Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Das Taxigirl Sweet Charity (Sweet Charity)

Musical

Musik von Cy Coleman
Buch von Neil Simon
Nach dem Film „Die Nächte der Cabiria“ von Federico Fellini
Liedertexte von Dorothy Fields
Deutsche Fassung von Marianne Schubart und Karl Vibach
Deutsche Liedertexte von Victor Bach

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 7. Februar 1970
Hessisches Staatstheater, Wiesbaden, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA29. Januar 1966Palace Theatre, New York
GBEA11. Oktober 1967 Prince of Wales Theatre, London
DDspr. EA7. Februar 1970Hessisches Staatstheater, Wiesbaden
DDREA29. April 1971Staatsoperette, Dresden
AEA? 1978/79Landestheater Linz
CHEA12. November 2009Stadttheater, Bern

Inhaltsangabe

Charity „Hope“ Valentine ist Taxi-Girl, eine Animierdame, die auch besondere Wünsche ihrer Kunden erfüllt. Sie arbeitet mit ihren Kolleginnen im „Fan-Dango“-Club. Desillusioniert vor ihrem Arbeitsumfeld, von den verflossenen Liebhabern und ihrer Zukunft, verbringt sie per Zufall eine Nacht mit dem italienischen Filmstar Vittorio Vidal, wenn auch nur auf der Flucht vor dessen eifersüchtiger Freundin in seinem Kleiderschrank. Ihr Glück scheint aber vollkommen, als sie zusammen mit dem verklemmten Buchhalter Oscar in einem Lift steckenbleibt und ihn, der an Klaustrophie leidet, von der beengten Situataion ablenken kann. Sie kommen sich näher, sehen sich öfter, gehen sogar zusammen zu einer obskuren „Messe“ des Sekten-Priesters Daddy Brubeck. Schließlich hält Oscar um ihre Hand an. Das Glück scheint perfekt. Doch bei der Junggesellinen-Abschiedsfeier im „Fan-Dango“ gesteht Oscar Charity, sie doch nicht heiraten zu können. Er schafft es nicht, über ihre „berufliche“ Vergangenheit hinweg sehen zu können. Wieder ist Charity allein. Doch wie immer blickt sie optimistisch in die Zukunft.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Zur Pause ein Triumph, am Ende ein Erfolg – schade, daß es nicht umgekehrt war, denn ‚Das Taxigirl Sweet Charity‘ brachte eine gute Brise Broadway-Schwung ins operettenselige Germany. […] Nun hatte das Staatstheater Wiesbaden den Mut, den Start für Deutschland zu wagen, unter Einsatz größter Mittel. Das zahlt sich aus: der erste Teil – acht Szenen bis zur Pause – hatten Broadway-Pfiff. Die Choreographin Lynn Simonson konnte in den USA viele Musical-Erfahrungen sammeln, die sie in Wiesbaden praktizierte – Ergebnis: endlich ein Musical und kein modisch getarnter Operetten-Schmarren, zumindest bis zur Pause.

[…] Nach der Pause aber wird’s bisweilen amerikanisch schnulzig, es muß nun endlich ‚Liebe‘ herein, und da denken wir an die Singspiele vor vierzig Jahren und bedauern, daß die Amerikaner nicht ohne diesen trockenen Witz, den harten Rhythmus aufweichenden Kitsch auszukommen vermögen.“

Wilhelm Ringelband: Zur Hälfte ein Triumph. Broadway-Musical „Sweet Charity“ mit Dagmar Koller in Wiesbaden. In: Grafschafter Nachrichten, Nordhorn, 2. Februar 1970.

„Das Rezept, nach dem Simon und Coleman ihr Musical zusammenbauten, enthält bewährte Zutaten. Ein bißchen ’sündiges Milieu‘, bunt glitzernd à la ‚Irma la Douce‘ und garantiert jugendfrei, die Mädchen tun gar nichts ‚Böses‘ und träumen vorwiegend vom kleinen Glück, was wiederum das Herz der Zuschauer bewegt. Es wird ein wenig getanzt, in einem fashionablen Nightclub sogar recht fesch – wie in der guten alten Operette -, es wird auch mal frech gesungen, und es wird streckenweise viel und lange Dialoge geredet, daß man fast vergißt, ein Musical vor sich zu haben. Hinzu kommt, daß Cy Coleman das Kunststück fertiggebracht hat, sechzehn Musiknummern ohne einen nennenswerten Einfall zu komponieren.“

hd.: Musical ohne Musik. „Sweet Charity“ in Wiesbaden erstaufgeführt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Februar 1970.

„Für die Titelfigur hat man sich Dagmar Koller, frühere Operetten-Soubrette aus Wien geholt. Sie bemühte sich nach gar nicht schwachen Kräften, stand die Drei-Stunden-Rolle attraktiv, pausenlos lebhaft, charakterlich beweglich und tänzerisch gelenkig durch. Doch auch hier: mal erinnerte sie an der Monroe naiven Mimik, mal an Gene Kellys tanzende Partnerinnen, mal – beim Song im Regenmantel – schien’s ein Knef-Versuch. Eine ureigene Ausstrahlung mangelte ihr ebenso wie der winzige Schuß Verderbtheit als Prise Salz zu dieser sonst gar zu rührenden Rolle.

[…] Doch blieb bei der Wiesbadener Premiere der Szenenapplaus, im flotteren ersten Akt noch freigiebig gespendet, im gedehnten Teil nach der Pause mehr und mehr aus. Und als am Ende die Verbeugungstour begann, rührten sich die Hände nur in Maßen und erst dann, wenn die Darsteller von selbst wieder erschienen. Der Vorhang mit den vielen Herzchen senkte sich bald. Wenn ‚Sweet Charity‘ die Herzen erobern will, muß sie viel munterer werden…“

Hanja Rau: Sweet Charitys mäßiges Deutschland-Debüt. Deutsche Erstaufführung des Musicals von Neil Simon und Cy Coleman in Wiesbaden. In: Mannheimer Morgen, 9. Februar 1970.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Video / DVD

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Das Taxigirl Sweet Charity (Sweet Charity)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/das-taxigirl-sweet-charity/

Letzte inhaltliche Änderung: 15. April 2021.