Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Evita [Wien]

Musical

Musik von Andrew Lloyd Webber
Text von Tim Rice
Deutsche Übersetzung von Michael Kunze

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 20. Januar 1981 
Theater an der Wien, Wien, Österreich

Besetzung:  

Premierenchronik

GBUA21. Juni 1978Prince Edward Theatre, London
USAEA25. September 1979Broadway Theatre, New York
ADspr. EA20. Januar 1981Theater an der Wien, Wien
DEA10. September 1982Theater des Westens, Berlin
DDREA28. Mai 1987Staatsoperette, Dresden

Inhaltsangabe

„Das Musical basiert auf der Biografie von Eva Perón, vom Volk liebevoll ‚Evita‘ genannt. Die Geschichte handelt von ihrem gesellschaftlichen und politischen Aufstieg, vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse in Argentinien zwischen 1934 und 1952. Che, ein junger Mann, führt als Erzähler und Kommentator durch die Geschichte. Die selbst aus einfachen Verhältnissen stammende Evita, bereits zu Lebzeiten von den ‚Descamisados‘, den ‚Hemdlosen‘, wie eine Heilige verehrt, wird von den Bürgerlichen und Intellektuellen verachtet. Ihren Weg nach ganz oben säumen etliche Liebhaber bis sie schließlich auf den Militärattaché Perón trifft. Sie unterstützt ihn tatkräftig bei seinen Aufstiegsplänen zum Präsidenten und wird selbst zur First Lady.

Eva Perón lebt glamourös ihren Traum von Luxus. Ihr Gespür und Geschick öffentlichkeitswirksam ihre Sympathie für die Armen und Unterdrückten zu demonstrieren, macht sie dennoch zur Hoffnungsträgerin und zum Idol für ein ganzes Volk. Trotzdem die sozialen und wirtschaftlichen Spannungen im Land steigen und die Stimmen gegen sie lauter werden, verwandelt sie die drohende Niederlage in einen Triumph.

(Quelle: musicalvienna.at)

Kritiken

„Nach der Uraufführung in London 1978, nach weiteren Aufführungen dann in Amerika, Australien und Spanien hat das Erfolgsmusical nun Einzug in den deutschen Sprachraum gehalten. Ein Grund zur Freude?

Da ist zuerst die Frage, ob die hier angewandte Form überhaupt für diesen Stoff vom Glanz und Elend der peronistischen Diktatur taugt. Einerseits zeigt sich das Stück nämlich als äußerst geistreich gemacht – sieht man einmal von der sensationsheischenden Verwendung Che Guevaras als Kommentator und alter ego Evitas ab –, andererseits gibt es sich als ekelerregendes Konsum- und Kommerzstück zu erkennen, das auch problemlos verdaut wird. Dieser Vorwurf gilt hauptsächlich der Musik; denn was der Komponist Andrew Lloyd Webber da geschrieben hat, ist eine einlullende Hitparadenmusik par excellence.

Da fällt denn auch kaum ins Gewicht, daß ihre Struktur dem Musical bislang fremd war: das Stück ist durch-komponiert, reine Dialogteile bleiben ausgespart, die schematische Aneinanderreihung einzelner Hitkompositionen ist vermieden; das Publikum wird vielmehr in einen – freilich intelligent gewebten – Klangteppich eingewickelt, der eine Vielzahl an Leitmotiven ausspielt, verarbeitet und entwickelt. Gleichwohl kristallisieren sich des öfteren schon recht hitparadenträchtige Klanggefüge heraus. Gutes Handwerk also, gewiß nicht unbedacht als anspruchslos abzutun, wenn man es mit anderen Musicals vergleicht.

Und doch hat die Komposition platte Züge, wendet man auch nur einen Gedanken an den Stoff, der damit auf die Bühne gebracht wird. Gerade bei der Behandlung des peronistischen ‚justicialiswo‘ wäre der Bruch zwischen Musik und Text ein wichtiger Faktor der Erläuterung gewesen, hätte Ecken und Kanten entstehen lassen und störende, im besten Sinne verstörende Momente bewirkt; so aber entkommt das Publikum dem Wohlklang nicht, findet kaum Gelegenheit zur Reflexion des Geschehens, Das soll nicht heißen, hier werde die peronistische Diktatur verherrlicht, nein, schlimmer noch: Sie wird, in mundgerechten Stückchen ästhetisch dargereicht, verharmlost.

[…] Freilich offenbart die Aufführung ein altes Übel: den Mangel an deutschsprachigen Talenten, deren Fähigkeiten sich nicht auf das Spielen beschrankte, sondern auch Tanz und Gesang einschlössen. So bringt denn Reinhard Glemnitz einen gemütlichen, wenig überzeugenden Peron auf die Bühne. Isabel Weickens Eva glaubt man die Machtgier und den Hunger auf die bedingungslose Liebe ihres Volkes nicht recht. Alexander Goebels läßt als Che Guevara auch Wünsche offen, seine Stimme klingt ein wenig hölzern. Trotz aller Einschränkungen ist das eine spannende Theaterarbeit, thematisch ein Ereignis größter Fraglichkeit.“

Jan Peter Gehrekens: Keiner entkommt dem Wohlklang. In: Die Zeit, 13. Februar 1981.

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Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Evita“ [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/evita-wien/

Letzte inhaltliche Änderung: 20. Oktober 2024.