Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Dulcinea von Toboso (Dul’sineja Tobosskaja)

Historische Komödie in 3 Akten

Musik von Gennadi Gladkow
Buch von Alexander Wolodin
Verse von G. Gorbowski / B. Ratzer / B. Konstantinow
Deutsche Übersetzung von Marlene Milach
Nachdichtung der Lieder von Manfred Streubler

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 14. Januar 1977 
Staatsoperette, Dresden, DDR

Besetzung:  

Premierenchronik

UdSSRUA?.?.1973Leningrad, Drama Theater
DDRDspr. EA14. Januar 1977Staatsoperette, Dresden

Anmerkung. Das genaue Datum der UA konnte bisher nicht eruiert werden.

Inhaltsangabe

Spanien, Anfang 17. Jahrhundert. Die Handlung von Dulcinea von Tobos beginnt sieben Jahre nach dem Tod des legendären Don Quijote und der Veröffentlichung des berühmten Romans. Der treue Knappe von Sancho Panza kehrt in das Dorf Toboso zurück. Versunken in die Erinnerungen an die Heldentaten des Meisters im Namen der schönen Dulcinea, erzählt er weiterhin erstaunliche Legenden über Don Quijote und provoziert zahlreiche Anhänger des traurigen Ritters zum edlen Dienst an Dulcinea, für die selbst Sancho inzwischen Aldonza hält.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Der Einfall ist durchaus theaterträchtig, einmal nicht den Ritter von der traurigen Gestalt zum Helden des Geschehens zu machen, sondern die von ihm angebete Dulcinea, und das hinwieder nicht als banale Liebesgeschichte vorzuführen, sondern als Symbolvorgang, insofern Dulcinea als die theatralisch-sinnliche Verkörperung der Poesie des Lebens aufgefasst ist. Kann man das? Ganz ohne Frage, denn Dulcinea „lebte nur in der Phantasie Don Quichotes, und der wiedrum war eine Phanatsiegestalt des Dichters Cervantes. Wenn Dulcinea aber nur ein Produkt der Phantasie ist, nur ein Traum, ist sie dann nicht Poesie?“ (Wolodin) Und der Autor schlußfolgert weiter, daß die Poesie mit der zügellosen Prosa des Lebens dauerhaft im Streite läge, wobei unerachtet der Siegeder Prosa die Poesie sich doch immer ein bißchen darüber zu stehen dünkte.

[…] Am Schluß weiß keiner, was das Stück eigentlich will. Um das Anliegen Wolodins zu treffen, hätte es vorallem einer treffenden Eindeutschung bedurft. Wo es um Poesie, ihrer Entfaltung und um Haltung zu ihr geht, ist das Primitivste, was man fordern darf, die Wahrung des poetischen Prinzips auch in der Übersetzung – gleichgültig, ob persifliert, ironisiertoder satirisch kritisiert wird. Der Text, den die dresdner sprechen, ist das Gegenteil vom Wollen Wolodins, nämlich schlechthin eine Persiflage auf die Poesie.

[…] Der Anteil der Musik ist im Grunde so gering, daß man sie getrost vernachlässigen könnte. Um sie richtig zu beurteilen, ist eine konkrete Vorstellung von dem erforderlich, was unter dem Begriff ’sowjetische Estrade‘ zu verstehen ist. Und in diesem Bezugsfeld hält sie nicht stand.“

Gerd Schönfelder: Musicals international … in Dresden, Gdynia, Prag. Theater der Zeit, Heft 4/1977, Seite 25-26.

Kommentar

1980 wurde ‚Dul’sineja Tobosskaja‘ für das sowjetische Fernsehen verfilmt.

Empfohlene Zitierweise

„Dulcinea von Toboso (Dul’sineja Tobosskaja)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/dulcinea-von-toboso/

Letzte inhaltliche Änderung: 9. April 2022.