Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Der große Houdini

Musical

Buch, Musik und Liedtexte von Paul Graham Brown
Deutsche Übersetzung von Moritz Staemmler

Inszenierung

Uraufführung: 24. Oktober 2014 
Theater, Hof, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Cornelia Löhr (Bess Houdini), Chris Murray (Harry Houdini) und Ensemble

Premierenchronik

DUA24. Oktober 2014Theater, Hof

Inhaltsangabe

„Harry Houdini ist der größte Entfesselungskünstler aller Zeiten. Im Amerika des frühen 20. Jahrhunderts faszinierte er die Massen und wurde einer der bekanntesten Künstler überhaupt. Noch heute gilt sein Name als Synonym für Magie, auf den sich alle Magier von Hans Klok bis David Copperfield berufen. Legendär sind bis heute seine Tricks, bei denen er mitten auf dem New Yorker Times Square einen Elefanten verschwinden ließ oder sich kopfüber von einem Wolkenkratzer hängend aus einer Zwangsjacke befreite.
Doch hinter der Fassade des Mannes, den nichts aufhalten kann, verbirgt sich ein kleiner Junge, der von seinem Vater abgelehnt wurde und als Einwanderer aus Ungarn stammend in den Vereinigten Staaten von Amerika erst seinen Platz finden musste.
Houdini sucht seine Orientierung im Leben, indem er jede Grenze überschreitet. Als Künstler und als Mensch. Und so entfesselt er auch in den Menschen um ihn herum starke Gefühle…“

Theater Hof

Chris Murray (Harry Houdini)

Kritiken

„Das Theater Hof hat mit „Der große Houdini“ ein mutiges Projekt gewagt, das zwar nicht in allen Punkten überzeugt, jedoch dennoch sehenswert ist.

[…] Sicherlich bietet das Leben des Illusionisten viele interessante Details. Jedoch jagt Browns Buch teilweise von einem Lebensereignis zum nächsten, sodass dem Zuschauer manchmal wenig Zeit glassen wird, sich darauf einzustellen. Dennoch bietet das Musical schöne Szenen, die sehr stimmungsvoll daherkommen. […] Musikalisch gesehen bewegt sich Brown oft im Bereich von Balladen, einige Up-Tempo-Songs komplettieren die Partitur vor allem bei den größeren Ensembles. Dennoch gibt es nur wenige musikalische Unterschiede und die Lieder tragen selten zur Atmosphäre des Stückes bei.

[…] Regisseur James Edward Lyons nutzt die sprunghafte Dramaturgie des Stückes und baut eine Collage aus verschiedenen Einzelszenen, die teilweise Bezug zueinander herstellen. Geschickt hierbei das Bühnenbild von Annette Mahlendorf, die auch die Kostüme entworfen hat. Die Geschichte wird in einem Zirkuszelt erzählt, durch eine Drehbühne wird mal das Innere, mal das Äußere gezeigt, Vorhänge öffnen immer wieder neue Bereiche in der Außenhülle. Ein weiterer drehbarer Kranz außenherum ermöglicht, dass immer wieder neue Elemente nach vorne gefahren werden können. Somit gelingen relativ schnelle Szenenwechsel, die den Erzählfluss unterstützen.

[…] Als Harry Houdini steht Chris Murray auf der Bühne des Hofer Theaters. Murray überzeugt durch seine Präsenz und schafft es, den teilweise unsympathischen Charakter dennoch vielschichtig zu verkörpern. Auch sein körperlicher Einsatz ist bemerkenswert. Mehrfach hängt er kopfüber im Flugwerk und befreit sich aus einer Zwangsjacke.“

Thomas Schramm: Der große Houdini. Nicht rundum überzeugend, dennoch sehenswert. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 170, Dezember 2014/Januar 2015, Seite 16-17.

„Musikalisch ist das Stück, bedingt durch die Natur des Buches reich an Balladen. Dies stellt an sich keinen Nachteil dar, könnte aber als fehlende Abwechslung empfunden werden. Stellenweise kommen einem die Melodien nicht ohne Grund bekannt vor, es sind einige Anleihen vorhaanden. Diese setzen sich im Kopf fest, ohne für das neue Stück einen neuen Ohrwurm zu produzieren. Die Musik ist konservativ komponiert und es fehlt der innovative eigenen Stil von Paul Graham Brown. Gelunden sind ihm dagegen die Arrangements, in denen vor allem Harfe und Holzbläser besondere Akzente setzen.

[…] Die Inszenierung von James Edward Lyons verzichtet auf eine einführende Ouvertüre und lässt stattdessen erst einmal den gefesselten Harry Houdini kopfüber vom Schnürboden herabhängen. Ein ungewöhnlicher Einstieg, der für Überraschung sorgte und die Frage aufwirft, ob  man eine Ouvertüre nach dem „Kochrezept für Musicals“ zwingend benötigt oder nicht.

[…] „Der große Houdini“, so lässt sich abschließend sagen, hat Ecken und Kanten, was für eine Weiterentwicklung des Stückes förderlich ist. Paul Graham Brown ist einer der Musicalschaffenden, der das neue deutschsprachige Musical nach vorne gebracht hat und bringt. Er arbeitet akribisch und Details sind für ihn besonders im Buch wichtig. Daraus mit Musik ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, muss ihm hoch angrechnet werden. Auch wenn „Der große Houndini“ seine Magie noch nicht ganz entfalten konnte, ist es doch ein Musical, das man sich anschauen sollte.“

Barbare Kern / Oliver Wünsch: Houdini nicht ganz entfesselt. Uraufführung „Der große Houdini“ in Hof. In: blickpunkt musical, Ausgabe 73, Nr. 06/2014, November 2014/Januar 2015, Seite 12-14.

„Es ist wirklich der perfekte Musical-Stoff: einerseits die spektakuläre Geschichte eines schier magischen Entfesselungskünstlers, der sich im Gefängnis nackt fesseln ließ und ebenso angezogen wie befreit herausspazierte; der an Händen und Beinen gebunden von Brücken ins Wasser stürzte oder gefesselt in einem Käfig ins Wasser sich versenken ließ. Der andererseits aber auch zeitlebens unter einem Vater litt, der ihn ablehnte und die vom Sohn abgöttisch geliebte Mutter verließ; der seine Frau vernachlässigte und immer mehr zum Eigenbrödler wurde; der vom Tod fasziniert war und entsprechende Devotionalien sammelte, und der schließlich nicht bei einer seiner spektakulär lebensgefährlichen Aktionen starb, sondern weil er einem jungen Studenten in der Garderobe erlaubte, seine vermeintlich immer noch stählernen Bauchmuskeln zu testen und davon einen letalen Blinddarm-Riss erlitt.

Das alles wird in Hof in einer betont lockeren, Vor- und Rückblenden einschließenden gelungenen und kurzweiligen (Musik-)Dramaturgie aufgerollt, die immer wieder bis in die Kindheit zurückgeht. Ein bewusst grob zusammengezimmertes (halbes) Zirkuszelt (Bühne und Kostüme: Annette Mahlendorf) dient als Drehbühnen-Schauplatz mit offenen Verwandlungen. Die Kostüme sind historisch genau, ein bisschen Ballett gibt es auch. Aber erst nach der Pause bekommen Handlung wie Musik Tiefgang, werden die Schattenseiten des einzigartigen, auch medien- und breitenwirksamen Phänomens Houdini, das sogar – wenngleich mit wenig Erfolg – in Stummfilmen mitwirkte, facettenreich beleuchtet. Dennoch krankt das ganze Projekt ein wenig an einer fehlenden Vision und allzu glattem, sauberem Handwerk.“

Klaus Kalchschmid: Entfesselt. Paul Graham Brown: der große Houdini. In: Die Deutsche Bühne, online aufgerufen (https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/entfesselt), 16. Mai 2022.

Christian Venzke (Dash Weiss), Chris Murray (Harry Houdini), Andreas Bühring (Elian Weiss)

Medien / Publikationen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Der große Houdini“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/der-große-houdini/

Letzte inhaltliche Änderung: 16. Mai 2022.