Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Ein Hauch von Venus (One Touch of Venus)

Musical Comedy in 2 Akten

Musik von Kurt Weill
Buch von S. J. Perelman und Ogden Nash
nach „The Tinted Venus“ von F. Anstey
Liedtexte von Ogden Nash
Übersetzung ins Deutsche und Bearbeitung von Roman Hinze

Inszenierung

Österreichische Erstaufführung: 17. Dezember 2022
Oper, Graz, Österreich

Besetzung:  

Ivan Orescanin (Whitelaw Savory) und Ballett-Ensemble.

Premierenchronik

USAUA7. Oktober 1943Imperial Theatre, New York
SEA26. Dezember 1947Arbisteatern, Norrköping
DKEA28. Januar 1948Glassalen (Tivoli), Kopenhagen
DDspr. EA24. Juni 1994Südthüringisches Staatstheater, Meiningen
AEA17. Dezember 2022Oper Graz

Inhaltsangabe

„Der Kunstsammler Whitelaw Savory erwirbt eine Venus-Statue, sein Frisör Rodney Hatch steckt dieser einen Verlobungsring an den Finger und die Statue erwacht als Göttin Venus zum Leben. Venus setzt nun alles daran, Rodney für sich zu gewinnen, doch dieser ist bereits verlobt. Die Verlobte wird von der liebestollen Venus kurzerhand auf den Nordpol verbannt, was jedoch dazu führt, dass Rodney unter Mordverdacht steht und ins Gefängnis kommt. Venus befreit ihn, lässt die verschwundene Frau wieder auftauchen und eigentlich könnte sie nun mit Rodney ein gemeinsames Leben beginnen, wenn ihr nicht doch plötzlich vor einem spießigen Leben als Stepfordwife grausen würde und sie in den Olymp zurückkehrt.“

(Isabella Steppan: Weit entfernt von Broadwayglamour: Ein Hauch von Venus in Graz. In: Bachtrack – Die Seite für klassische Musik, 19. Dezember 2022, [https://bachtrack.com/de_DE/kritik-weill-ein-hauch-von-venus-fuchsberger-merkel-oper-graz-dezember-2022], aufgerufen 9. Februar 2024)

Dionne Wudu (Venus) und Christof Messner (Rodney Hatch)

Kritiken

„In Graz ist nun die höflich beklatschte österreichische Erstaufführung des Werks zu sehen. Um ein durchschlagender Erfolg zu werden, fehlt es der Produktion nicht an guten Darstellern, aber an einem stringenten Regiekonzept. Zu viele mehr oder weniger originelle Einfälle von Magdalena Fuchsberger verderben hier den Brei. Da spielt das Kriegsjahr 1943 eine optisch zu dominante Rolle, da verwandelt sich der amerikanische Friseur Rodney Hatch plötzlich in einen orthodoxen Juden, da wird eine Vielzahl an Klischees aneinandergereiht. Die ohnehin simple Geschichte der Göttin Venus, deren Statue durch den Friseur zum Leben erweckt wird, und die sich darauf in den biederen Langweiler verliebt, sich aber doch lieber wieder in eine Statue verwandelt, als er vom biederen Vorstadtleben schwärmt, bleibt auf der Strecke. Da kommen keine Gefühle über die Rampe, und selbst die – in deutscher Sprache gesungenen – Welthits zünden nicht wirklich.

[…] Was hingegen überzeugt, ist die musikalische Umsetzung durch Marcus Merkel und die Grazer Philharmoniker. Mit Tempo fegen sie durch die Partitur, zeigen aber auch die vielen Nuancen, die Weill in sein Werk eingearbeitet hat. Dazu kommt Dionne Wudu als Venus, die stimmlich und darstellerisch alles überstrahlt.“

Michaela Reichart: Musical-Premiere: Ein nur leichter Hauch von Venus an der Oper Graz. In: Kronenzeitung, 18. Dezember 2022.

„Roman Hinze liefert immer zumindest solide Übersetzungen ab, doch Ogden Nashs Vorlagen ließen ihn offenbar auch bei den Songs nicht erblühen. In zwei verschiedenen Songs verwendet er Fred Astaire, in zwei weiteren Coca-Cola – das muss an einem Abend nicht sein. Bei der Deutschland-Premiere im Jahre 1994 in Meiningen war noch Richard Weihe für die Übersetzungen zuständig.

 […] Die Grazer Aufführung blieb zwischen Traumwelt und Vierziger-Jahre-Realismus stecken, der das Publikum am ehesten noch bei der einzigen Up-Tempo-Nummer. ‚New Jersey liegt im Westen‘, aus seiner Lethargie riss. […] Mit ‚Ein Hauch von Venus‘ widmet sich die Oper Graz einem Werk von Kurt Weill, an das sich über Jahre nur wenige Bühnen herantrauten. Ich verstehe nach diesem Abend auch die Vorbehalte und würde dieses Stück eher für eine Konzert- als eine Vollversion empfehlen. Weills breites Musikspektrum ist sicher hörenswert, doch ob das Perelman/Nash-Buch wirklich einer Wiederbelebung bedurfte, kann getrost diskutiert werden…“

Bernd Freimüller: Ein Hauch von Venus. Österreichische Erstaufführung mit fast 80 Jahren Verspätung. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 217, Februar/März 2023, Seite 4-5.

„Die Himmelfahrt der Venus in einer Muschel à la Botticelli gehört zu den besser gelungenen Einfällen der Regie, kann aber die vielen Mängel dieser Inszenierung nicht vergessen machen. Das beginnt schon damit, wie die dramaturgisch wichtige Initial-Szene mit der Erweckung der Statue gelöst wird. Die Statue selbst bekommt man nie zu Gesicht. Nur ihre marmorweißen Finger ragen aus der Transportkiste hervor. Nachdem der Ring über einen Finger übergestreift worden ist, findet sich die Venus als eher unauffällig dunkelblaugrün gekleidete Dame auf der Bühne ein, während die Finger weiterhin aus der Kiste winken. Die Chance, die unter Donner und Blitz erfolgte Verwandlung und Erweckung effektvoll auszuspielen, ist damit vertan und verkümmert zu einem belanglosen Episödchen. Stattdessen konzentriert Magdalena Fuchsberger sich darauf, die innere Welt, Seelenlandschaft des Herrn Friseurs namens Rodney gedankenschwer auf die Bühne zu bringen. 

[…] Ein weiterer Fokus der Regie speist sich aus der Erkenntnis, dass das Musical 1943, also mitten im Zweiten Weltkrieg, zur Uraufführung gebracht worden war. Das muss doch Spuren im Werk hinterlassen haben. Die Metallkonstruktion wird daher flugs zu einer Rüstungsfabrik umgedeutet, ‚wo Frauen für den Krieg arbeiten‘ (Biegler). Die in Trümmern liegende Venus ist dann auch ‚eine Art Kriegslandschaft in Rodneys Traum‘, und die Arbeit an den ‚Venusteilen‘ macht diese zu einem ‚Teil der Kriegsmaschinerie‘ und zu ‚Waffen der Frau‘. Davon hatten Weill, Nash und Perelman, die in erster Linie auf einem geistreichen, hohen Niveau unterhalten wollten, wohl kaum eine Ahnung. Erst das Grazer Regieteam hat die metapyhsische Grundierung ihrer künstlerischen Zusammenarbeit entdeckt und auf die Bühne gebracht. Dass die lächerlichen Figuren, die, als Panzer, Bazookas und Bomben verkleidet, herumstolzieren und auch ein peinliches Kriegsballett aufführen (Choreographie Alexander Novikov), ist in Zeiten, in denen 400 km von Graz entfernt tatsächlich ein grausamer Krieg zum Alltag geworden ist, einfach peinlich.“

Manfred A. Schmid: Graz: „One touch of Venus“, Kurt Weill. In: Der Opernfreund . Deutschlands ältestes privates Opernmagazin, 30. Dezember 2022, [https://deropernfreund.de/oper-graz/graz-one-touch-of-venus-graz/], aufgerufen 9. Februar 2024.

Ivan Orescanin (Whitelaw Savory) und Ensemble.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

Die schwedische Erstaufführung war zugleich die europäische Erstaufführung.

Der US-Film „One Touch of Venus“ von 1948 ist eine freie Adaption des Bühnenwerks.

Die Veröffentlichung der Toneinspielung von 1943 erfolgte im Jahr darauf auf fünf Schellack-Schallplatten. Die Vinyl-Langspielplatte war technisch noch nicht entwickelt. Sämtliche Songs wurden von den beiden Hauptdarstellern Mary Martin und Kenny Baker eingesungen.

Empfohlene Zitierweise

„Ein Hauch von Venus (One Touch of Venus)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/ein-hauch-von-venus/

Letzte inhaltliche Änderung: 9. Februar 2024.