Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Ein Engel in der Leitung (Bells Are Ringing)

Musical in zwei Akten

Musik von Jule Styne
Buch und Gesangstexte von Betty Comden und Adolph Green
Deutsche Fassung von Ralf Wolter

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 30. Dezember 1959
Städtische Bühnen (Kleines Haus im Börsensaal), Frankfurt/M., Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA29. November 1956Shubert Theatre, New York
GBEA14. November 1957Coliseum Theatre, London
DDspr. EA30. Dezember 1959Städtische Bühnen (Kleines Haus im Börsensaal), Frankfurt

Inhaltsangabe

In dem Stück geht es um das sogenannte „Fräulein vom Amt“, jene Person in der Telefonzentrale also, die einst die Verbindungen herstellte, Nachrichten weiterleitete oder die Weckaufträge entgegennahm. Sie verliebt sich in die Stimme eines immer wieder anrufenden Mannes, der sie ebenfalls nur von der Stimme her kennt. Endlich ergibt sich die Gelegenheit, ihn im wahren Leben zu begegnen – und beherzt ergreift sie die Chance. Nach heftigen Turbulenzen und Rückschlägen werden die beiden ein Paar.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Das Textbuch von Betty Comden und Adolph Green ist unterhaltend, es hat – in den hübschen Einfällen und im soliden Theaterhandwerk – sicher mehr Qualitäten als manche hierzulande gängige Operette. […] Jule Styne läßt dazu unaufdringlich eine charmante Musik einfließen, die melodisch reizvoll ist und harmonisch manche aparte Wendung bringt. Gerade das mußte freilich in Frankfurt verlorengehen, weil man statt der originalen Orchesterfassung eine dürre Bearbeitung für zwei Klaviere und Schlagzeug präsentierte.“

W. St.: Ein Engel in der Leitung. In: Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 1960.

„Vor der Pause ging es noch einigermaßen behende und lebhaft zu, aber im zweiten Teil zog’s sich hin und schrie nach dem Rotstift. Edward Magnum, der Regie führte, versuchte zwar die notwendige Klick-Klack, drückte zuerst aufs Tempo und hielt, wo es angebracht ist, die schön-sentimentalen Fermaten der Soli. Doch später verfiel auch die Regie in den Operetten-Klamauk, den das Musical gerade nicht will. Schwer hatte er es mit den Akteuren; Singen, Tanzen und Spielen zugleich, das kann hierzulande fast niemand.

[…] Schade; das Musical ist eine schöne Kunstgattung. Das Publikum war nachsichtig-freundlich gestimmt und gab dem zahlreichen Ensemble seinen dankbaren Beifall. Mit den Akteuren verbeugte sich auch die Mit-Autorin Betty Comden mit viel Grazie.“

S.-F.: Verstopftes Musical. „Ein Engel in der Leitung“ in Frankfurt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Januar 1960.

„Eine Ode von Keats läßt sich leichter übersetzen als ein guter Limerick. Sophokles erschüttert uns, während wir bei Aristophanes erst die Anmerkungen nachlesen müssen, um zu lachen. Der Witz ist das empfindlichste Gewächs des Geistes. Er verträgt schlecht die Verpflanzung in ein fremdes Lebens- und Sprachklima. Es gibt Späße, über die man in New York schmunzelt, in Paris sich entsetzt und in Berlin einschläft.

Das fällt einem ein, wenn ein amerikanisches Musical in einem deutschen Theater aufgeführt wird. Die Heldin zeigt ihre Beine, der Held läßt seinen Bariton ertönen, die gesamte Tanzgruppe springt über die Bühne – und der Zuschauer wartet mit wachsender Verlegenheit aufs Ende. Dabei sind deutsche Beine und Stimmen nicht häßlicher als amerikanische (die Tanzgruppen freilich – das ist ein weites Feld). Woran liegt es nur, daß die Intrige so läppisch scheint, die Pointen abgedroschen, die Musik glanzlos, das Spiel unnatürlich? Das Stück wurde tausend- bis zweitausendmal am Broadway beklatscht, Noten und Schallplatten erreichten Millionenauflagen, die beiden Stars wurden für die Filmfassung mit Traumgagen nach Hollywood verpflichtet, und einer der beiden Komponisten aß sich an Hummer und Kaviar tot. Das alles können Theaterverlag und Intendantur vor der Aufführung schwarz auf weiß nachweisen, und dennoch wird sie zum kostspieligen Mißerfolg. […]

Wäre es nicht richtiger, solche Stücke gründlich auf deutsche Verhältnisse umzuschreiben, statt sie auch weiterhin von privaten Telefonauftragsdiensten und illegalen Buchmacherringen handeln zu lassen, die es hierzulande nie gegeben hat? Oder könnten sich nicht zwei Leute wie etwa der mit surrealistischen Wassern gewaschene Satiriker Wolfgang Hildesheimer und der skurrile Chansondichter Georg Kreisler einmal zusammensetzen, um ein deutsches Musical zu verfassen? Selbst auf die Gefahr hin, daß ihr Werk nicht ins Amerikanische übersetzt und am Broadway die dortige Zuschauerschaft langweilen wird?“

Ivan Nagel: Musicalische Importfragen, „Ein Engel in der Leitung“ an Frankfurts Bühnen erstaufgeführt. In: Deutsche Zeitung, Stuttgart, 4. Januar 1960.

Medien / Publikationen

Audio-/Video-Aufnahmen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Ein Engel in der Leitung“ („Bells Are Ringing“). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/ein-engel-in-der-leitung/

Letzte inhaltliche Änderung: 20. Juni 2021.