Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Die Gräfin vom Naschmarkt [Leipzig]

Musikalische Komödie

Musik und Arrangements von Erwin Halletz
Buch und Liedertexte von Kurt Nachmann
nach der Kurzgeschichte „Madam La Gimp“ von Damon Runyon

Inszenierung

DDR-Erstaufführung: 31. Oktober 1980
Musikalische Komödie Leipzig, DDR

Besetzung:

Premierenchronik

AUA2. Oktober 1978Theater an der Wien, Wien
DDREA31. Oktober 1980Musikalische Komödie, Leipzig

Inhaltsangabe

„Die österreichischen Autoren Kurt Nachmann (Buch) und Erwin Halletz (Musik) erzählen – nach Motiven des amerikanischen Films ‚Die unteren Zehntausend‘ – die Geschichte von Rozsi Sandor, ehemals Soubrette, jetzt – 1926 – Horoskopverkäuferin und Schnapsdrossel vom Wiener Naschmarkt. Einziger Kontakt zwischen ihr und ihrer Tochter Ann, die einst mit Adoptiveltern nach Amerika kam, ist ein umfangreicher Briefwechsel. Rozsi bedient sich dazu noblen, aus dem Hotel Sacher ‚besorgten‘ Briefpapiers, um sich ihrer Tochter gegenüber als Gräfin auszugeben und ihren sozialen Abstieg bis in die untersten Schichten zu verschleiern. Was über Jahre gut ging, droht in einer Katastrophe zu enden, als Ann telegraphisch ihren und ihres zukünftigen Schwiegervaters (Millionär in Öl) Besuch ankündigt. Der Öltexaner will Anns adelige Verwandtschaft auf Herz und Nieren prüfen, ehe er ihrer Heirat mit seinem Sohn zustimmt. Rozsi will verzweifelt aufgeben, doch sie hat nicht mit der spontanen Solidarität der kleinen Leute gerechnet. Der Naschmarkt mobilisiert sich: Kellner, Arbeitslose, Straßenmädchen, Kleinhändler, Theaterleute, alle, die genau wie Rozsi im Elend der Wirtschaftskrise irgendwie bestehen müssen, tun sich zusammen, um ihr zu helfen und dem Ölpapa aristokratische Hautevolée vorzuspielen. Das klappt – beinahe. Aber der Schwindel platzt, jedoch endet zu guter Letzt ‚wie durch ein Wunder‘ alles happy. Ann bekommt ihren Millionenerben, Rozsi ein Comeback am Theater, und das Publikum ein Theaterfinale mit allen Finessen.“

Elke Schneider: Der Naschmarkt mobiliert sich. DDR-Erstaufführung „Die Gräfin vom Naschmarkt“ von Nachmann / Halletz in Leipzig. In: Theater der Zeit, Heft 2, 1982, Seite 32-33.

Kritiken

„Das war lebensvolles Musical-Theater: Interessante Geschichten, Sentiment, Rollen, die man singen, spielen und tanzen kann (und muß), Ballett und Musik, die mit kommerziellem Geschick und viel Sinn für theatralische Wirkung gemacht ist. […] Roland Seiffarth leitet die Aufführung hinreißend, brachte mit Verve und musikalischem Charme jeden einzelnen Darsteller und alle zusammen zu höchstmöglicher Differenzierung und Glanz. Erwin Leister inszenierte die Geschichte bunt, wie Markttreiben sein muß, die vielfältigen kleinen Episoden und Schicksale verbinden sich zu einer Geschichte, die amüsant ist und historisch konkret zu orten, und zu einer Aufführung, die Tempo und Liebe zum Detail in gleicher Weise offenbart.

[…] Das Bühnenbild (Joachim Glogowski) bot schön mulmigen Theaterflitter, einen Grundbau, der vornehmlich Verwandlung und Show-Effekte leicht machte. Die Kostüme (Christa Hahn) unterstützten die Figuren bis hin zur Karikatur, soweit es der Stückstruktur entspricht. Die Choreographie Monika Gepperts war eng mit der Handlung verbunden, sehr tempo-und einfallsreich, durch viel Gespür für Komik und Wirkung ausgezeichnet.“

Elke Schneider: Der Naschmarkt mobiliert sich. DDR-Erstaufführung „Die Gräfin vom Naschmarkt“ von Nachmann / Halletz in Leipzig. In: Theater der Zeit, Heft 2, 1982, Seite 32-33.

„Für Marika Rökk geschrieben und von der Fünfundsechzigjährigen 1978 mit Riesenerfolg kreiert, vermag dieses Musical nur einzuschlagen, wenn die Titelrolle passabel besetzt werden kann. Dank Brigitte Kreuzer ist der DDR-Erstaufführung an Leipzigs Musikalischer Komödie sogar mehr beschieden, nämlich der Idealfall eines zwischen Komik und Tragik spielenden, singenden und tanzenden Allroundtalents, wie es das Musical hierzulande leider selten findet. 

Darauf ist Erwin Leisters augenfällige und temporeiche Inszenierung, die sich der Herkunft der Short Story bewußt bleibt, auch angelegt.“

Georg Antosch: Rozsi im gepumpten Palais. „Die Gräfin vom Naschmarkt“ als DDR-Erstaufführung in Leipzig. In: Neue Zeit, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, 16. Dezember 1980, Nr. 296, Seite 4.

„Einen Hauch Wiener Charme, Sentiment und flotte Rhythmen beschert das österreichische Musical ‚Die Gräfin vom Naschmarkt‘, das am Freitag in der Musikalischen Komödie in Leipzig erfolgreich für die DDR erstaufgeführt wurde.

[…] Die einfallsreiche Leipziger Inszenierung von Erwin Leister unter der temporeichen musikalischen Leitung von Roland Seiffarth hat in Brigitte Kreuzer eine exzellente Besetzung der Titelrolle.“

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Kommentar

Am 11. März 1980 strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Kooperation mit dem österreichischen ORF eine Aufzeichnung aus dem Theater an der Wien aus.

Empfohlene Zitierweise

„Die Gräfin vom Naschmarkt“ [Leipzig]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/die-graefin-vom-naschmarkt-leipzig/

Letzte inhaltliche Änderung: 1. August 2024.