Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Der König und ich (The King and I) [München]

Musical in zwei Akten

Musik von Richard Rodgers
Text von Oscar Hammerstein II, frei nach dem Roman „Anna und der König von Siam“ von Margaret Landon
Deutsche Übersetzung von Janne Furch

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 17. April 1966 
Theater am Gärtnerplatz, München, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Ballett „Hütte von Onkel Thomas“

Premierenchronik

USAUA29. März 1951St. James Theatre, New York
GBEA8. Oktober 1953Theatre Royal Drury Lane, London
DDspr. EA17. April 1966 Theater am Gärtnerplatz, München
AEA20. Dezember 1966Theater an der Wien, Wien

Anmerkung: Die Österreichische EA war in großen Teilen eine Übernahme der Münchner Inszenierung; die Choreographie übernahm in Wien Ursula Heimerer und am Dirigentenpult stand Johannes Fehring. Der König wurde in Wien von Karl John gespielt.

Inhaltsangabe

Die verwitwete Gouvernante Anna Leonowens kommt aus England mit ihrem Sohn Louis an den Hof des Königs von Siam, um dessen Kinder zu unterichten. Schon bei ihrer Ankunft im Hafen ist sie mit den unterschiedlichen Ansichten konfrontiert, die zwischen West und Ost vorherrschen. Mit ihrer freundlichen und fröhlichen Art gewinnt sie nicht nur die Herzen der kleinen Prinzessinen und Prinzen, sondern auch den Respekt des Herrschers. Sie hilft ihm sogar bei einem Empfang britischer Abgesandter, deren Bild vom unzivilisierten Siam zu ändern. Dennoch zeigt sich bei dem grausamen Umgang des Königs mit einer seiner „Unter“frauen und deren heimlichen Geliebten, die versuchten dem Hof zu entfliehen, die unterschiedlichen Ansichten von Macht und Machtmißbrauch. Anna Leonowens will gerade Siam verlassen als sie erfährt, dass der König im Sterben liegt. Auf dem Sterbebett nimmt sie Abschied von ihm und verspricht ihm, noch am Hofe zu bleiben, um die Kinder weiter zu unterrichten.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Der Librettist ist schon 1960 gestorben und Rodgers gab nun der deutschen Fassung von Janne Furch, gestützt auf ein New Yorker Gutachtergremium sein Plazet. Damit konnte das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz seiner Jubiläumsspielzeit das Bonbon einer „kontinentalen Erstaufführung“ einfügen. Und es hat alles getan, um dessen amerikanische Süße einerseits zu mildern, andererseits aber der Inszenierung Ausstattung und überhaupt der ganzen Darbietung soviel Gewicht und Genauigkeit zu geben, wie sie im Ursprungsland selber bei derlei aufgewandt werden. Das hatte Bühnenkraft und Tempo, Humor und Rührseligkeit, exotische Farbenpracht und melodischen Schmelz in eben jener Mischung, die dem Sujet und dem Stück gebührt.

[…] Weniger persönliches Engagement, dafür wirkungssichere Routiniertheit verriet der Dirigent Franz Allers, der – mit Rodgers befreundet und mit der Übersetzerin verheiratet – zu dem deutschsprachigen Debüt von ‚Der König und ich‘ nicht nur musikalisch beigetragen hat.“

Ulrich Dibelius: Rührseligkeit, Tempo und melodischer Schmelz. Das amerikanische Musical ‚Der König und ich‘ im Münchner Theater am Gärtnerplatz deutsch erstaufgeführt. In: Die Welt, 26. April 1966.

„Für die beiden Hauptrollen der Anna und des Königs von Siam hatte Pscherer zwei ideale Besetzungen aufzubieten. Lieselotte Ebent war eine überaus reizvolle Anna, deren schauspielerische Ausdrucks-Skala eine ungewöhliche Vielfalt aufwies: so haargenau haben bisher nur wenige deutsche Darstellerinnen den rechten Musical-Ton getroffen. Ihre Präzision war ebenso bewundernswert wie die Selbstverständlichkeit, mit der sie jede Situation ausspielte, ohne jemals ‚aus der Rolle zu fallen‘.

Und Hans Putz ist als siamesischer König ein einziges Vergnügen: tapsig wie ein Eelefant und geschmeidig wie ein Tiger, von komischen Ernst wie von ernsthafter Komik gleichweise erfüllt, durchmißt er mit traumwandlerischer Sicherheit alle weitgespannten Bereiche seiner Rolle so herrlich vital, daß man sich schlechthin keinen anderen […] mehr vorstellen kann.“

Walter Panofsky: Musical-Transplantation. ‚Der König und ich‘ im Theater am Gärtnerplatz. In: Süddeutsche Zeitung, 19. April 1966.

„Natürlich werden die Autoren protestieren und sagen: unser Stück ist für eine Musical-Comedy so unkonventionell wie möglich und bringt eine Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau, wobei Liebe nur unterschwellig mitspielt, mit keinem Wort direkt angesprochen wird, dazu als Hintergrund den Aufeinanderprall zweier Kulturen.

Aber nichts macht das Stück so problematisch wie gerade diese aufgepfropfte Ambition mit ihren Primitiv-Dialogen, ihrem Vulgär-Philosophien und Surrogat-Weisheiten. der König von Siam und seine Landsleute benehmen sich ständig wie Halbaffen oder Kasperlfiguren (von diesem dümmlichen Hochmut allem Fremden gegenüber distanziert sich im Programmheft mit aller Entschiedenheit auch das Gärtnerplatztheater), wogegen die nach Siam verschlagenene englische Lehrerin, die die 67 Kinder des Königs erziehen soll, ein wahrer Ausbund an Weisheit und Tugend ist.“

Helmut Schmidt-Garre: Ob dieser König von Siam den Kontinent erobert? Gärtnerplatztheater Pscherer inzeniert das Musical ‚The King and I‘. In: Münchner Merkur, 19. April 1966, Seite 4.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Empfohlene Zitierweise

„Der König und ich (The King and I)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/der-koenig-und-ich-muenchen/

Letzte inhaltliche Änderung: 13. Juli 2022.