Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Ein Amerikaner in Paris (An American in Paris) [Linz]

Musical

Musik von George Gershwin
Gesangstexte von Ira Gershwin
Buch von Craig Lucas nach dem gleichnamigen Film von 1951
Deutsch von Roman Hinze und Kevin Schroeder

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 25. November 2018
Landestheater Linz, Österreich 

Besetzung:  

Gernot Romic (Jerry Mulligan), Ensemble

Premierenchronik

FUA22. November 2014Théâtre de Châtelet, Paris
USAEngl. EA12. April 2015Palace Theatre, New York
GBEA21. März 2017Dominion Theatre, London
ADspr. EA25. November 2018Landestheater Linz
DEA28. September 2019Opernhaus, Kiel

Inhaltsangabe

Die Handlung spielt in Paris kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Jerry Mulligan, ein ehemaliger GI, kehrt nicht in die USA zurück, sondern beschließt in Frankreich zu bleiben. Er will künftig als Kunstmaler sein Leben bestreiten. In einem Café lernt er den amerikanischen Komponisten Adam Hochberg kennen, der ihn mit dem Franzosen Henri Baurel bekanntmacht. Sie freunden sich an.

Jerry und Adam verlieben sich in die Tanzelevin Lise Dassin, die ihren Lebensunterhalt als Verkäuferin in den Galeries Lafayette verdient. Sie fühlt sich beziehungsmäßig dem Millionär und heimlichen Cabaret-Sänger Henri verpflichtet, da er und seine Eltern sie als Jüdin während der deutschen Besatzungszeit vor den Nationalsozialisten versteckt hatten. Er hingegen denkt mehr an seine Karriere als Jazz-Sänger.

Die amerikanische Millionärin Milo Davenport findet Kontakt zum Freundeskreis. Sie erklärt, alle vier künstlerischen Karrieren unterstützen zu wollen, verliebt sich dann aber in Jerry, was die Beziehungen der Personen untereinander  verkompliziert, zumal Henris Eltern die Hochzeit von ihrem Sohn und Lise ankündigen. Doch zum Schluß klären sich die Verhältnisse. Jerry und Lise finden zueinander. Henri hat einen großen Auftritt im Cabaret Montmartre. Adam findet seine Erfüllung in der Musik. Und Milo sieht ein, dass sie Liebe mit Geld nicht kaufen kann. 

(Wolfgang Jansen)

Daniela Dett (Milo Davenport), Gernot Romic (Jerry Mulligan)

Kritiken

„Die Story ist grundsätzlich einfach und läuft teilweise sogar Gefahr, etwas langweilig zu werden. Wäre da nicht der Tanz. […]

In Linz wurde mit den Original-Songs […] in englischer Sprache gearbeitet – die Dialoge wurden auf Deutsch übersetzt. Für die musikalische Leitung war Tom Bitterlich verantwortlich. Das Besondere an dem Stück für ihn: ein symphonisches Orchester im Einsatz bei einem Musical.

Allzu oft kommt das Stück jedoch sogar gänzlich ohne Sprache aus. Sei es, dass man den Tanz nicht als Sprache interpretiert. Denn dieser steht ganz im Zentrum der Aufführung. ‚Ein Amerikaner in Paris‘ ist ein tanzlastiges Stück, das den Eindruck erweckt, dass so mancher Darsteller hier beinahe an seine Grenzen stoßen müsste. So werden teilweise bis zu zehn Minuten lang dauernde Balletteinlagen dargeboten. Höhepunkt ist beispielsweise die 17-minütige Traumsequenz, in der sich Jerry Mulligan seine Zukunft ausmalt, die bis heute zu den Highlights des amerikanischen Musicals zählt. Mit dem Charme des Fred Astaire-Stils werden dem Publikum qualitativ hochwertige Sequenzen geboten. Und es zeigt sich abermals: Das Allround-Talent des gesamten Ensembles bedarf keiner Kritik. Eine einmalige und erstklassige Leistung bei einem herausfordernden Stück.“

Yvonne Brandstetter: Brillante Tanzkunst mit französischem Flair, „Ein Amerikaner in Paris“ als deutschsprachige Erstaufführung in Linz. In: blickpunkt musical, Azsgabe 98 (01/19), Januar-März 2019, Seite 6-8.

„Ob sich die deutschsprachigen Bühnen um diese Show wohl gerissen haben? Den Zuschlag jedenfalls bekam das Landestheater Linz. Eine sehr gute Wahl. Das dortige Musiktheater gehört zu den schönsten Bühnen der Welt – mir ist zumindest in den USA und Großbritannien kein Haus bekannt, das dem Publikum größeren Komfort bietet und zudem über eine solche Riesenbühne (breit und tief) sowie ein Orchester in großer Besetzung verfügt. Das alles kostet natürlich Geld und das Musiktheater stand auch wegen seiner benötigten Subventionen zuletzt öfters in der Kritik. Ohne hier Partei ergreifen zu wollen, aber im Vergleich zur Broadway-Version, die ich mir kurz zuvor auf DVD angesehen hatte, steht die Linzer Produktion von der Ausstattung her mindestens ebenbürtig da – und das kostet halt. […]

Die Linzer Produktion war sicher nicht die bestgesungene, doch das Bruckner Orchester unter Tom Bitterlich spielte die Gershwin-Melodien zart eingehend – wie am Broadway hätte ich mir aber die eine oder andere Nummer etwas flotter gewünscht. Nick Winstons Regie ließ keine großen Pausen zu, seine Choreografien – vom Tanzensemble des Hauses gut umgesetzt – gehören zu den ablosuten Pluspunkten des Abends. […]

Bombastisch das Bühnenbild von Charles Quiggin, das mit Videodesign von Duncan McLean noch aufgepeppt wurde. Der Eiffelturm ist fast immer präsent, sonst wechselt ein Café innerhalb von Sekunden in ein Kaufhaus und dann zu einem Nachtclub. […]

‚Ein Amerikaner in Paris‘ ist in der Linzer Produktion ein Fest für Ohr und Auge – schön für Linz, schade für Wien, das diese Show vielleicht länger oder gar nicht zu sehen bekommt…“

Bernd Freimüller: Ein Amerikaner in Paris, Ein Fest für Ohr und Auge. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 195, Februar/März 2019, Seite 6-7.

V.l.n.r.: Ariana Schirasi-Fard (Olga), Raphaela Pekovsek, Hanna Kastner (Cabaret-Sängerin)

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Video / DVD

Literatur

Kommentar

„An American in Paris“ ist ursprüngliche eine Komposition für Orchester von George Gershwin aus dem Jahr 1928. Es war eine Auftragskomposition für die New Yorker Philharmoniker. Im Jahr 1951 diente das Orchesterwerk als Vorlage für den gleichnamigen Spielfilm von Vincente Minnelli.

Empfohlene Zitierweise

„Ein Amerikaner in Paris“ („An American in Paris“) [Linz]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/ein-amerikaner-in-paris-linz/

Letzte inhaltliche Änderung: 18. Oktober 2022.