Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Das Phantom der Oper (The Phantom Of The Opera) [Hamburg]

Musical

Musik von Andrew Lloyd Webber 
Buch von Richard Stilgoe und Andrew Lloyd Webber 
Liedtexte von Charles Hart
Zusätzliche Liedtexte von Richard Stilgoe 
Arrangements von David Cullen und Andrew Lloyd Webber 
Deutsche Übersetzung von Michael Kunze

Inszenierung

Deutsche Erstaufführung: 29. Juni 1990
Neue Flora, Hamburg, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:

Folgende Rollen werden ausserdem gespielt von:

Premierenchronik

GBUA9. Oktober 1986Her Majesty´s Theatre, London
USAEA26. Januar 1988Majestic Theatre, New York
ADspr. EA20. Dezember 1988Theater an der Wien, Wien
DEA29. Juni 1990Neue Flora, Hamburg
CHEA12. Oktober 1995Musical Theater, Basel

Inhaltsangabe

„Die Bühne der Pariser Oper im Jahr 1905: Bei einer Auktion werden verschiedene Utensilien längst vergangener Tage versteigert. Als der Auktionator einen riesigen Kronleuchter zum Angebot bringt, schwebt dieser über die Zuschauer hinweg an die Decke des Theaters – der Rückblick ins Jahr 1871 beginnt. Probe zur Oper ‚Hannibal‘. Die neuen Operndirektoren werden vorgestellt, Monsieur André und Monsieur Firmin. Das Phantom der Oper läßt während der Probe wie von unsichtbarer Hand ein Bühnenteil fallen, daß die Sopranistin Carlotta nur knapp verfehlt. Die junge Chorsängerin Christine springt ein, mit großem Erfolg. Sie gesteht ihrer Freundin Meg, daß sie einen geheimnisvollen Lehrer habe: den ‚Engel der Muse‘. Ihr Vater hatte vor seinem Tode versoprochen, seiner Tochter einen Engel erscheinen zu lassen. Als sich das Phantom zum ersten Mal zeigt, hält Christine es für den Engel und folgt ihm in die Katakomben der Oper. Dort versucht das Phantom, Christine zu beschwören, sie möge sene Liebe erwidern. Sie demaskiert den vermeindlichen ‚Engel der Muse‘ und enthüllt ein grausam entstelltes Mosntrum, häßlich und von unerfüllter Liebe gequält. Nachdem das Phantom Christine zurück in die überirdische Welt entlassen hat, verlangt es, Christine in einer Hauptrolle zu erleben. Als in ‚Il Muto‘ dennoch Carlotta auf der Bühne steht, läßt das Phantom ihre Stimme versagen und tötet aus Rache den Bühnenmeister. Christine rettet sich mit ihrer Jugendliebe Raoul auf das Dach der Oper. Sie gestehen sich ihre Liebe – für das Phantom ein Verrat. Er läßt den Kronleuchter herabstürzen – als unmißverständliche Warnung direkt vor die Füße Christines…

Inzwischen sind einige Monate vergangen. Bei einem prunkvollen Maskenball blicken die Operndirektoren auf die erfolgreiche Saison zurück. Das Phantom erscheint, als roter Tod. Er übergibt Monsieur André die Partitur seiner Oper ‚Don Juan‘. Hinter der Bühne erfährt Raoul von Madame Giry mehr über das Phantom: Vor vielen Jahren wurde es als häßliche Attraktion auf Jahrmärkten vorgeführt, dabei sei es ein Genie, Architekt und Dichter, Maler und Musiker. Lange Zeit habe man geglaubt, das Phantom sei tot… Die Direktoren planen, das Werk des Phantoms aufführen zu lassen und es zu töten. Christine besucht in ihrer Verzweiflung das Grab ihres Vaters und entscheidet, sich von ihren Kindheitsträumen zu lösen. Aber das Phantom erscheint und versucht, sie in seinen Bann zu ziehen. Christine flüchtet mit Raoul. Piangi wird in der Schlußszenen von ‚Don Juan‘ ermordet aufgefunden – das Phantom ist anstelle Piangis in dessen Kostüm zur großen Liebesszene mit Christine auf der Bühne. Nachdem Christine das Phantom entlarvt hat, entführt es sie in den Untergund, gefolgt von Raoul. Dort wird Christine vor die Alternative gestellt: Entweder ein Leben mit dem Phantom, oder Raoul muß sterben…“

aus dem Programmheft der Deutschen Erstaufführung, Hamburg 1990.

Kritiken

„Klatsch wiegt man mit Gold kaum auf! – das wissen auch die beiden Theaterdirektoren im ‚Phantom‘ und deshalb sind sie zunächst über das in ihrem Opernhaus spukende Phantom und seine publicityträchtige Wirkung gar nicht so unglücklich. Nun gab es aber um die ‚Neue Flora“ in Hamburg leider nicht das, was man Klatsch nennen könnte – gewaltsame Widerstände gegen den Theaterbau waren es, die landauf, landab für Medienberichte sorgten und dem ‚Phantom der Oper‘ schon lange vor der deutschen Erstaufführung eine eher zweifelhafte Publicity einbrachten.

Um dieses Musical überhaupt auf die Bühne bringen zu können, baute man für den Produzenten Friedrich Kurz nach der ‚Starlight‘-Halle in Bochum jetzt das ‚Neue Flora‘-Theater in Hamburg – das zweite Veranstaltungsgebäude, das in der Bundesrepublik extra für ein Musical errichtet wurde.

[…] All diese Äußerlichkeiten sind jedoch schnell vergessen, wenn das Licht erlischt. Was einen danach erwartet, weiß man ja, denn Bühnenbild, Kostüme, Inszenierung und Choreographie sind genauso wie in London, New York, Wien oder sonstwo auf der Welt. Was einem bleibt, ist das ungeduldige Entgegenfiebern auf den ersten Auftritt des Phantoms.

Gestern noch der der gefeierte deutsche Heldentenor mit Popambitionen und viel fotographierter Liebling der Regenbogenpresse, heute Prügelknabe und heftig umstrittenes Phantom. Ein bißchen ergeht es Peter Hofmann jetzt wie unlängst dem Fräuleinwunder Ute Lemeper – erst ganz oben und heftig umjubelt, dann kurze Zeit später verächtlich niedergemacht. […] Doch auch ungeachtet dieser mehr plakativen als fachkundigen differenzierten Aussage muß man konstanieren: Peter Hofmann kann nicht als idealer Phantom-Interpret gelten. Seine besten Momente hat er in den Forte-Passagen, immer dann, wenn er voll aussingen kann, ohne in der Höhe zu sehr gefordert zu sein. Die leisen und lyrischen Momente der Partie gelangen ihm nur verkrampft und gepreßt. Doch bedauerlicherweise blieb Peter Hofmann nicht nur gesanglich viele Nuancen schuldig, Aufgrund mangelnder Körpersprache ließ er auch die nötige, darstellerische Prägnanz vermissen. Weder den Haß des entstellten Ausgestoßenen, noch die Ängste des in seiner Liebe Verletzlichen konnte Hofmann überzeugend mitteilen.“

Gerhard Knopf / Klaus-Dieter Kräft / Oliver Kamolz: Das Phantom der Oper. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 24, August/September 1990, Seite 14-19.

 „Die Blaulichter der Wasserwerfer auf den Straßen und die Blitze in der Tiefe des Bühnenraums, die martialisch gerüsteten Polizisten draußen und das kriegerische Ballett drinnen, der Sperrzaun zur Unterwelt des Unholds und das heruntergelassene Stahlgitter am S-Bahn-Eingang – in den Augen sensationshungriger Zuschauer gehörten der Schnürbodenzauber und das bürgerkriegsartige Straßenszenario zusammen: Welch makabrer Kontrast zwischen Bühne und Wirklichkeit, Schicki-Micki und Schlagstock, Protzerei und Protest.

Hamburg am vergangenen Wochenende: Premierenabend in der Neuen Flora. Zweitausend illustre Gäste aus Showgeschäft, Politik und Wirtschaft waren gekommen, um das ‚Phantom der Oper‘ des britischen Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber bei seinem Horrortrip durch die Katakomben der Pariser Oper zu begleiten. Doch für die meisten Besucher fand der Horrortrip bereits vor dem Theater statt.

Fast tausend Demonstranten bespuckten, verhöhnten und beschimpften die Galabesucher. Gäste wurden geschlagen, gestoßen, mit faulen Eiern, Farbbeuteln und Steinen beworfen. Selbst eine hochschwangere Frau blieb von den Krawallmachern nicht verschont. Die Schadensbilanz: mindestens 28 Verletzte, drei ausgebrannte Fahrzeuge, siebzig beschädigte Autos und unzählige eingeschlagene Fensterscheiben.“

Armin Guhl: Krawall ums Phantom. Ein Musical wollte Premiere feiern. In: Die Zeit, Nr. 28/1990, 6. Juli 1990.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Video-Aufnahmen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Das Phantom der Oper“ („The Phantom Of The Opera“) [Hamburg]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/das-phantom-der-oper-hamburg/

Letzte inhaltliche Änderung: 21. Oktober 2024.