Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Die Hochzeit mit dem General (Svad’ba s generalom)

Musikalische Komödie in zwei Akten

Musik von Jewgenij Ptitschkin
Text von Kim Ryschow nach Motiven aus Werken Anton Tschechows
Deutsche Nachdichtung von Heidemarie Stahl

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 13. September 1981 
Deutsches Nationaltheater, Weimar, DDR

Besetzung:  

Premierenchronik

UdSSRUA4. November 1980Theater der musikalischen Komödie, Leningrad
DDRDspr. EA13. September 1981 Deutsches Nationaltheater, Weimar

Inhaltsangabe

„Titularrat Schigalow verheiratet seine Tochter Dascha. Der Bräutigam Epaminond Aplombow willigt nur unter der Bedingung ein, daß die Mitgift beträchtlich ist und die Hochzeit durch einen Ehrengast gekrönt wird – er muß General sein. Kein bestimmter, Hauptsache ein General. Ausgerechnet Njunin, den leichtlebigen Versicherungsangestellten rüsten Schigalows mit 25 Rubeln aus, den General heranzuschaffen. Njunin verschwendet die Summe für persönliche Vergnügungen und überredet seinen gutherzigen Onkel Rewunow-Karaulow, Fregattenkapitän a. D., in Galauniform auf dem Fest zu erscheinen. Dort taucht er auf, als alle Erwartungen auf den hohen Gast in schier unerträglichem Maße angestaut sind und die Hochzeit selbst nur noch von untergeordneter Bedeutung scheint. Die Lüge läßt sich nicht lange aufrechthalten. Njunin wird gefeuert. Die Hochzeitsgesellschaft stiebt empört in alle Richtungen auseinander.“

Wolfgang Lange: Der falsche General. DDR-Erstaufführung ‚Die Hochzeit mit dem General‘, Musikalische Komödie von Pitschkin/Ryschow, in Weimar. In: Theater der Zeit, Heft 11/1981, Seite 18.

Kritiken

Die Musik Pitschkins, eines 51jährigen Komponisten, der bislang fünf musikalische Bühnenwerke geschrieben hat, besitzt vaudevillehafte Bescheidenheit. Die typisch russisch kolorierten Melodien werden nur übers Rhythmische in die Gegenwart transportiert, ansonsten gehören die gefälligen Walzer, Couplets, Romanzen, Quadrillen dem 19. Jahrhundert. Ihr Kunstwert ist von geringfügiger Art. Es ist keine Musik, die kapellmeisterlichen Ehrgeiz entfesselt. Gunter Kahlert und die Staatskapelle musizieren sie mit jener Redlichkeit, die ihrem Wesen entspricht.

[…] Worobjew hat durchaus recht, wenn er für seine künstlerische Ausdrucksweise den Begriff des ‚phantastischen Realismus‘ in Anspruch nimmt. Es gibt hier eben nicht nur eine konsequent durchgeführte Spielweise sondern vieles fügt sich in- und aneinander, ohne daß fade Heterogenität entsteht – Ironisches, Groteskes, ernsthaftes Gefühl, Psychologisches. Die szenische Kunst Worobjews besteht darin, daß er allem zu gleichzeitiger Wirkung verhilft; eines löscht das andere nicht aus, sondern hebt das andere hervor.“

Wolfgang Lange: Der falsche General. DDR-Erstaufführung ‚Die Hochzeit mit dem General‘, Musikalische Komödie von Pitschkin/Ryschow, in Weimar. In: Theater der Zeit, Heft 11/1981, Seite 18.

„Die Autoren haben für die musiktheatralische Umsetzung einen Weg eingeschlagen, der eigentlich mit „musikalischer Komödie“ ebensowenig treffend bezeichnet ist, wie er es durch „Operette“ oder „Musical“ wäre. Sie nehmen Traditionen auf, die als Revue, Zirkus und Estrada über ein unübersehbares Massenpublikum verfügen und die in reiner Form musiktheatralisch erst selten verwertet worden ist. […] Der Komponist hat an volkstümliche russische Musiktradition angeknüpft, besonders an die besten Leitungen der auch bei uns populär gewordenen sowjetischen Zirkus- und Estradenmusik. Viel Folkloristisches klingt an.

[…] Einen guten Griff taten die Weimarer mit der Verpflichtung des sowjetischen Regisseurs Wladimir Worobjew. Er steuert seinerseit ein wahres Feuerwerk attraktiver szenischer Einfälle bei. So war das Ensemble des Nationaltheaters vor eine so ungewöhnliche wie ungewohnte Aufgabe gestellt, und es hat diese hervorragend gelöst. Christian Panzer rückte mit seinen Bühnenbildern die Vorgänge in den Rahmen einer Kitsch-Postkarte, in welchem Herbert Dudzik (Titularrat) und Ingeborg Porstmann (seine Frau), Gudrun Fischer als Dascha (deren Tochter) und Johannes Prkno (Bräutigam) einen anregenden Spielraum für individuelle komödiantische Darbietungen fanden. Das Stück lebt und fällt jedoch mit der Besetzung der Rolle des falschen Generals. Peter Slawow hat in dieser Rolle wie in vielen anderen einmal mehr sein überzeugendes Darstellungsvermögen bewiesen.“

Prof. Dr. sec. Gerd Schönfelder: Vergnügliches Spiel mit Musik um ein gestörtes Hochzeitsfest. Sowjetischer Regisseur Wladimir Worobjew inszeniert in Weimar als Gast eine DDR-Erstaufführung nach Tschechow. In: Neues Deutschland, Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), 1. Oktober 1981, Seite 4.

Empfohlene Zitierweise

„Die Hochzeit mit dem General (Svad’ba s generalom)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/die-hochzeit-mit-dem-general/

Letzte inhaltliche Änderung: 15. Februar 2022.