Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Schildes

Multimethodischer Ansatz belegt sehr frühe Stahlbearbeitung in der späten Bronzezeit

Freiburg, 22.09.2025

Ein Forschungsteam der Universität Freiburg nutzt geologische Analysen, experimentelle Archäologie und 3D-Dokumentationen, um den Herstellungsprozess westiberischer Stelen zu identifizieren. Neue Untersuchungen belegen die Ergebnisse einer früheren Studie, die bereits eine sehr frühe Stahlverwendung vor 2.900 Jahren feststellte.

Westiberische Stelen (links) und ihre experimentellen Repliken (rechts) von Baraçal (a), Capilla (b), (d) und Fóios (c). Fotos: Ángel M. Felicísimo, KRAKEN-Forschungsgruppe, Ralph Araque Gonzalez, David Ferro, Paula Rahmelow, Jasmin Rolke, Pepe Vintrici

Ein internationales und interdisziplinäres Forschungsteam um den Freiburger Archäologen Dr. Ralph Araque Gonzalez hat mit einem multimethodischen Ansatz den Herstellungsprozess westiberischer Stelen aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit untersucht. Damit konnten die Forschenden Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2023 bestätigen, die eine sehr frühe Stahlverwendung bereits vor 2.900 Jahren belegte.

Die Wissenschaftler*innen analysierten vier Stelen gefertigt aus harten Gesteinen wie Silikat-Quarzarenit (Quarzit), Granit und Arkose mit Hilfe von petrologischen Untersuchungen, um Textur und Härtegrade zu ermitteln. Anschliessend stellte das Team Repliken der Originale aus denselben Gesteinen her, wodurch sich Gravuren vergleichen und Herstellungsprozesse experimentell simulieren ließen.

Detaillierte Ergebnisse lieferten darüber hinaus 3D-Dokumentationen, die ein sub-millimetergenaues Abbild der Gravuren berechneten. Diese 3D-Modelle wurden in digitale Höhenmodelle umgewandelt, die es möglich machten, genau zu messen, wie tief, breit oder steil die Linien verlaufen. Diese Methode wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Maria Eugenia Polo von der spanischen Universität der Extremadura entwickelt.  „Dieser methodenübergreifende Ansatz hat uns erlaubt, die Gravuren sehr genau nachzuvollziehen. Durch die digitale Analyse konnten wir nicht nur Werkzeugtypen, Schlagtechniken und Herstellungsabfolgen identifizieren, sondern auch Fehlschläge, Verschleiß und Nachschärfungen sichtbar machen“, sagt Araque Gonzalez. „Gleichzeitig bestätigt dieser Ansatz auch, was wir bereits 2023 zeigen konnten: Nur mit gehärtetem Stahl konnten damals Gravuren an Stelen aus Silikat-Quarzarenit angefertigt werden.“

Mann mit Mütze und Handschuhen bearbeitet Stein im Freien, im Hintergrund ein Haus.

„Dieser methodenübergreifende Ansatz hat uns erlaubt, die Gravuren sehr genau nachzuvollziehen. Durch die digitale Analyse konnten wir nicht nur Werkzeugtypen, Schlagtechniken und Herstellungsabfolgen identifizieren, sondern auch Fehlschläge, Verschleiß und Nachschärfungen sichtbar machen.“

Dr. Ralph Araque Gonzalez

Projektleiter, Institut für Archäologische Wissenschaften (IAW), Abt. Urgeschichtliche Archäologie, Universität Freiburg

Zwei Männer betrachten mit mesoskopischer Vergrößerung eine Stele, einer der beiden hält eine Kamera.
Petrographische mesokopische Analyse einer Stele von Rafael Ferreiro Mählmann und Pedro Baptista. Foto: Ralph Araque Gonzalez.

Methodenkombination ermöglicht exakte Gravurenauswertung

Die Auswertung von 444 Gravuren-Profilen ergab, dass 94 Prozent aller Gravuren Profile aufweisen, die nur durch Schläge mit scharfkantigen Werkzeugen entstehen. Oft zeigte sich, dass es sich um indirekte Schläge handelte, was bedeutet, dass Meißel und Hammer oder Klüpfel genutzt wurden. Bronzemeißel mit Zinnanteilen zwischen 10 und 16 Prozent stumpften nach kurzer Nutzung ab oder zerbrachen. Steinwerkzeuge aus Quarzit konnten weichere Granite zwar begrenzt bearbeiten, mussten jedoch nach wenigen Minuten nachgeschärft werden. Gravuren in Silikat-Quarzarenit, aus dem über 20 Prozent aller bekannten Stelen gefertigt sind, waren ausschließlich mit gehärtetem Stahl möglich.

„Mit unserem methodischen Ansatz können wir prähistorische Steinbearbeitung nicht nur zuverlässig nachvollziehen, sondern schaffen zugleich eine Grundlage, um in künftigen Studien noch tiefere Einblicke in die Metallurgie und Kultur vergangener Gesellschaften zu gewinnen. Deshalb wollen wir nun auch untersuchen, wie raffinierter Stahl und unterschiedliche Härtungsgrade die Gravuren beeinflusst haben und unseren multimethodischen Ansatz auf weitere Stelen und Felskunst ausweiten“, so Araque Gonzalez.

Makroaufnahmen von Stelenoberflächen (a–f) mit Linienverläufen und zugehörigen Profilgrafen.
Makroaufnahmen und Profile von Liniensegmenten auf originalen Silikat-Quarzarenit-Stelen. Fotos: María-Eugenia Polo und Pablo Paniego.

Weitere Informationen

  • Originalpublikation: Araque Gonzalez R., Polo M. E., Paniego Díaz, Rammelkammer V., Asmus B., Kaiser M. J., Richter A., Vintrici G., Ferreiro Mählmann R. (2025) Traceological analyses of tool marks on western Iberian stelae and their replications: Stones and steel at the end of the Bronze Age. Journal of Archaeological Science. First Release: 12. August 2025.
    DOI: 10.1016/j.jas.2025.106340
  • Dr. Ralph Araque Gonzalez ist Projekleiter des DFG-Projekts „Die Iberischen Stelen der Spätbronzezeit: Bildkunst, Technologie und Wissenstransfer zwischen Atlantik und Mittelmeer“ am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg
  • Die Studie wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG-Projektnummer: 446739573)

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