Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Der Kongress tanzt [Baden-Baden]

Musikalische Komödie nach dem gleichnamigen Film von Erik Charell

Musik von Werner Richard Heymann
Neue Bühnenfassung von Michael Quast und Rainer Dachselt
Arrangements von Carsten Gerlitz

Inszenierung

Erstaufführung der Bühnenfassung: 25. Mai 2007
Theater, Baden-Baden, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA25. Mai 2007Theater, Baden-Baden
AEA20. Februar 2016Volksoper, Wien

Inhaltsangabe

„Auf dem Wiener Kongress, wo Könige, Fürsten und Diplomaten über das Schicksal Napoleons und Europas debattieren, scheint Staatskanzler Fürst Metternich alles im Griff zu haben – außer einigen Kleinigkeiten, die trotz seines exzellenten Spitzelsystems und seiner Sicherheitskräfte noch nicht so ganz funktionieren. Da ist u.a. die Handschuhmacherin Christel, die mit einem besonderen Werbegag auf ihr Geschäft aufmerksam macht: jedem gekrönten Haupt, das in Wien eintrifft, wirft sie einen Blumenstrauß mit ihrer Adresse in die offene Kutsche. Als nun der Zar von Russland kommt, zielt sie nicht richtig und trifft diesen am Kopf. Die Russen vermuten sofort ein Attentat – aber Gott sei Dank haben sie vorgesorgt: Statt des Zaren sitzt ein Double, der tumbe Bauernsohn Uralsky, in der Kutsche. Christel wird verhaftet, doch ihrem Geliebten Pepi, der der engste Mitarbeiter Metternichs ist, gelingt es, dass sich der Zar höchstpersönlich einschaltet und sie der Strafe entgeht.

Zu Pepis Leidwesen verliebt sich der Zar in Christel, führt sie zunächst zum Heurigen aus und lässt sie später in einer prachtvollen Kutsche abholen. Was Pepi immer mehr erzürnt, kommt den Plänen Metternichs äußerst entgegen: so lange der Zar mit Liebschaften beschäftigt ist, stört er seine Pläne auf dem Kongress nicht. Aber die einfältigen, in ihrem System eingefahrenen Diplomaten und Fürsten haben die Rechnung ohne den Zaren und seinen Doppelgänger gemacht, den dieser geschickt benutzt, um sich bei den ballseeligen Diplomaten gegen Metternich durchzusetzen. Christel träumt noch immer von der wahren Liebe an der Seite des russischen Fürsten, als auf dem Höhepunkt des Balls die Nachricht eintrifft, dass Napoleon aus Elba geflohen und als Usurpator in Frankreich gelandet ist. Der Zar muss nach Russland zurückkehren, Christels Traum ist zerplatzt. Rückblickend weiß sie: ‚Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder‘.“

Inhaltsangabe Verlag Felix Bloch Erben, Berlin, 2023

Kritiken

„Ist es nun eine Operette oder ein Musical? Sehen wir hier vielleicht das deutsche Unterhaltungstheater, das die Nazis damals verhindert haben? Was auch immer, die neue alte ‚Musikalische Komödie‘ nach Erik Charells berühmten Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1931 macht mit ihrem federleichten Humor, mit feinen satirischen Spitzen und einer wonnigen Inszenierung mindestens so viel Spaß wie ein Gershwin-Musical der 30er-Jahre.

[…] Mit trefflichen Parodien auf die hohle Politikersprache von heute orientieren sich die Dialoge am spöttischen Zynismus von Jacques Offenbachs Operetten. Die in Wien versammelten Diplomaten, Generäle und Schwätzer amüsieren sich köstlich, dass sie ‚am Ende doch keiner zur Verantwortung ziehen‘ kann, ein Quartett von Wiener Bürgern lästert immer wieder hingebungsvoll über den Kongress – da fallen Worte wie ‚Politikerstandort Wien‘ und ‚Flair bringt Fun‘ oder es wird über ‚A-Promis‘ und ‚Kongress-Luder‘ hergezogen. Das Trommelfeuer aus Wortspielen, Running Gags und Zweideutigkeiten führt im idealen Zusammenspiel mit Stefan Hubers temporeicher Regie zu einem unablässigen Glucksen und Kichern im Publikum, vor allem im ersten Akt.

[…] Karel Spanhak hat die kleine Bühne des Baden-Badener Theaters in ein wahres Wunderwerk aus Marmorsäulen und Ballsälen verwandelt, mit reichlich Türen für Verwechslungsspiele, einem Gefängnis, der Heurigenstube und der kuriosen Abhöranlage Metternichs. Die hübschen Empire-Kostüme und feschen Uniformen von Heike Seidler sorgen für weiteren optischen Genuss.

Angela Reinhardt: Der Kongress tanzt. Operette oder Musical? – Beste Unterhaltung allemal. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 126, August/September 2007, Seite 12-13.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Der Kongress tanzt“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/der-kongress-tanzt-baden-baden/

Letzte inhaltliche Änderung: 24. August 2023.