Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Die drei Musketiere (Tri Musketera) [Berlin]

Musical in zwei Teilen nach Motiven des Romans von Alexandre Dumas

Musik von Maxim Dunajewski
Libretto von Mark Rosowski und Juri Rjatschtschenzew
Liedtexte von Juri Rjatschtschenzew
Deutsche Bühnenfassung im Auftrage des Metropol-Theaters Berlin von Jo Schulz
Regieeinrichtung von Joachim Franke

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 2. Oktober 1983 
Metropol-Theater, Berlin, DDR

Besetzung:  

Premierenchronik

UdSSRUA??.??.1975Operettentheater, Kiew
CSSREA05. Mai 1976 Jiřího Wolkra Theater, Prag
DDRDspr. EA02. Oktober 1983Metropol-Theater, Berlin

Inhaltsangabe

Die Handlung folgt in großen Teilen, wenn auch nicht linear, dem bekannten Roman Alexandre Dumas.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Die deutsche Bühnenfassung Jo Schulz‘ (Regieeinrichtung: Joachim Franke) wirkt etwas uneinheitlich, flüssig-spritzigen Dialogen folgen arg banale Wortspiele und Reimereien (Gesangstexte!). Maxim Dunajewskis Komposition erklingt im exzellenten, sängerfreundlichen Arrangement Igor Bázliks (Bratislava). Sie huldigt einem gefälligen Allerweltstil mit sehr zurückhaltend anklingender russischen Intonation (z. B. Moll-Wendungen, temperamentvolles Nachspiel des Duetts d’Artagnan / de Treville).

[…] Regisseur Joachim Franke, dem turbulente Stücke bekanntlich sehr liegen, stand vor einem Problem: Die dreißig Szenen des Geschehens mußten ohne Umbau-Zäsuren und möglichst organisch ineinanderfließen. Mit Hilfe von Ausstatter Werner Schulze gelang das auch vorzüglich, dennoch dauert das Musical drei Stunden und damit ein wenig zu lang. Die Bühnengestaltung wirkte ebenso einfach wie frapierend. Auf die Drehscheibe ist eine Palast-Treppe gebaut mit senkrechter Rückwand für die Zimmer-Szenen. Diese Architektur nutzte Joachim Franke für kontrastreiche Arrangements, auch der Ensembleszenen – beispielsweise mit den singenden und tanzenden Novizinnen und der singenden und fechtenden Soldaten.“

Dietmar Fritzsche: Musketier-Musical. DDR-Erstaufführung ‚Die drei Musketiere‘. In: Theater der Zeit, Heft 11/1983, Seite 31.

„Die scharfen Schwarz-Weiß Konturen der Figuren, der Gefühle und Verhaltensweisen werden gleichsam gebrochen durch das Prisma der Ironie, mit der die Erinnerung an Buch-, Film- und Fernseheindrücke auf die Bühne übertragen wird. Es ist alles nicht so ernst gemeint, wie es aussieht. Wenn der Leiche des Gegeners das Messer im Rücken steckt, erklingt das bekannte Motiv „Spiel mir das Lied vom Tod“, den Auftritt der dämonischen Lady Winter begleiten Verdische Schicksalsklänge. 

[…] Wolfgang Eilers, Hans Glogowski und Klaus-Peter Fleßow, die drei Musketiere, nutzen alle Möglichkeiten, eigenes Profil zu zeigen, obgleich sie überwiegend im Trio daherkommen, drei lebenslustige Burschen, die Wein, Weib, Gesang und – wie kann es anders sein – das Fechten lieben und denen das Herz so rasch nicht in die Hosentasche rutscht, wenn man ihren Worten glauben will. Der Kampf, den sie am Ende überstehen, kann davon nicht so recht überzeugen, weil Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, die einen wesentlichen Teil an Wirkung dieser Inszenierung ausmachen, dabei in Krach und Klamauk untergehen.“

Gudrun Skulski: Kesser Umgang mit der Historie. ‚Die drei Musketier‘ von Maxim Dunajewski im Metropol-Theater. In:  Neue Zeit, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, Nr. 238, 10. Oktober 1983, Seite 4.

„Leider erzählt sich die Geschichte der „Drei Musketiere“ hier nicht so leicht, wie’s das heitere Musiktheater nun mal verlangt. Die Wortduelle gleichen oft mehr Gefechten mit schwerem Säbel, denn solchen mit dem leichten und eleganten Florett, obgleich Jo Schulz durch einige aus unserer Zeit entlehnte Wendungen manchen Lacher provozierte. Rückblenden beförderten den Fluß der Geschichte nicht gerade. Die verwickelte Fabel zwang Regisseur Joachim Franke zu einigen Kunstgriffen. Trat das Stück auf der Stelle, ließ er das Bühnenbild (Werner Schulz) sich drehen, wechselte so geschickt den Ort der Handlung.

[…] Der Spaß wäre sicher größer gewesen, hätte man sich entschieden, das Ganze weniger ernst zu nehmen. So mischten sich in die heiter-satirische Szenerie moralisierende Töne, auf die man gut und gern verzichten konnte.“

Günter Görtz: Dumas‘ Helden fechten sich durch das Operettenleben. ‚Die drei Musketiere‘ im Metropol-Theater. In: Neues Deutschland, Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), 8./9. Oktober 1983, Seite 11.

Medien / Publikationen

DVD / Video

Kommentar

Die alternierenden Besetzungen wurden z. T. den Presseberichten entnommen und waren nicht Bestandteil des vorliegenden Programmhefts der Erstaufführung.

Maksim Isaakovich Dunayevsky schrieb 1974 für Mark Rozovskys Lieder, die später in dem Fernsehfilm „D’Artagnan und drei Musketiere“ (1978) einflossen.

Empfohlene Zitierweise

„Die drei Musketiere“ [Berlin]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/die-drei-musketiere-berlin/

Letzte inhaltliche Änderung: 13. Oktober 2021.