Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Can-Can [Basel]

Musical in 14 Bildern

Musik und Gesangstexte von Cole Porter
Buch von Abe Burrows
Deutsche Übersetzung der Dialoge von Paul Baudisch
Deutsche Übersetzung der Gesangstexte von Robert Gilbert

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 7. Februar 1959
Stadttheater Basel, Schweiz

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA7. Mai 1953Shubert Theatre, New York
GBEA14. Oktober 1954Coliseum, London
CHDspr. EA7. Februar 1959Stadttheater, Basel
DEA28. August 1965Württembergisches Staatstheater, Stuttgart
AEA2. März 1968Theater an der Wien, Wien
DDREA1. Juni 1968Volkstheater Rostock

Inhaltsangabe

„Can-Can“ spielt im Jahre 1893 im Pariser Vergnügungsviertel Montmartre. Es beschwört das Milieu, in dem der Maler Henri Toulouse-Lautrec verkehrte und das er mit seinen Bildern aus den Boudoirs, Tanzsälen und Amüsierpalästen verewigte. Im Zentrum des Geschehens steht die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Richter Aristide Forrestier und der attraktiven Besitzerin eines „Bumms-Lokals“, wie sich die Basler National-Zeitung mehrdeutig ausdrückte, La Mome Pistache. Sein berufliches Ethos veranlasst ihn zunächst, gegen die Tänzerinnen des verbotenen Cancans (und damit gegen Pistache) anzugehen. Doch als er und Pistache sich ineinander verlieben, und Aristide am eigenen Leibe die Wucht der obrigkeitlichen Doppelmoral erfährt (obwohl er unschuldig ist), beginnt er Verständnis für Pistache und ihr Gewerbe zu entwickeln, in deren Zentrum die jungen Mädchen und ihr anrüchiger Tanz stehen. Zum Schluss ist er nicht nur ihr Geschäftspartner, sondern kämpft auch an ihrer Seite für die Aufhebung des Cancan-Verbots.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Diese neue Kunstgattung fordert als Interpreten einen neuen Typus, den es in Amerika noch (oder wieder) gibt, der bei uns aber so gut wie ausgestorben ist: den Schauspieler, der gleichzeitig ein tadelloser Sänger und Tänzer ist. Es ist ein offenes Geheimnis, dass aus diesem Grunde die Verpflanzung des Musicals auf den europäischen Kontinent mit grossen Schwierigkeiten verbunden ist. Das Basler Stadttheater hat es trotzdem schon mehrfach versucht, Musicals aufzuführen, um dadurch den schlimmsten Früchten der Operetten-Literatur entgehen zu können. […] 

Von der Handlung ist nichts weiter zu berichten, um so eher aber von der schmissigen Musik Cole Porters. Diese ist ganz auf die zugkräftigen Schlager ausgerichtet. Die paar Songs sind Meisterstücke in ihrer rhythmischen und melodischen Prägnanz und gehen ein wie Champagner. ‚Ganz Paris träumt von der Liebe‘ hat heute mindestens eine so starke Haftfähigkeit wie vor -zig Jahren ‚Puppchen, du bist mein Augenstern‘. Das Orchester, das erst eine sehr konventionelle Ouvertüre zu spielen hat, verwendet die allbekannten modernen Klangtrübungen und bedient sich der vom Jazz her geläufigen Synkopen und Sordino-Effekte. Im Grunde genommen ist die Musik aber doch nur Klangstütze für das gesprochene und gesungene Wort.

Die von vielen in- und ausländischen Gästen besuchte Premiere darf als voller Erfolg bezeichnet werden. Sie wurde vom Publikum mit spontanem, warmem Beifall aufgenommen. […] Arno Assmann vom Münchner Gärtnerplatztheater führte die Schauspieler, Sänger, Tänzer und den Chor überaus straff und einfallsreich. Das turbulente Leben auf der Bühne war von solch ansteckender Fröhlichkeit, dass man sich gelegentlich vorkam wie Toulouse-Lautrec, der von einer Galerie des ‚Moulin-Rouge‘ aus die wogenden Röcke der Montmartre-Mädchen (und was darunter ist) betrachtet. Ganz erstaunlich, wie der Regisseur unser Ensemble zu einer homogenen Aufführung zu vereinigen wusste. Da sangen die Schauspieler, da sprachen die Sänger, ja sangen sogar die Tänzer.“ 

oe.: Die Operette ist tot – es lebe das Musical, Deutschsprachige Erstaufführung von Cole Porters „Can-Can“ im Stadttheater. In: National-Zeitung, Basel, 9. Februar 1959.

„Das Brünnlein der Handlung fliesst dünn. Man muss ihm manche Einspritzung verabfolgen, es ständig im Fliessen zu halten. Eines sei ihm freilich zugute gehalten: Es hat sich im Entlehnen weder an ‚Romeo und Julia‘, noch sonst an Klassikern vergriffen wie andere seiner Art zuvor. Um den Roman ‚Moulin Rouge‘ von Pierre la Mure ist es gewiss nicht schade. Man darf sich von ihm anregen lassen, man darf ihn ausbeuten und umbiegen, ohne dass dadurch Unrecht geschähe. Denn es geht bloss um den Can-Can, der eine Weile eine Modekrankheit gewesen ist, wie man sie noch immer erleben kann. […] 

Doch zurück nochmals zu Assmanns Regie, mit der die Bildgestaltung von Max Bignens, so wie das Ganze angelegt war, eine Einheit bilden musste. In bisweilen beängstigender Weise wurden da die Umbauten bei offener Bühne vollzogen, derart, dass einen Zweifel überkommen konnten, ob zuletzt jedes Ding an den richtigen Ort gelangen werde. Doch immer, dass die Geschichte klappte, und da sie es tat, wurde Paris, wenngleich ein wenig aus amerikanischer Sicht, stellenweise recht anziehend herangeholt. Bis hinauf zu den Dächern, wie man sie aus Puccinis ‚Boheme‘ kennt.“

e.: „Can-Can“, Musical-Erstaufführung im Stadttheater. Basler Nachrichten, Nr. 59, 9. Februar 1959.

„Zwei Namen huschen ununterbrochen über die meterhohe Glühlampenreihe an der Stirnfront des Gebäudes in der Baseler Theaterstraße Nr. 1: Cole Porter und ‚Can-Can‘- ‚Can-Can‘ und Cole Porter… Daneben wirbelt ein blitzender vierflügeliger Propeller aus schwarzbestrumpften und schnür-gestiefelten Mädchenbeinen.

Einen solchen Aufwand an Lichtreklame hat das ehrwürdige Basler Stadttheater bisher noch nicht erlebt; allerdings auch kaum ein Ereignis wie die deutsche Uraufführung eines Musicals, dessen Hauptschlager seit Jahren aus Millionen Lautsprechern tönt – ‚I love Paris…‘. Unter den Premierengästen, die zum Wochenende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz nach Basel strömten, sind viele ‚vom Fach‘. Sie wollen feststellen, ob ‚Can-Can‘ ähnlich wie ‚Kiss me Kate‘ ein Schlager auch für deutschsprachige Bühnen werden könnte, und was Regisseur Arno Assmann – seit  seiner ‚Zigeunerbaron‘-Inszenierung in München ein neuer Stern am Theater-Himmel – aus dem USA-Import gemacht hat.

‚Can-Can‘ ist nämlich anders als das meiste, was man bisher an Musicals hörte und sah. Fast könnte man es ein ‚Sentimental‘ nennen: über allem spritzig-witzigen und frech-charmanten Getriebe liegt ein zarter romantischer Hauch.“

G.R. Steinhäuser: In Basel tanzt man mit Schwung Can-Can, Cole Porters neues Musical: Ein Theaterereignis. In: Welt am Sonntag, 8. Februar 1959. 

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

Der vom Kritiker der Basler Nachrichten erwähnte Roman „Moulin Rouge“ von Pierre La Mure erschien 1951 in der Erstausgabe und wurde noch im gleichen Jahr ins Englische und Deutsche übersetzt. Der Roman wurde ein Bestseller und 1952 in den USA verfilmt. Er diente jedoch nicht unmittelbar als Vorlage für das Musical.

Empfohlene Zitierweise

„Can-Can [Basel]“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/can-can-basel/

Letzte inhaltliche Änderung: 22. November 2020.