Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Bretter, die die Welt bedeuten

Musical

Musik von Gerhard Kneifel
Buch von Helmut Bez und Jürgen Degenhardt
Unter Verwendung des Schwanks „Der Raub der Sabinerinnen“ von Franz und Paul von Schönthan
Liedertexte von Jürgen Degenhardt

Inszenierung

Uraufführung: 24. April 1970
Metropol-Theater Berlin, DDR

Besetzung:

Doppelbesetzung in alphabetischer Reihenfolge

Doris Abeßer (als Bella della Donna), Hans-Joachim Blochwitz (als Prof. Martin Gollwitz)

Premierenchronik

DDRUA24. April 1970Metropol-Theater, Berlin

Inhaltsangabe

Die Truppe des Wandertheaters von Emanuel Striese kommt auf ihrer Tournee von Travemünde in das Städtchen Neustadt an der Dosse. Zur Truppe gehören neben dem Direktor und seiner Frau auch der weibliche Star Belle della Donna (bürgerlicher Name Mieze Kalweit) sowie der jugendliche Held Emil Sterneck (eigentlich Emil Groß). In Travemünde hatte Friederike Gollwitz, Ehefrau des Neustädter Lyzeumsdirektors Professor Gollwitz, mit ihrer Tochter die Schauspielerin Bella della Donna kennengelernt, die sich ihr gegenüber aber als italienische Gräfin ausgegeben und diese nach Neustadt an der Dosse eingeladen hatte. In Neustadt kommen sie nun alle zusammen. Striese kann mit Hilfe della Donnas dem Professor sein Manuskript für dessen erste selbstverfasste Oper „Der Raub der Sabinerinnen“ abluchsen. Die Opernaufführung wird zu einer veritablen Blamage und kann nur gerettet werden, in dem Striese kurzfristig „Hasemanns Töchter“ aufführt, ein Dauerbrenner und -erfolg der Wandertruppe. Gollwitz, mit Angst vor der Blamage, will sich schon den Theaterleuten anschließen, nur um den Augen der Mitbürger zu entfliehen. Er kann dann doch in seinem Heimatstädtchen bleiben, denn dort will man nach dem tollen Theatererfolg (von „Der Raub der Sabinerinnen“ und „Hasemanns Töchter“) zukünftig ein eigenes festes Theater haben; mit Striese als Direktor und seiner Truppe als Ensemble. Allerdings ohne Bella della Donna, alias Mieze Kalweit, die den Weinhändler Karl Groß heiratet, der wiederum Sternecks Vater ist. Dem jungen Helden Sterneck steht aber eine eigene Karriere bevor, denn er hat ein Engagement am renommierten Lessing-Theater in der Hauptstadt bekommen. Nachdem sich auch geklärt hat, dass der Professor kein Techtelmechtel mit der angeblichen italienischen Gräfin hatte, kommt das Familienleben der Gollwitz langsam aber sicher wieder in ruhiges Fahrwasser.

(Klaus Baberg)

Doris Abeßer (als Bella della Donna), Karl-Heinz Bentzien (als Emil Sterneck)

Kritiken

„Aus dem Figurenreichtum des Stückes knüpfen die Autoren eine Kausalkette von episodischen Geschehnissen und kontinuierlichen Nebenhandlungen, darauf abgestimmt, die sich der Fabel andeutende sozialkritische Tendenz zu unterstreichen […]. Doch erreichen, scheint mir, Bez/Degenhardt bei weitem nicht jene Präsenz und Brisanz des Sozialkritischen wie im ‚Freund Bunbury‘.“

Wolfgang Lange: Striese kriegt ein Domizil, „Bretter, die die Welt bedeuten“ von Bez/Degenhardt/Kneifel am Metropol-Theater Berlin. In: Theater der Zeit, Heft 7, 1970, Seite 45.

„Entscheidend für ein Stück des heiteren Musiktheaters ist jedoch, ob der Stoff so aufgezäumt ist, daß die Musik eine dramaturgische Funktion  hat. Durchgängig scheint das hier leider nicht der Fall zu sein, weshalb viele von Gerhard Kneifels Musiknummern mehr oder weniger wie Einlagen wirken. Wo aber der Komponist die Möglichkeit hat, durch seine Kunst wirklich eine neue Dimension zu schaffen, ist Kneifel zur Stelle.

[…] Die recht geschmackvolle Inszenierung von Hans-Joachim Martens ist ihrerseits mit Erfolg bemüht, das zählebige Ammenmärchen von der ‚guten alten Zeit‘ zu zerstören. Der soziale Gestus ist deutlich. Typische kleinbürgerliche Haltungen und Verhaltensweisen werden schauspielerisch trefflich ausgestellt. Die Pointen sitzen.“

Manfred Schubert: Alter Schwank als neues Musical, Zur Uraufführung von „Bretter, die die Welt bedeuten“ im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, 16. Mai 1970.

„Sehr gescheit und sehr gewandt haben die Autoren Themen und Milieu des alten Schwanks erweitert und satirisch verschärft, ohne irgendwie pseudomodern zu werden. Im Zentrum bleibt die Schmierenmisere von dem alten Striese und dem Professor mit seiner dramatischen Jugendsünde. […] Das Stück hat den besonderen Vorzug einer gewissen Straffung und wird von der nicht eben faszinierenden, doch keineswegs matten oder gar faden Musik des gewandten, vor allem auch instrumentationsgewandten Gerhard Kneifel fröhlich aufgenommen.

[…] Zusammenfassend. Man darf und muß gratulieren.“

Dr. Erwin Reiche: Jetzt singen die Sabinerinnen, „Bretter, die die Welt bedeuten“ uraufgeführt. In: Neue Zeit, Zentralorgan der Christlichen-Demokratischen Union Deutschlands, Nr. 104, 3. Mai 1970.

Karl-Heinz Bentzien (als Emil Sterneck), Sigrid Olischer (als Paula, eine Tochter von Gollwitz)

Medien / Publikationen


Audio-Aufnahmen

Empfohlene Zitierweise

„Bretter, die die Welt bedeuten“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/bretter-die-die-welt-bedeuten/

Letzte inhaltliche Änderung: 25. November 2024.