Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Die Päpstin

Musical

Musik von Dennis Martin
Text von Dennis Martin / Christoph Jilo
zusätzliche Musik und zusätzliche Texte von Peter Scholz und Björn Herrmann
nach Donna Woolfolk Cross‘ Roman „Pope Joan“ (1996)

Inszenierung

Uraufführung: 3. Juni 2011
Schlosstheater, Fulda, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA3. Juni 2011Schlosstheater, Fulda
CZEA2. Februar 2012Stadttheater, Brünn

Anmerkung: Das Musical „Die Päpstin“ der Spotlight Musicalproduktion GmbH war eine Co-Produktion mit dem Brünner Stadttheater.

Inhaltsangabe

„Im Jahre 814 Anno Domini: Wilde Barbarenhorden bedrohen Mitteleuropa. Die Pest wütet. Kaum ein Weg ist sicher. Ein Leben zählt wenig, vor allem das einer Frau… Im Jahr 814 Anno Domini kommt als Tochter eines Dorfpfarrers und einer sächsischen Heidin ein Mädchen zur Welt: Johanna. Das Kind ist außergewöhnlich klug und lernt heimlich und gegen den Willen seines Vaters lesen und schreiben. Durch eine Verkettung von Zufällen bekommt Johanna schließlich die Gelegenheit, die Klosterschule zu Dorstadt zu besuchen. Doch als junge Frau bekommt sie es dort nicht leicht gemacht, immer größer werden die Anfeindungen von allen Seiten. Ein grausamer Normannenüberfall ereilt Dorstadt und wie durch ein Wunder überlebt Johanna das Massaker als Einzige.

Vom Schicksal sich selbst überlassen, trifft sie eine einsame Entscheidung: Sie verlässt Dorstadt, legt ihre Frauenkleider ab, schneidet sich das Haar und gibt sich fortan als Mann aus. Aus Johanna wird Johannes Anglicus, der als Mönch ins Kloster Fulda eintritt. Es beginnt ein jahrzehntelanges Versteckspiel, das Johanna zur Gejagten macht.

Von Fulda führt ihr Weg nach Rom. Ins Zentrum der Macht. Rom ist gefährlich. Feinde bedrohen die Stadt. Und am Hof des Papstes spinnen mächtige Gegner ihre Intrigen. Doch Johanna geht ihren Weg weiter und steigt auf zum Leibarzt des Papstes. Als ihr jedoch plötzlich und unerwartet der einzige Mann, den sie jemals geliebt hat, in Rom begegnet, muss sie sich entscheiden zwischen Liebesglück und Unabhängigkeit. Und doch steht ihre schwerste Aufgabe noch bevor: Als der Papst stirbt, wählt das römische Volk sie zu dessen Nachfolger und stellt sie vor eine fast unlösbare Aufgabe. Johanna muss ihr Geheimnis wahren. Denn niemand darf wissen, wer sie wirklich ist.“

Inhaltsangabe zitiert nach Spotlight Musicalproduktionen GmbH.

Kritiken

„Die Musicalfassung instrumentalisiert ‚Die Päpstin‘ weder für noch gegen die katholische Kirche, sondern bringt sie als berührendes Frauenschicksal mit lebendigen Mittelaltertableaus auf eine große Drehbühne, die extrem passgenau ins Schlosstheater Fulda passt. Auf dieser wird im beeindruckenden Bühnenbild von Christoph Weyers, das komplett im tschechischen Brno/Brünn gefertigt wurde, zusammen mit den wunderbar atmosphärischen Licht von David Kachlíř, Johannas Lebenswelt zwischen Ingelheim und Rom lebendig: Im ersten Akt sind dies die naturalistische Kate des Dorfpriesters von Ingelheim, die Welt von Dorstadt hinter der großen Eichentür, welche sich zwischen Festgelage und Scola splittet, sowie der lebendige Händler- und Gauklermarkt von St. Denis. Im zweiten Akt wird die Mönchswelt im Kloster Fulda kontrastiert mit den hohen Treppen und Säulen Roms, der konspirativen Welt der Lust in einem römischen Palazzo und dem Papstthron im Lateran.

Weitgehend ist es den Autoren der Musicalfassung, Dennis Martin und Christoph Jilo, gelungen, den 600 Seiten-Roman in eine schlüssige Theaterfassung zu bringen. […] Musikalisch mischen sich in ‚Die Päpstin‘ gregorianische Gesänge […] und mittelalterliche Klänge, wie man sie etwa in den keltisch-bretonischen Melodien der Folkgruppe ‚Tri Yann‘ hört, mit stark rhythmischen Stücken […] Dazu kommen zahlreiche ins Ohr gehende Pop-Balladen, die erzählen, was nicht dargestellt werden kann, oder die emotionale Situation der Figuren mit klaren, bildreichen Liedtexten zum Ausdruck bringen. […] Klang und Tonqualität der vorproduzierten Arrangements lassen nichts zu wünschen übrig, obgleich eine solch aufwendige Produktion ein Live-Orchester verdienen würde.“

Barbara Kern: Im Gewand des anderen Geschlechts. „Die Päpstin“ in Fulda uraufgeführt. In: blickpunkt musical, Ausgabe 53, Nr. 04/2011, Juli-August 2011, Seite 4-7.

„Komponist Dennis Martin hat den Roman für die Bühne adaptiert, die Liedtexte und die Musik geschrieben. […] Der erste Akt ist zu lang. […] Eine Überarbeitung ist auch beim Ton notwendig. Die exzellenten Männerstimmen waren so stark übersteuert, dass man sich die Ohren zuhalten musste. Derartige Kinderkrankheiten sollten sich im Laufe der bis Mitte August dauernden Aufführungsserie beheben lassen.

[…] Ohne Liveband mischen sich Playback und Live-Gesang recht schlüssig. Rockpop, Hymnen und Balladen charakterisieren Situation und Figur. Ein Klangpathos kann Komponist Martin nicht immer vermeiden, einen Ohrwurm nimmt das Publikum nicht mit auf den Nachhauseweg. Auch sonst nicht sehr viel, was auch daran liegt, dass die Inszenierung von Stanislav Moša, Direktor und Regisseur am Stadttheater Brünn, manche Figuren ohne Innenleben zeigt, Emotionen und innerliche Zerrissenheit entdeckt der Zuschauer kaum.“

Peter Merck: Die Päpstin. Uraufführung einer dramatischen Emanzipationsgeschichte. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 150, August/September 2011, Seite 10-13.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Kommentar

„Die Päpstin“ wurde erfolgreich an anderen Theatern, aber auch als Wiederaufnahmen in Fulda, vielfach aufgeführt.

Empfohlene Zitierweise

„Die Päpstin“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/die-paepstin/

Letzte inhaltliche Änderung: 26. März 2024.