiten zwischen Natur und Kultur, zwischen historischen Quellen und Georadar-Technologie, zwischen barocker Raumkunst und Klimawandel. Als Gartenkonservatorin bewegt sich Karin Seeber in einem faszinierenden Spannungsfeld: Sie erforscht historische Gärten, entwickelt denkmalpflegerische Konzepte und pflanzt Bäume für die Zukunft. Ihr Arbeitsplatz? Mal das Archiv, mal ein Barockgarten, mal ein Schloss – und ja, manchmal auch der Boden, wenn mit Georadar nach verborgenen Strukturen gesucht wird.
„Mein Weg war nicht gradlinig – mir kam immer wieder die Vernunft in die Quere. Ich habe Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie studiert und bereits meine Magisterarbeit über literarische Staffagen und Szenen in deutschen Landschaftsgärten geschrieben. Das Thema Garten beschäftigte mich also schon früh. Dann dachte ich aber: „Mit Kunstgeschichte kann man nichts machen“ – und absolvierte ein Volontariat bei der BASF in der Unternehmenskommunikation und arbeitete später bei Haufe in Freiburg . Ich hatte den festen Vorsatz, nach meinem Masterstudium in Garden History in Bristol wieder in meinen sicheren Job zurückzukehren. Aber dann lief mir dieses Doktorarbeitsthema über den Weg – die Geschichte der Gartenkunst von Marie Luise Gothein – und ich musste es unbedingt bearbeiten. Da habe ich gemerkt, dass die Vernunftentscheidung nicht funktioniert hat, die Sehnsucht nach der Kunstgeschichte, nach den Gärten in der Kunst, war stärker. Nach der Promotion hatte ich das Glück, dass eine Stelle als Gartenkonservatorin bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg frei wurde.“
„Die Arbeit ist unglaublich vielfältig: vom Quellenstudium über die Projektplanung bis hin zur praktischen Pflanzung von Bäumen. Das bedeutet auch Kontakt mit den unterschiedlichsten Berufen: Ich arbeite mit Gärtnern, Geophysikern, Landschaftsarchitekten, aber auch NABU-Vertretern zusammen. Das eröffnet viele Perspektiven.“
„Die Staatlichen Schlösser und Gärten sind Teil der Verwaltung des Landes Baden-Württemberg. Man kann nicht einfach drauf los, es gibt viele Regeln und Vorgänge, die befolgt werden müssen. Da musste ich mich erst einfinden.
Der Klimawandel ist ebenfalls eine riesige Herausforderung: Ganze Baumarten fallen durch Schädlinge und Krankheiten aus, und wir müssen uns ständig überlegen, wie wir darauf reagieren. Wir befinden uns in einem Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur und müssen immer wieder ein Gleichgewicht finden. Außerdem steht Artenschutz oft über Denkmalschutz – das bedeutet manchmal, dass Gärten für Besucher gesperrt werden müssen oder wir bestimmte Maßnahmen nicht umsetzen können.“
„Es ist ganz wichtig, dass man ein nachweisbares Interesse für Gärten zeigen kann. Unsere letzte kunsthistorische Volontärin hatte nach dem Bachelor Denkmalpflege studiert – in Bamberg gibt es einen entsprechenden Masterstudiengang. Und sie hatte in einer Gärtnerei gejobbt. Es war klar, dass sie sich theoretisch mit Denkmalpflege auskennt, aber auch praktisches Interesse an Pflanzen hat.
Bei mir war das am Anfang übrigens ein großes Manko: Wenn Landschaftsarchitekten mir lateinische Pflanzennamen um die Ohren hauten, stand ich oft da und dachte: „Was ist das jetzt noch mal?“ Das musste ich mir draufarbeiten. Also: Zeigen Sie Ihr Interesse durch einschlägige Kenntnisse im Bereich Gartenkunst, vielleicht durch eine Arbeit oder praktische Erfahrung. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg stellen im Referat Historische Gärten auch Kunsthistoriker ein – das ist nicht überall so, oft wird Gartendenkmalpflege von Landschaftsarchitekten ausgefüllt.“
Die wissenschaftliche Volontärin
Klara Reidel M.A.
Doktorandin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und wissenschaftliche Volontärin (kurat. Assistenz zeitgen. Kunst) in den Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Muss man wirklich bis nachts im Museum bleiben? Zählen Überstunden zur Regel? Und ist eine Volontärin oder ein Volontär die oder der letzte bei Wochenendveranstaltungen? Wie ist es mit der Bezahlung und wie kommt man überhaupt an ein solches Volontariat? Und kommt man auch dazu, sein Dissertationsprojekt zu verfolgen? Diesen Fragen widmet sich Klara Reidel unter anderem in ihrem Beitrag. Die Doktorandin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg absolviert zeitgleich ein wissenschaftliches Volontariat bei den Kunstsammlungen & Museen Augsburg (März 2024 – März 2026) und gewährt dadurch nicht nur Einblicke in die Museumsarbeit, sondern auch in die universitäre Forschung sowie die Vereinbarkeit beider Bereiche.
„Während ich gewartet habe, dass mein Dissertationsprojekt von der Uni angenommen wurde, habe ich eine Initiativbewerbung für ein Praktikum bei den Kunstsammlungen und Museen in Augsburg geschickt. Während des Praktikums wurde ich dann gefragt, ob ich mir vorstellen kann, das Volontariat im Zentrum für Gegenwartskunst, nun umbenannt in Kunsthalle Augsburg, anzunehmen, da sich das mit meinem Forschungsschwerpunkt ergänzt. Einen Versuch ist es also immer wert!“
„Am wichtigsten ist es, den Kontakt zur Doktormutter oder zum Doktorvater zu pflegen und regelmäßige Updates durch zu geben. Dazu gehört auch, an manchen Freitagabenden am Schreibtisch zu sitzen. Die Hauptsache ist, dass die Forschungsarbeit Spaß macht und man gern dabei ist – Schritt für Schritt, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Man muss Freude daran haben, dann ist es auch der richtige Weg. Regelmäßige Vorstellungsrunden in den Kolloquien unterstützen den Austausch und fördern neue Gedanken. Und das Volontariat kann die Doktorarbeit auch durchaus positiv unterstützen: Man wächst an neuen Sichtweisen, Arbeitsabläufen und Schreibweisen, die sich direkt auf die Doktorarbeit anwenden lassen.“
„Der tägliche Kontakt mit Kunstwerken und Projekten – sei es beim Recherchieren, beim Verfassen von Texten oder gemeinsam im Team mit Grafikern, Restauratorinnen und Restauratoren, der Kunstvermittlung, dem Presseteam bis hin zu den Aufsichten – ist für den Erhalt des Museumsbetriebs unerlässlich. Dabei ist man als kuratorische Assistenz nicht nur eine Nebenrolle, sondern vertritt die Museumsleitung in wichtigen Momenten, zum Beispiel bei Kuratorenführungen oder Presseterminen, und wird als eigenständige Kuratorin für Ausstellungen ausgebildet.“
„Die kuratorische Assistenz hat die Aufgabe, Ausstellungen mitzuorganisieren, zu planen und zu konzipieren. Dabei ist es wichtig, engen Kontakt zu Künstlerinnen und Künstlern zu pflegen, Museen und Kunstmessen zu besuchen sowie Entwicklungen auf dem Kunstmarkt und andere aktuelle – auch regionale – Themen im Blick zu behalten und sich täglich damit auseinanderzusetzen. Kontaktfreudigkeit ist dabei das A und O.
Ich empfehle, sich auf Vernissagen sehen zu lassen, in der Freizeit möglichst viel mitzunehmen und stets nah an der Kunst zu bleiben.“
„Voraussetzung war in meinem Fall ein abgeschlossener Master. In seltenen Fällen aber ist eine Promotion erwünscht und es gibt Fälle, die eine abgeschlossene Promotion voraussetzen. Besondere Voraussetzungen sind natürlich Freude an der wissenschaftlichen Arbeit, in diesem Falle auch an der Forschung, weil die kuratorische Assistenz die Ausstellungen mit konzipieren darf. Eine klare Kommunikation und auch einen Fokus zu haben, also Aufgaben schnell zu erledigen, schnell zu reagieren. […] Außer organisatorischen Fähigkeiten ist auch Konfliktbewältigung wichtig.“
„Die Übernahme nach dem Volontariat ist meistens nicht gegeben. Es ist so, dass die Museen, leider auch die städtischen Museen, sehr wenig Geld haben für das Personal und dass es sehr schwierig ist mit Stellen. Und ich glaube, man sollte sich nicht darauf verlassen, sollte immer noch ein, zwei Pläne im Ärmel haben.“
„Ich arbeite mit allen Abteilungen des Museums zusammen – von der Verwaltung bis zu den Haustechnikern für Transporte bin ich überall eingespannt. Als Co-Kuratorin der letzten Ausstellung „SYMBIOSIS – Kunst zwischen Mensch und Natur“ durfte ich außerdem einen Katalogtext verfassen, der sich mit filmischen Landschaften der irischen Videokünstlerin Clare Langan befasst. In einem Museum für zeitgenössische und moderne Kunst habe ich glücklicherweise die schöne Möglichkeit, oft eng mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammenzuarbeiten.“
Die Galeristin
Dipl.-Des. Ulrike Claeys
Galeristin und Geschäftsführerin Galerie Claeys, Freiburg
Wie wird man eigentlich Galeristin – und was steckt hinter diesem Beruf zwischen Kunst, Management und Markt? Ulrike Claeys fand ihren Weg nicht über ein klassisches Kunstgeschichtsstudium, sondern über Grafikdesign. 2012 eröffnete sie ihre eigene Galerie in Freiburg und kuratiert seither Ausstellungen, betreut Künstlerinnen, organisiert Pressearbeit und reist zu Kunstmessen. In ihrem Vortrag gab sie authentische Einblicke in den Alltag einer Galeristin: Sie sprach über ihren Werdegang, stellte die Künstlerinnen ihrer Galerie vor und beleuchtete mit spannenden Zahlen und Diagrammen die Dynamik des Kunstmarkts. Zum Abschluss blieb Raum für ehrliche Fragen – etwa zu Themen wie Lebensunterhalt, Zusammenarbeit oder dem besonderen Verhältnis zwischen Galeristin und Künstlerinnen.
„Es gab eine Begegnung mit dieser Glasbildserie von Peter Dreher. Er war unser Nachbar in Bergen. Und immer mal, wenn er nicht so recht ins Malen kam, kam er zu uns auf ein Glas Rotwein und wir haben dann viel gesprochen. Einmal fragte ich ihn, ob es nicht vielleicht auch in seinem Sinne wäre, dass man diese fast tägliche Handlung, dieses Malen eines Glases, ob man das nicht mal dokumentieren könnte. Und erstaunlicherweise habe ich da offene Türen eingerannt. Er war sofort bereit und ich bin dann zusammen mit Christian Zecher, der als Kameramann beim SWR war, in sein Atelier gegangen und wir haben den Entstehungsprozess von einem seiner Werke festgehalten. (…) 2012 gab es dann eine Ausstellung in Sankt Märgen an dem Ort, an dem seine Bilder entstanden sind. Bei dieser Ausstellung kamen sehr viele Besucher und die fragten teilweise, ob man denn ein Bild kaufen könnte. Ich fragte Peter Dreher und er sagte, er würde sich freuen, wenn ich ihn vertreten würde. Für mich war das Neuland. Also, ich bin wirklich ins kalte Wasser gesprungen mit dieser Sache und habe dann die Fäden in die Hand genommen und im Jahr 2012/13 begonnen mit meiner Galerie hier in Freiburg.“
„Es kann sein, dass mein Konzept, nur Frauen zu zeigen, wirtschaftlich nicht so spannend ist. Es kann sein, dass das ein Nachteil für mich ist. Aber ich will das machen, weil mir das wichtig ist, da mehr Sichtbarkeit zu fördern und einfach ein Podium zu schaffen für Künstlerinnen. Und es fruchtet. Inzwischen weiß man schon, dass ich einen speziellen Fokus habe.“
„Es kam jetzt gerade dieser neue Bericht raus von der UBS und der Art Basel und es sind wohl 65 Milliarden $, die im letzten Jahr auf dem Kunstmarkt unterwegs waren. Da fließen 80% in die Top 50 Positionen. Die anderen 20% werden dann im gesamten restlichen Markt aufgeteilt. Frauen sind in diesen Toppositionen außen vor. Unter den Top 100 der teuersten Kunstverkäufe der letzten Jahre ist keine einzige Frau. In der bildenden Kunst ist der Pay Gap mit 30% verglichen mit anderen Berufen am größten. (…) Aber es passiert gerade etwas auf dem Markt. Bei Hitchcocks ist tatsächlich jetzt die Japanerin Yayoi Kusama zum ersten Mal, wenn man das Gesamtvolumen ihrer verkauften Arbeiten anschaut, auf Platz 1.“
„Mein Pluspunkt ist vielleicht, dass ich auch die Grafik selbst machen und dass ich auch Bücher anfertigen kann, Kataloge oder auch Hefte für die Künstlerinnen. Für Helga Marten habe ich ein zweibändiges Werkverzeichnis angelegt. Das erste wurde 2016 fertiggestellt mit den Gemälden und das zweite 2018 dokumentiert die Arbeiten auf Papier. Man hat dort einfach die komplette Übersicht über ihr Werk. Und das zweite das sind die Kunsthefte, die ich für meine Künstlerinnen mache. Es ist wie eine erweiterte Visitenkarte.“
Der Glasmalerei-Forscher
Dr. Uwe Gast
Leiter der Freiburger Arbeitsstelle des Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland, Forschungsstelle für mittelalterliche Glasmalerei, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
Wie erforscht man jahrhundertealte Glasmalerei? Und wie bringt man sie in unsere digitale Gegenwart? Dr. Uwe Gast leitet die Freiburger Arbeitsstelle des Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland (CVMA), einem Forschungszentrum, das sich seit den 1950er-Jahren der umfassenden Dokumentation, Erforschung und Publikation mittelalterlicher Glasmalerei widmet. In seinem Beitrag gibt er „With a little help from my friends“ Einblicke in seinen Arbeitsalltag beim CVMA und stellt digitale Projekte vor, die den Zugang zur Glasmalerei erleichtern und neue Perspektiven auf diese faszinierende Kunstform eröffnen. Dabei spricht er auch über seinen persönlichen Weg in die Forschung – und darüber, welche Chancen und Herausforderungen eine wissenschaftliche Karriere mit sich bringt.
„Auf ,klassischem‘ Weg: als verhinderter Kunststudent (Grafik Design), der auf Drängen der Eltern einen Weg in die Berufswelt finden sollte. Hauptsache, der Junge macht was. So habe ich – was lag näher (oder ferner?) – in Würzburg angefangen Kunstgeschichte zu studieren. Ich dachte, das sei vorübergehend, bin dann aber dank eines guten, engagierten Lehrers dabei geblieben. Mein Schwerpunkt lag früh auf der Kunstgeschichte des Mittelalters. Nachdem ich nach Freiburg gewechselt war, lernte ich über eine gemeinsame Freundin Dr. Hartmut Scholz kennen, der damals frisch am CVMA Deutschland angefangen hatte und später Arbeitsstellenleiter wurde (2004–2022). So kam ich noch während meines Studiums mit dem CVMA in Kontakt. Nach meiner Promotion absolvierte ich am Landesmuseum Mainz ein Volontariat und hatte das Glück, dass zu dieser Zeit eine Stelle am CVMA ausgeschrieben wurde. Da jemand gesucht wurde, der sich am Mittelrhein gut auskannte, was ich tat, wurde ich 2001 Mitarbeiter der Freiburger Arbeitsstelle.“
„Etwas, was für andere vielleicht ein Hinderungsgrund sein könnte: die Möglichkeit, ja die Bedingung, sich lange und intensiv mit einem Thema – der Glasmalerei eines Bauwerks, einer Stadt oder einer Region – beschäftigen zu können/müssen. Daneben, und das ist für den Ausgleich schon sehr wichtig, die Freiheit, diese konzentrierte Arbeit mit Aufsätzen und Vorträgen auflockern zu können. Es lassen sich während der Recherche und des Schreibens an einem Corpusband immer spannende Neben- und Randthemen entdecken. Spaß machen natürlich auch die Reisen zu den Bauten, die wir untersuchen, die Reisen zu Kolloquien, auf denen wir aus unserer ,Blase‘ herauskommen, und – last but not least – Spaß macht auch die Arbeit mit und in einem Team, das nicht nur arbeitstechnisch, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene optimal funktioniert. Wer also Leidenschaft für die Forschung hat und – das gehört wohl dazu – auch eine Leidensfähigkeit im Arbeitsprozess mitbringt, ist bei uns gut aufgehoben.“
„Man muss auf jeden Fall Begeisterung für das Thema, die mittelalterliche und frühneuzeitliche Glasmalerei mitbringen. Man muss bereit sein, sich in diverse Themenfelder einzuarbeiten, z. B. in Architektur, Geschichte oder Ikonografie. Man muss bereit sein, in Archive zu gehen und Quellen zu lesen. Wir sind, wie mal ein Kollege am ZI (Zentralinstitut für Kunstgeschichte) sinngemäß gesagt hat, die Wühlmäuse. Man muss gerne Wühlmaus sein. Man muss nicht zwingend Grundlagenwissen über Glasherstellung und Glasmalereitechnik mitbringen – das lernt man während der Arbeit. Aber man muss eben auch die geschilderte, besondere Arbeitssituation mögen.“
„Sehr nah. Jedes einzelne Glasgemälde, das wir publizieren (es sind inzwischen Tausende), ist – in der Regel – von uns vor Ort in eingebautem Zustand, in einer Restaurierungswerkstatt oder in einem Sammlungskontext von Nahem untersucht und fotografiert worden. Nicht anders ist es möglich, die schematischen Erhaltungsangaben in unseren Publikationen zu erstellen. Sprich, man muss unmittelbar vor die Originale, selbst wenn wir dafür auf ein viele Meter hohes Gerüst steigen müssen, das wir, je nach der Vor-Ort-Situation, aufstellen lassen oder auch selber aufstellen. Die Untersuchung der Objekte ist jedenfalls ein wesentliches Element unserer Forschungsarbeit. Wenn ein Bestand sehr umfangreich ist – stellen Sie sich nur das Freiburger Münster vor – kann es schon dauern, bis so eine Bestandsuntersuchung durchgeführt worden ist. Ich spreche hier nicht von Tagen, nicht von Wochen, sondern von Monaten. Und dann folgt wieder Schreibtischarbeit.“
„Das CVMA Deutschland ist ein Forschungsprojekt von begrenzter Dauer, aktuell ist das Laufzeitende für das Jahr 2030 angesetzt. Das war nicht immer so, ist aber seit Langem die Realität. Das erzeugt Druck. Druck, die einzelnen noch ausstehenden Bände in fest definierten Bearbeitungszeiten zu erstellen, und Druck, was aus dem Projekt, das ja in ein größeres Ganzes – das internationale Corpus Vitrearum – eingebunden ist, nach 2030 werden wird. Zusammen mit meinem Kollegen Dr. Daniel Parello, der als Projektleiter fungiert, und Prof. Dr. Maria Deiters, der Leiterin der Potsdamer Arbeitsstelle des CVMA Deutschland, arbeiten wir seit gut drei Jahren an einer möglichen Lösung, die ein Verlängerungsantrag, ein Neuantrag oder auch etwas Anderes sein könnte. Das ist ein langwieriger, schwieriger, mitunter auch frustrierender Prozess. Kurz gesagt, der Zwang, Fristen einzuhalten, die eigentlich nicht eingehalten werden können, ist durchaus belastend.“
Die Universitätsprofessorin
JProf. Dr. Julia von Ditfurth
Akademie-Juniorprofessorin für Mediävistische Bild- und Kulturwissenschaft (Universität Freiburg und Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland/Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz)
mit Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét, Professorin für Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit (Universität Freiburg)
Julia von Ditfurth ist Juniorprofessorin für Mediävistische Bild- und Kulturwissenschaft an der Universität Freiburg. In ihrem Beitrag gewährt sie Einblicke in die Höhen und Tiefen ihres beruflichen Werdegangs – eine „Passionsgeschichte“ auf dem Weg zur Professur. Ausgangspunkt bildet ihr erfolgreicher Vorstellungsvortrag im Berufungsverfahren für ihre derzeitige Position, der dem vielschichtigen Würzburger Kiliansevangeliar gewidmet war.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét, Professorin für die Kunst der frühen Neuzeit, leitete und moderierte sie die Vortragsreihe und die anschließenden Fragenrunden. Zudem gaben sie anschließend wertvolle Impulse und praxisnahe Ratschläge zur Berufsfindung innerhalb und außerhalb des akademischen Umfelds und sprachen beide mit großer Offenheit über ihre Leidenschaft für die Vermittlung kunstgeschichtlicher Themen ebenso wie über die Herausforderungen und schwierigen Phasen, die eine wissenschaftliche Laufbahn mit sich bringt.
Julia von Ditfurth: „Ich würde sagen, ich bin ziemlich naiv an die Sache herangegangen. Ich komme aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt, hatte also keine Vorbilder oder „Role Models“ in meiner näheren Umgebung. Ich bin die erste bei uns in der Familie mit Abitur und auch die erste, die dann studiert hat. Und weil ich das dritte Kind bin, durfte ich machen, was ich wollte und habe dann entschieden, ich will Kunstgeschichte studieren. Ich hatte Kunst-Leistungskurs und das hat mir so Spaß gemacht, Bilder zu interpretieren. Ich bin einfach meiner Leidenschaft gefolgt und habe mich dann für Kunstgeschichte eingeschrieben und auch Geschichte und Theologie, weil ich vorher auch an ein Pfarramt dachte, und habe erst mal nur das Studium genossen. Und hatte gleichzeitig, glaube ich, aber immer dieses Karriereziel Professur im Hinterkopf. Aber gar nicht so sehr als Karriereziel, sondern mir war klar, ich möchte vermitteln. Ich hatte so einen kriminologischen Spürsinn, der mich immer angetrieben hat. Das war klar. Das will ich machen.“
Anna Schreurs-Morét: „Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Kunst eine große Rolle gespielt hat, mit einem Architekten als Vater, mit einer kunstaffinen Religionslehrerin als Mutter und mit vielen Kunstwerken an der Wand. Eigentlich wollte ich erstmal Theaterwissenschaften studieren und Regisseurin werden, nachdem wir im Leistungskurs Deutsch Woyzeck von Georg Büchner gelesen hatten. Aber die Tätigkeit als Restauratorin reizte mich auch, nachdem ich im Limburger Dom einmal restaurierende Tätigkeiten an Wandmalereien beobachtet hatte. Dann habe ich geschaut, wo man in Deutschland Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften studieren konnte und habe mich – zum Glück, denn dort war und ist ein sehr großes und gutes Institut für Kunstgeschichte – für Bonn entschieden. Die Broschüre zum Beruf des Kunsthistorikers, die ich damals auf dem Arbeitsamt erhalten habe, steht noch heute mit den damaligen „historischen“ Anstreichungen und Ausrufungszeichen im Regal an meinem Schreibtisch.“
Julia von Ditfurth: „Ich will meiner eigenen Neugier folgen. Natürlich geht man da auch ein bisschen mit den Themen mit, die gerade gebraucht werden, und manchmal ergibt sich das auch so. Aber ich glaube, dieses sehr selbstbestimmt arbeiten zu können, ungebunden an bestimmte Dienstzeiten, also das spielt auch sehr in diese Vereinbarkeit von Familie und Beruf rein. Mich fragt ja kaum einer, wann ich arbeite. Also klar gibt es Präsenzzeiten, meine Lehrveranstaltungen, aber die lege ich mir ja auch oft selber.“
Anna Schreurs-Morét: „Mit vielen Erfahrungen vor dem Professor:innenberuf in der Reiseleitung und mit Museumsführungen (vor allem in den Kölner Museen) kann ich sagen, dass es mir immer ein Anliegen war, die Begeisterung für die Kunst in den Augen der Zuhörer:innen und Betrachter:innen zu erkennen, diese Begeisterung also zu wecken. Also wenn es noch das schlichteste oder kleinste Kunstwerk war, irgendwann ist der Funken übergesprungen und das war eine unglaubliche Motivation.“
Julia von Ditfurth: „Ich weiß natürlich, wenn eine Stelle ausgeschrieben wird für die Kunstgeschichte des Mittelalters, bewerben sich da mindestens zehn Leute drauf, mit denen ich auch schon zusammengearbeitet habe, mit denen ich vielleicht befreundet bin. Und dann muss ich mich aber entscheiden: Mauer ich jetzt gegen alle oder tausche ich mich mit ihnen aus? Können wir da vielleicht auch Synergieeffekte erzeugen? Und wen kann ich auch als Sparringpartner für sowas nutzen und davon profitieren? Und das glaube ich, ist viel zukunftsträchtiger als ein Konkurrenzdenken.“
Anna Schreurs-Morét: „Halten Sie sich die Begeisterung für die Kunst lebendig, überlegen Sie aber auch genau, was Sie überhaupt daran interessiert. Wollen Sie vermitteln? Wollen Sie restauratorisch arbeiten? Wollen Sie ganz eng am Gegenstand arbeiten? Wollen Sie am liebsten ganztägig in der Bibliothek sitzen (was bei einer forschenden Tätigkeit erforderlich ist). Überlegen Sie sich, mit welchem Bereich der Kunst Sie im Beruf zu tun haben möchten. Wollen Sie einen eigenen Galeriebetrieb aufmachen? Sie sollten sich aber nicht zu früh auf ein Berufsbild festlegen, sondern die Perspektiven offenhalten, versuchen, viele Praktika zu machen, viel Berufserfahrung zu sammeln.“
Die wissenschaftliche Mitarbeiterin
Eva Blüml, M.A.
Doktorandin LMU München und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Kunstgeschichte für Öffentlichkeitsarbeit und MunichArtToGo
Doktorandin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Autorin, Kuratorin – Eva Blüml jongliert in ihrem Berufsalltag zwischen verschiedenen Rollen. Am Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) unterstützt sie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und betreut die App „MunichArtToGo“, für die sie kunsthistorisch interessante Orte Münchens erschließt. Parallel promoviert sie an der LMU München und sammelt kuratorische Erfahrungen, zuletzt bei der Ausstellung „Positionen der Deutschen Moderne“ in der Villa Jauss in Oberstdorf. Ihr Beitrag richtet sich an alle, die sich fragen: „Wohin geht die Post nach dem Masterabschluss – oder auch nicht?“ Blüml zeigt, wie sich wissenschaftliches Arbeiten mit innovativer Wissensvermittlung verbinden lässt und welche kreativen Wege der Kulturkommunikation sich heute für Kunsthistoriker*innen eröffnen.
„Mein Einstieg begann 2021 während meines Masterstudiums an der LMU München mit einer Hilfskraftstelle für die Online-Ringvorlesung „Zukunft der Kunstgeschichte“. Ohne Vorerfahrung übernahm ich das Hosting von Zoom-Meetings, Videoschnitt und administrative Aufgaben. Von dieser Position erfuhr ich durch mein Engagement als Fachschaftsvertreterin bei Institutssitzungen. Nach der Ringvorlesung bot mir Professor Dr. Ulrich Pfisterer eine Stelle am Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI) an – weiterhin für Veranstaltungstechnik und als Elternzeitvertretung in der IT-Abteilung. Die hybride Vortragstechnik wurde zu einem Alleinstellungsmerkmal des Instituts und ermöglicht bis heute internationale Teilnahme an Vorträgen und Tagungen. Als mein Hilfskraftvertrag 2023 nach dem Masterabschluss endete, ergab sich für mich die Chance, eine Kollegin im „Munich Art to Go“-Projekt während deren Mutterschutz zu vertreten. Mein bereits geplantes Promotionsvorhaben war der Türöffner für eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Diese ermöglicht mir die Promotion zu „Politics of Diagrams“ parallel zur Arbeit in Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungsmanagement und App-Redaktion – ein typischer Weg im Wissenschaftsbetrieb, der Unabhängigkeit in der Forschung mit praktischer Berufserfahrung verbindet.“
„Besonders erfüllend sind die vielfältigen Kooperationsprojekte mit verschiedenen Institutionen. Ein Highlight war die Zusammenarbeit mit einem Münchner Gymnasium, bei der sieben Oberstufenschüler Texte zu Orten in ihrem Stadtteil Sendling verfassten. Diese Zusammenarbeit war herausfordernd, da die Schüler zuvor noch nie außerhalb von Schulaufsätzen geschrieben hatten, führte aber zu sehr schönen Ergebnissen.
Ein weiteres großes Projekt entstand durch die Kooperation mit der Kunsthalle, der Hypo-Kulturstiftung, dem Münchner Stadtmuseum und dem Münchner Theatermuseum. Gemeinsam wurden zu den zeitgleich laufenden Ausstellungen „Jugendstil Made in Munich“ und „Kunst und Bühne – Spielorte des Münchner Jugendstils“ digitale Stadttouren entwickelt. Die Museen wollten die zahlreiche Münchner Jugendstilarchitektur in ihre Ausstellungen integrieren, konnten aber bei der Fülle an Exponaten keine Hausfotos zeigen. Durch die App-Texte zu einzelnen Jugendstilfassaden konnte der Ausstellungsraum erfolgreich in die Stadt erweitert werden – ein innovativer Ansatz, der Museumsarbeit und Stadterkundung verbindet.“
„Die größten Herausforderungen liegen im Bereich Social Media und Wissenschaftskommunikation. Forschungsinhalte adäquat für soziale Medien aufzubereiten ist oft schwierig, da sich komplexe wissenschaftliche Inhalte nicht sinnvoll auf die geforderte Zeichenanzahl herunterbrechen lassen. Häufig müssen längere Texte drastisch gekürzt werden, was zu Konflikten mit Projektteams führt, die wichtige Inhalte nicht verlieren möchten.
Für Berufseinsteiger ist der wichtigste Rat: sich etwas trauen und Mut zeigen. Viele Professoren sind dankbar, wenn sie Aufgaben abgeben können. Präsenz und Engagement zahlen sich aus – auch mal länger bleiben und als letzter gehen macht aufmerksam. „Learning by doing“ ist normal, auch wenn dabei Fehler passieren.“
„Wichtig ist, alle Türen offen zu halten und nichts pauschal abzulehnen. Ob Postdoc, Ausland oder Kuratieren – sich ausprobieren und schauen, was Spaß macht. Über Kontakte entstehen oft unerwartete Chancen. Dennoch sollte man realistisch bleiben: Der Arbeitsmarkt ist schwierig, befristete Stellen die Regel, und Glück spielt eine große Rolle. Flexibilität bezüglich des Arbeitsortes kann entscheidend sein, auch wenn das nicht für jeden einfach ist.“
„Die Anforderungen sind stark tätigkeitsabhängig und sehr individuell. Grundlegende Computeraffinität ist hilfreich, umfassende Programmierkenntnisse aber nicht zwingend erforderlich. Viele Positionen – wie das Digitalisieren in Fototheken – erfordern nur das Einarbeiten in spezielle Software, keine Programmiererfahrung. Entscheidend sind Offenheit für neue Technologien und Lernbereitschaft. Komplexere digitale Aufgaben lassen sich durch Online-Tutorials bewältigen. Ein Informatikstudium ist keine Voraussetzung. Heute gibt es zahlreiche Digital-Humanities-Angebote, die geisteswissenschaftliche Methoden mit digitalen Ansätzen verbinden. Die Bereitschaft zum Lernen ist wichtiger als vorhandene technische Expertise.“
Die Vermittlerin
Kirstin Jakob M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Koordination Museumsdidaktik / Vermittlung, MUSEUM AM DOM TRIER
In ihrem Vortrag gab Kirstin Jakob einen Einblick in das Berufsfeld der Museumsdidaktik. Sie schilderte ihren persönlichen Weg vom Studium in die museale Praxis und gab hilfreiche Tipps für den Einstieg in die facettenreiche Welt der Wissensvermittlung. Anhand der Konstantinischen Deckenmalerei im Museum am Dom Trier stellte sie exemplarisch ihren Arbeitsalltag vor und zeigte dabei anschaulich, welche vielfältigen Aufgaben, Herausforderungen und Freuden die Arbeit mit Objekten und Besucherinnen mit sich bringt.
„Also bei uns gibt es meinen Chef, der ist Theologe und Kunsthistoriker, dann gibt es mich mit Kunstgeschichte und Archäologie, eine halbe Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und einen Restaurator, der sich um die Sammlungspflege und den Leihverkehr kümmert.“
„Ich würde auf jeden Fall Kunstgeschichte studieren und nicht sowas wie Museumspädagogik, weil die wenigsten Museen sich eine reine museumspädagogische Stelle leisten. Meine Stelle ist auch sehr wissenschaftlich, ich kuratiere die Ausstellungen und mache die Museumspädagogik noch dazu. Das hat durchaus Vorteile, da ich bei der Ausstellungsplanung direkt die Vermittlung mitplanen kann. Daher lohnt es sich Kunstgeschichte zu studieren, um breiter aufgestellt zu sein und auch besser bezahlt zu werden. Ein*e Museumspädagog*in ist meist bei TV-ÖD 9 eingruppiert, ein*e wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in bei TV-ÖD 13. Das macht schon einen großen Unterschied aus. Außerdem kann ich für meinen Bereich empfehlen, dass man schon während des Studiums Museumsführungen macht.“
„Dadurch dass ich pendle gehen mir am Tag knapp 3 Stunden für den Arbeitsweg drauf und dadurch verlasse ich um Viertel nach sechs das Haus und komme erst abends um halb sieben wieder zurück.“
„Mir macht es unheimlich viel Spaß mir die ganzen Programme auszudenken. Zum Beispiel haben wir für eine Ausstellung ein Escape-Room-Spiel erstellt, wo man am Ende ein Kryptex in der Ausstellung finden und öffnen konnte, wenn man alle Fragen richtig beantwortet hat. Mir macht es Spaß mir solche Dinge auszudenken und die Leute zu schulen, die das dann anschließend vermitteln.“
„Ich habe in Kiel Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Italienisch studiert und war in der Fachschaft und auch Hiwi (Wissenschaftliche Hilfskraft), aber beides in der Archäologie. […] Ich habe dann nach dem Studium ein wissenschaftliches Volontariat absolviert und währenddessen wurde meine jetzige Stelle im Dommuseum ausgeschrieben. Im zweiten Semester gab es eine Exkursion nach Hildesheim, bei der wir uns sakrale Schatzkunst und Sakristeien angeschaut haben und seitdem war das mein Ding. Während des Studiums hatte ich bereits mehrere Praktika gemacht, im Domschatz Essen, im Domschatz Halberstadt und Quedlinburg. Und als meine Stelle ausgeschrieben wurde, war dezidiert ein*e Kunsthistoriker*in mit Fächerkombination Archäologie gesucht, da das Museum auch eine große archäologische Sammlung hat. Die Stelle hat gut gepasst und ich habe mich beworben, weil ich dachte, dass ich dort immerhin ein Vorstellungsgespräch üben kann. Dass es dann tatsächlich geklappt hat, war großes Glück.“
Die Wissenschaftskommunikatorin
Dr. Jacqueline Klusik-Eckert
Produktion und Host des Wissenschafspodcast #arthistoCast, Projektleitung von „KI-Kompetenzen“ am HeiCAD (HHU)
Kann Neugier ein beruflicher Kompass sein? Bei Dr. Jacqueline Klusik-Eckert lautet die Antwort eindeutig: ja. Als Produzentin und Host des Wissenschaftspodcasts #arthistoCast und als Projektkoordinatorin für diverse KI-Kompetenzen-Projekte am HeiCAD verbindet sie Kunstgeschichte, digitale Innovation und Kommunikation. Ihren Weg fand sie weniger über einen festen Karriereplan als über die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Heute arbeitet sie als Kunsthistorikerin, Projektmanagerin und Podcasterin, vor allem aber als Wissenschaftskommunikatorin. Ihr Rat an Einsteiger*innen: nicht an starren Berufswegen festhalten, sondern der eigenen Neugier folgen – denn sie öffnet Türen, die man vorher nicht einmal gesehen hat.
„Ich habe in einem Arbeitskreis für digitale Kunstgeschichte meine Hand gehoben und gesagt: ,Okay Leute, ich finde Podcasts eine gute Idee. Ich habe mich gerade freiberuflich selbstständig gemacht. Ich recherchiere euch das, ich schreibe euch das Konzept, ihr bezahlt mir das Konzept und dann gucken wir mal, ob wir das Format umsetzen oder nicht oder ob ein Podcast eine gute Idee ist.‘“
„Neugier ist für mich immer ein Antreiber. Ich wollte forschen an der Uni, arbeiten am Museum, ich habe ein Praktikum im Bereich Mode und Textil gemacht, im Bereich Zeitungen, Zeichnung und Druckgrafik gearbeitet. Für mich ist die Kunstgeschichte einfach zu vielfältig, um mich irgendwie an einem Punkt entscheiden zu können, was ich eigentlich tun möchte. Oder andersherum gesagt, wir haben in der Kunstgeschichte so viele großartigen Dinge zu erzählen, dass ich mich auch nicht einschränken wollte durch eine ganz klare Definition von Job oder Entscheidung für oder gegen eine Stelle. Was dazu führt, dass ich nun eine Frau mit vielen Labeln bin in der wissenschaftlichen, beruflichen Welt: Ich bin Kunsthistorikerin, Projektmanagerin, Koordinatorin und eben seit ein paar Jahren auch Podcasterin. Und alles zusammen bin ich vor allem eins, ich bin Wissenschaftskommunikatorin.“
„Ich bin in einem kunstgeschichtlichen Institut sozialisiert worden, in dem man ganz klar gesagt hat, Kunstgeschichte ist kein Zuckerschlecken. Es gibt wenige Jobs, die werden alle nicht gut bezahlt. Wenn sie was erreichen wollen, müssen sie dies, das, jenes tun. (…) O-Ton eines Professors: Sie müssen dazu befähigt sein, innerhalb von 24 Stunden in ganz Europa arbeiten zu können. Sie dürfen sich von nichts festhalten lassen. Na ja, das war für mich kein guter Berater, denn wie sich herausstellte, ist dieser ganz klare Weg vor allem eins: unrealistisch. Denn das Leben baut einem Graben, manchmal auch Brücken. (…) Ich bin von Neugier getrieben. Ich werde von der Neugier beraten. Und die Folge war, dass meine Stationen auch immer von Neugier geprägt waren. Ich habe mich bei meinen beruflichen Entscheidungen nie dafür interessiert ,Ist es jetzt der richtige Karriereschritt für meinen Lebenslauf?‘ Ich habe eher entschieden mit ,Lerne ich da was Neues? Ist es für mich was Spannendes? Kann ich da was Neues entdecken? Kann ich mich da selber weiterbilden?‘“