Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Der Kuß der Juanita (Poceluj Čanity)

Operette in drei Akten (vier Bildern) 

Musik von Jurij Miljutin
Buch und Gesangstexte von Jewgenij Schatunowskij
Deutsche Übersetzung von Willi Segler
Fassung des Operetten-Theaters Dresden

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 4. November 1958
Operetten-Theater Dresden, DDR

Besetzung:  

Premierenchronik

UdSSRUA? Mai 1957Operettentheater, Moskau
DDRDspr. EA4. November 1958Operetten-Theater, Dresden

Inhaltsangabe

Die Handlung spielt in San Lorento, einer kleinen südamerikanischen Hafenstadt, in der Gegenwart. Einige Studenten, unter ihnen Juanita, wollen zum Festival der Jugend fahren (gemeint waren die 6. Weltfestspiele 1957 in Moskau) und sammeln Geld für die Überfahrt. Dabei versteigern sie im Spaß auch einen Kuss von Juanita. Cesare, der reichste Mann des Ortes, ersteigert ihn und will ihn sich holen. Doch das Mädchen weigert sich, weil sie mit Pablo liiert ist, der auch sofort eifersüchtig reagiert. Wenig später will Cesare Juanita sogar heiraten, was diese in heftigen Schrecken versetzt. Um sie unter Druck zu setzen, sorgt er dafür, dass alle Reisepässe der Studenten von der Polizei eingezogen werden. Daraufhin geht Juanita zum Schein auf den Antrag ein, wenn Cesare zuvor die Reisepässe den Besitzern wieder zurückgeben lässt. Die Trauung findet statt, doch unter dem Brautschleier befindet sich eine andere Frau, die Sängerin Angela, der Cesare immer die Ehe versprochen, die er aber nie zum Traualtar geführt hatte. Froh über ihren gelungenen Streich ziehen die Jugendlichen lachend gen Moskau.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Schraps ging daran, eine deutsche Bühnenfassung, die ihm zur Verfügung stand, zu bearbeiten. Das Resultat zeigte, daß er sich wahrscheinlich der Schwäche der Operette nicht bewußt war, denn seinem Rotstift fielen einige Textstellen zum Opfer, in denen die soziale Zugehörigkeit und der Kampf der Studenten besonders stark zum Ausdruck kommen; beispielsweise jene Zeilen, in denen sinngemäß davon gesprochen wird, daß überall dort Sonnenschein, Freude und Lachen herrschen, wo fortschrittliche Menschen regieren. […] Andererseits ist kaum die Hand des Bearbeiters zu spüren, wo es galt, die Schwächen wesentlich zu mindern, um die Aussageabsicht der Autoren stärker zu betonen. Trotzdem hat man nach dem Lesen den Eindruck, daß sich daraus auf der Bühne etwas machen ließe; leider zeigte aber die Inszenierung, daß es dem Regisseur Schraps nicht gelang, die Intentionen des Bearbeiters Schraps szenisch umzusetzen. Gewiß, es wurde flott gespielt, und es fehlte auch nicht an Einfällen, die auf den jungen, begabten Regisseur hinweisen, doch von der Aussage der Operette blieb nicht viel übrig. Oftmals glitt das Spiel ins Nur-Komödiantische ab.

Es wäre den Dresdnern sehr zu empfehlen, die Aufführung noch einmal kritisch daraufhin zu untersuchen, ob nicht die Aussage verstärkt werden kann. Es müßte meines Erachtens möglich sein, das Anliegen der Studenten mehr zu betonen und das Geschehen um Cesare zurückzudrängen. Denn in der jetzigen Inszenierung mag wohl die Kasse am Abend stimmen, die Rentabilität in den Köpfen aber bestimmt nicht.“

H. P. Hofmann: Eingesperrte Gegenspieler, „Der Kuß der Juanita“ von Jurij Miljutin im Operettentheater Dresden. In: Theater der Zeit, Heft 1, Januar 1959, Seite 25-27.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Kommentar

Der russische Librettist wurde im Programmheft der deutschsprachigen Erstaufführung nicht mit angegeben.

Der Name des deutschen Übersetzers ist ein Pseudonym für Peter Bejach.

Die Inszenierung gehörte mit zum Programm der Dresdner Musik- und Theaterfesttage 1958.

Empfohlene Zitierweise

„Der Kuß der Juanita“ („Poceluj Čanity“). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/der-kuss-der-juanita/

Letzte inhaltliche Änderung: 9. November 2020.