Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Edgar Allan Poe

Musical

Musik, Songtexte und Buch von Eric Woolfson
Deutsche Übersetzung von Daniel Call

Inszenierung

Uraufführung: 28. August 2009 
Opernhaus, Halle, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

GBEA halbszenisch?. November 2003Abbey Road Studios, London
DUA28. August 2009Opernhaus, Halle

Inhaltsangabe

Über den Tod hinaus geht der Hass des Referend Rufus Griswold an den Schriftsteller Edgar Allan Poe, hat dieser doch einst in einer Kritik ein Werk seines schreibenden Rivalens niedergemacht. Dies verzeiht Griswold Poe nie und versucht mit Hilfe seines Adlatus‘ Reynolds mehr aus der Jugend des vom Leserpublikums geliebten Schauerautors zu erfahren. Heraus kommen Details über die früh verstorbene geliebte Mutter, über die ebenfalls labile und kranke junge Ehefrau sowie Fluchten Poes in Alkohol und Opius. Dies benutzt Griswold gegen ihn und über den frühen Tod nach einer Schlägerei hinaus, versucht der einstige Rivale das Ansehen des Autors von „Der Rabe“ zu beschmutzen. Dies gelingt ihm aber nicht, denn Poe ist bis heute bekannt und berühmt, Griswold dagegen vergessen.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Damit liefert Woolfson ein Buch ab, das im Gegensatz zu früheren Werken von ihm ganz nah an der zugrundeliegenden Künstlerpersönlichkeit bleibt. So trat etwa in ‚Freudiana‘ Siegmund Freud überhaupt nicht und Antonio Gaudi in ‚Gaudi‘ lediglich als Kunstfigur auf. In ‚Edgar Allan Poe‘ nun ist Poe selbst der Protagonist und dient als emotionale Anknüpfungsfigur für den Zuschauer.

[…] Mächtigen Wirbel und Theaterdonner gab es um die Premiere des neuen Musicals von Eric Woolfson, die noch bis kurz vor der Uraufführung an der Oper Halle juristisch gekippt zu werden drohte. Grund waren künstlerische Auseinandersetzungen zwischen Autor Eric Woolfson und Regisseur Frank Alva Buecheler, der nach Woolfsons Geschmack zu frei mit seinem Stück umging. […] Hauptaufhänger für den entstandenen Zwist waren die Differenzen zwischen Buch und Inszenierung – Woolfson war in seiner Vorlage so konkret wie noch nie, während sich Buecheler für einen abstrakten Inszenierungsansatz entschieden hat. […] Jedenfalls splittert der Regisseur in der nun präsentierten Fassung die Figur des Protagonisten in sage und schreibe drei Rollen auf: Je nach Lebensabschnitt agiert Poe nun im Alter von acht Jahren, als Anfang 20-Jähriger und als Erwachsener.

[…] Fast scheint es so, als ob dieser feixende ‚Kobold des Perversen‘ auch die Produktion des Musicals ‚Edgar Allan Poe‘ heimgesucht hat, die, in dieser Fassung dringend einer grundsätzlichen Überarbeitung bedarf. Das Potential ist vorhanden, vor allem in musikalischer Hinsicht: Die Songs von Eric Woolfson verfügen allesamt über eine außerordentlich hohe theatralische Qualität, sind bewegend, aufwühlend, dramatisch und todtraurig – eben genau wie das Leben von Edgar Allan Poe.“

Markus Zeller: Edgar Allan Poe. Tolle Musik, aber leider nur enttäuschend in Szene gesetzt. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 139, Oktober/November 2009, Seite 16-19.

„Auch wenn ‚Edgar Allan Poe‘ als Bühnenstück mehr Fragen als Antworten aufwirft, sind die Songs von Eric Woolfson schon heute ähnlich unsterblich wie die Werke des Dichters Poe. Die Übertragung der großen Balladen und opulenten Chorchoräle in die deutsche Sprache durch Daniel Call, der schon das Libretto Frank Nimsgerns ‚Der Ring‘ verfasste, ist gelungen und kann überzeugen. […] Unter der musikalischen Leitung von Volker M. Plangg, der schon ‚Titanic‘ in Magdeburg zu spektakulären Klängen versenkte, spielt die mit E-Gitarre, Synthesizer und Schlagzeug verstärkte Staatskapelle Halle richtig rockig auf und sorgt für einen theatergerechten Transfer der Originalsongs.

Das Ballett Rossa tanzt die anspruchsvolle Choreographie von Jaroslav Staniek (u.a. Choreografie für ‚Chess‘ und ‚Dracula‘) mit Elan und Spielfreude. Christoph Weyers (Ausstatter für ‚Ich will Spaß‘ und ‚Buddy Holly‘ in Essen) sorgt mit vier beweglichen und wandelbaren Schiebe-Elementen sowie einem überdimensionalen Raben für ein abwechslungsreiches Bühnenbild und kleidet die Darsteller in aufwendige Kostüme, die so mancher Großproduktion mehr als gerecht werden. Anke Tornow vervollständigt den visuellen Eindruck der Show mit Videoprojektionen, die den Zuschauer von der Realität nahtlos in Poes schräge Traumwelt transportieren.“

Stephan Drewianka: POEtisches von Mysterien und Fantasien. Weltpremiere von Edgar Allan Poe in Halle. In: blickpunkt musical, Ausgabe 42, Nr 04/2009 September/Oktober 2009, Seite 4-6.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Kommentar

Grundlage des Musicals sind die gemeinsamen Arbeit mit Alan Parson in „Tales of mystery and imagination“ von Alan Parsons Project und die Werke von Edgar Allan Poe, insbesondere ‚The Murders in the Rue Morgue‘, ‚The Pit and the Pendulum‘ und ‚The Raven‘.

Das Programmheft liegt aktuell nicht vor. Die Informationen wurden den entsprechenden Medien entnommen und werden bei Vorlage des Programmhefts geändert oder ergänzt.

Empfohlene Zitierweise

„Edgar Allan Poe“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/edgar-allan-poe/

Letzte inhaltliche Änderung: 18. Februar 2022.