Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Elisabeth [Wien]

Musical

Musik von Sylvester Levay
Buch und Gesangstexte von Michael Kunze

Inszenierung

Uraufführung: 3. September 1992
Theater an der Wien, Wien, Österreich

Besetzung:  

Premierenchronik

AUA3. September 1992Theater an der Wien, Wien
JEA16. Februar 1996Takarazuka Grand Theater, Takarazuka
HUNEA6. Oktober 1996Operett Színház, Budapest
SEA30. September 1999Musikteatern i Vármland, Karlstad
NLEA21. November 1999Fortis Circus Theatre, Scheveningen
DEA22. März 2001Colosseum Theater, Essen
IEA6. Juni 2004Miramare Castle, Triest
FINEA23. September 2005Turun Kaupunginteatteri, Turku
CHEA19. Juli 2006Thunerseespiele, Thun
BEA23. März 2009Stadsschouwburg, Antwerpen
ROKEA9. Februar 2012Samsung Electronic Hall, Seoul
CNEA12. Dezember 2014Culture Square Theatre, Shanghai
CZEA30. November 2019J.K. Tyl Theater, Pilsen
LTEA25. Februar 2022Muzikinis Teatras, Kaunas

Inhaltsangabe

„Elisabeths Leben begann als romantisches Märchen und endete mit einem tragischen Mord. Als junges Mädchen von strahlender Schönheit besteigt sie mit 16 den österreichischen Thron. Statt ihre Schwester Helene, die dafür ausersehen war, wählt Kaiser Franz Joseph sie zur Frau. Ihrer Lebensfreude, Unbeschwertheit und Jungendlichkeit kann er nicht widerstehen. Doch schon bald nach der feierlichen Hochzeit ziehen erste dunkle Schatten auf. Am Wiener Hof herrschen strenge Regeln. Entbehrungen und Machtkämpfe machen der jungen Elisabeth das Leben zur Qual. Ihre strenge Schwiegermutter Erzherzogin Sophie wacht unerbittlich über sie und pocht auf die Einhaltung des starren Protokolls. Gefangen in höfischen Konventionen und einem Rollenbild, das ihr nicht entspricht, kämpft Elisabeth mit aller Kraft um ihre Freiheit und ihr persönliches Glück. Auch ihr Mann, seinen Pflichten unterworfen und der herrschsüchtigen Mutter ausgeliefert, kann ihr dabei nicht zur Seite stehen. Kaum noch hält es sie am Wiener Hof, ihre Zerrissenheit treibt sie von Ort zu Ort. Rastlos reist sie durch Europa, für niemanden erreichbar, weder für ihren Sohn noch ihren Mann. Sie verliert sich in ihrer eigenen Welt, stets begleitet von einer mysteriösen Macht – dem Tod. 
Nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf erkennt Elisabeth ihr verfehltes Leben und sehnt nun selbst den Tod herbei. Sie zieht sich nach Korfu zurück, dichtet und schreibt Tagebuch, während in Wien Nationalismus und Völkerhass mehr und mehr die Oberhand gewinnen. Kaiser Franz Joseph kann diese Kräfte nicht mehr steuern und steht auch seinem Nebenbuhler, dem allgewaltigen Tod, hilflos gegenüber.
Das Attentat des italienischen Anarchisten Luigi Lucheni am Ufer des Genfer Sees führt die ‚Liebenden‘ zusammen. Elisabeths Kämpfen und Sehnen endet in einer leidenschaftlichen Umarmung mit dem Tod. Eine Epoche versinkt, eine neue Zeit beginnt.“

(aus: Homepage der Vereinigten Bühnen Wien, aufgerufen 16. August 2021)

Kritiken

„Was für ein Stoff: Kaiserin Elisabeth auf der einen, der personifizierte Tod auf der anderen Seite – eine ideale Kombination für einen Theaterabend so recht nach dem Geschmack der Wiener, denen ja eine Affinität zum Tod nachgesagt wird. Und bei den alljährlich in die österreichische Metropole strömenden Touristen ist der Sissy-Mythos ja allemal gut zu vermarkten. […]

Daß Librettist Michael Kunze (u.a. Übersetzer der Musicals ‚Cats‘, ‚Evita‘, ‚Phantom der Oper‘, ‚Into The Woods‘, ‚Follies‘, ‚Der kleine Horrorladen‘) das aus Ernst Marischkas Sissi-Filmen der 50er Jahre sattsam bekannte klischeehaft liebliche Bild der legendären Kaiserin Elisabeth nicht übernehmen wollte, sondern nahe an der historischen Realität dieser schwierigen Persönlichkeit bleibt, ist interessant und macht darüberhinaus ein breites Publikum mit bisher eher unbekannten Seiten Elisabeths bekannt: Egozentrisch, sich dem Schönheitswahn und ihrer Todessehnsucht – ihre Gedichte belegen das – hingebend; auch das war Kaiserin Elisabeth. Damit kratzt Kunze gewaltig am Lack des Sissi-Kitsches. […]

Sechs Jahre wurde an ‚Elisabeth‘ gearbeitet. Den ursprünglich am Projekt beteiligten Komponisten Dario Farina (Rondo Veneziano) ersetzte später Sylvester Levay, der 1975 zusammen mit Kunze Hits wie ‚Fly, Robin, Fly‘ schrieb und inzwischen in Hollywood erfolgreich als Filmkomponist arbeitet. Für ‚Elisabeth‘ hat der in Ungarn geborene Levay eine Mixtur aus Rock, Pop, Jazz und Klassik mit immer wiederkehrenden Motiven serviert.“

G. Knopf: Elisabeth, Eine musicalische „Habsburger-Renaissance“. In: Musicals, Das Musicalmagazin, Heft 37, Oktober/November 1992, Seite 4-9.

„Läßt man diese Bildungs-Latte einmal außer acht – und es spricht für das Stück, daß man sie schnell vergißt -, dann ist die ‚Elisabeth‘ eine Sternstunde des modernen Musicals. 

Weck ist zweierlei gelungen: Einmal, ein typisches Wiener Thema auf der Bühne umzusetzen, zum anderen, eine schlagende Antwort auf die derzeit gängigen Lloyd-Webberschen Fastfood-Produktionen zu finden. […]

Opernregisseur Harry Kupfer muß großen Spaß an der ungewohnten Freud‘ gehabt haben – seine Personenführung wie auch sie Ensembleszenen sind intelligent, schlüssig und von gewohnter Dichte.“

? : In: Hamburger Abendblatt, 5./6. September 1992. Zitiert nach: Musicals, Das Musicalmagazin, Heft 37, Oktober/November 1992, Seite 6.

„So wohltuend diese entkitschte, der Realität entsprechende Zeichnung der Kaiserin ist, so sehr enttäuscht die Klischeehaftigkeit, mit der wieder einmal Franz Joseph und seine Mutter wiedergegeben werden, wie auch die Banalität der Liedtexte. Slyvester Levay als Hollywood-erprobter Routinier weiß natürlich genau, welchen Sound man heutzutage in der Unterhaltungsbranche hören will. Genauso klingt diese Musik, nicht schlechter, aber auch nicht besser als vergleichbare Kommerzprodukte. […] Das alles hätte vermutlich für einen mittleren Erfolg gereicht, hätte sich nicht Harry Kupfer der Sache angenommen. […] Kupfers blitzgescheite Bezüglichkeiten […] ziehen einen von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann.“

? : In: Oberösterreichische Nachrichten, Linz, 5. September 1992. Zitiert nach: Musicals, Das Musicalmagazin, Heft 37, Oktober/November 1992, Seite 6.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Elisabeth“ [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/elisabeth-wien/

Letzte inhaltliche Änderung: 21. Februar 2024.