Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Anything Goes [St. Gallen]

Musical

Musik und Songtexte von Cole Porter 
Buch von Guy Bolton, Pelham Grenville Wodehouse, Howard Lindsay und Russell Crouse
Neufassung von Timothy Crouse und John Weidman 
Deutsche Dialoge von Christian Severin

Inszenierung

Schweizer Erstaufführung: 21. Dezember 2013
Theater, St. Gallen, Schweiz

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA21. November 1934Alvin Theatre, New York
GBEA14. Juni 1935Palace Theatre, London
DDspr. EA10. Februar 1981Pfalztheater, Kaiserslautern
AEA 21. Juli 2004John-Pölz-Halle, Amstetten
CHEA21. Dezember 2013Theater, St. Gallen

Anmerkung: Die Schweizer Erstaufführung war eine Übernahme der Produktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München, mit z.T. geänderter Besetzung.

Inhaltsangabe

„Sekretär Billy nimmt kurz vor der Abreise seines Chefs Elisha Whitney auf der M. S. America von New York nach England letzte Anweisungen entgegen. Dazu gehört der unbedingte und sofortige Verkauf der Prestoleum-Aktien, in denen das ganze Geld der Firma angelegt ist. Zufällig trifft Billy seine alte Freundin, die von der Predigerin zur Nachtclubängerin bekehrte Reno Sweeny. Auch sie geht an Bord – um dort mit ihren ‚Angels‘ als Showact aufzutreten. Und noch grössere Zufälle gibt es: Auch Billys jüngster Schwarm, die Millionenerbin Hope, findet sich auf dem Schiff wieder, denn ihre Mutter Evangeline Harcourt will sie noch an Bord gewinnbringend mit dem spleenigen britischen Lord Evelyn Oakleigh verheiraten. Da bleibt Billy nichts anderes übrig, als blinder Passagier an Bord zu bleiben, um diese Hochzeit zu verhindern – und dabei tunlichst nicht seinem Chef über den Weg zu laufen! Von dem flüchtigen Ganoven Moonface Martin, der zusammen mit der Gangsterbraut Erma inkognito reist, bekommt er ein Ticket, das dummerweise auf den Namen des derzeit meistgesuchten Schwerverbrechers ausgestellt ist. Klar, dass das zu allerlei Verwirrungen an Bord führt, bis Billy am End seine Hope in die Arme schliessen darf – und seinem Chef erklären muss, warum er dessen Aktien noch immer nicht verkauft hat…“

(aus: Programmheft der schweizer Erstaufführung)

Kritiken

„Der Regisseur Josef E. Köpplinger legt ein flottes Tempo vor. Cole Porters schmissige, von Jazz, Foxtrott, Tango und Big-Band-Sound geprägte und von Musikern des Sinfonieorchesters St. Gallen unter der Leitung von Michael Brandstätter schwungvoll interpretierte Musik lädt dazu ein. Die Drehbühne wird zum Schiffsdeck (Bühne und Kostüme: Rainer Sinell), bunt blinken die Lichter, wenn wieder etwas Unerwartetes passiert. Das geschieht oft, bis ganz zum Schluss. Denn «Anything Goes» ist nicht nur eine Liebeskomödie, in der es darum geht, dass am Ende die Richtigen einander finden. Es ist auch ein schwarzes Gaunerstück.

[…]Von Anfang an beherrscht Bettina Mönch als Reno Sweeney mit eleganter Leichtigkeit die Bühne, und zwar nicht nur stimmlich und schauspielerisch, sondern auch tänzerisch. Getanzt wird viel und hinreissend in der Choreographie von Ricarda Regina Ludigkeit, auch die Tanzkompagnie wird tüchtig gefordert. Daniel Prohaska hat es als Billy Crocker nicht leicht – zumal Boris Pfeifer den Moonface Martin mit rabenschwarzem Humor zu spielen versteht, an seiner Seite eine quietschvergnügte Sigrid Hauser als Erma.

Den trotteligen Lord Oakleigh gibt Hannes Muik mit Geschick, Köpplinger lässt sich bei der Ausgestaltung seiner Rolle einiges einfallen. Dagmar Hellberg verkörpert überzeugend Hopes geldgierig-resolute Mutter, die aber am Ende doch dem ungeschickten Charme von Erwin Windegger als Elisha Whitney erliegt. Einzig Milica Jovanovic bleibt als Hope ein wenig blass, was aber wohl auch an der überragenden Bühnenpräsenz Bettina Mönchs als Reno Sweeney liegt. Von dieser Reno geht jene ansteckende Munterkeit aus, die auch das Markenzeichen Cole Porters ist.“

Rolf App: Berühmt sein ist alles. Cole Porters Musical «Anything Goes» überzeugt am Theater St. Gallen mit schmissiger Musik, temporeicher Choreographie und schrägem Humor – und mit lustvoll agierenden Darstellern. In: Tagblatt St. Gallen, 23. Dezember 2013.

„Das St. Galler Sinfonieorchester unter der Leitung von Michael Brandstätter klingt wunderbar. Allerdings haben einige Darsteller hörbare Mühe, gegen die schwungvolle Musik anzusingen.

Das Bühnenbild von Rainer Sinell auf Basis der ursprünglichen Vorlage der verstorbenen Heidrun Schmelzer ist eine wahrlich runde Sache: Die zweistöckigen Aufbauten der MS Amerika stehen auf einer Drehbühne, die rasche Szenenwechsel zum Beispiel zwischen Deck und Kabine ermöglicht. Von Sinell stammen ebenfalls die Kostüme, die jedoch nicht immer richtig gut zu den Darstellern passen

[…] Der Hauptunterschied zur Münchner Produktion vom Frühjahr 2013 ist die Besetzung der Reno Sweeny mit der hinreißenden Bettina Mönch. Sie ist nicht nur an Körpergröße allen Männern der Show überlegen (vermutlich auch ohne Absätze). Ihre schöne Stimme hätte allerdings noch eine Spur frecher klingen können.

[…] Letztlich bleibt es allerdings eine an manchen Stellen zu albern angelegte Aneinanderreihung von Nummern in einer Musical-Revue, die nach dem Start angesichts der vielen Figuren erst nach und nach in Fahrt kommt. Doch dank der tollen Solisten, des sehenswerten Bühnenbildes, der großartigen Chorszenen und der hörenswerten Musik von Cole Porter hatte das erfolgsverwöhnte Publikum in St. Gallen seine wahre Freude.“

Gunnar Habitz: Anything Goes. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 165, Februar/März 2014, Seite 45.

Medien / Publikationen

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Empfohlene Zitierweise

„Anything Goes“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/anything-goes-st-gallen/

Letzte inhaltliche Änderung: 20. Oktober 2024.