Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Gespenst von Canterville [Stralsund]

Musical nach der Erzählung von Oscar Wilde

Musik von Marc Berry
Text von Michael Korth

Inszenierung

Uraufführung: 31. August 1996 
Theater Vorpommern, Stralsund, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA31. August 1996Theater Vorpommern, Stralsund

Inhaltsangabe

Allseits bekannt Geschichte nach der Erzählung des Briten Oscar Wilde, in der der seit 300 Jahre tote Sir Simon von Canterville als Gespenst in seinem eigenen Schloß spukt, bis ihn das Mitleid einer jungen Amerikanerin namens Virginia, die mit ihrer zum Teil nervenden Familie nach Old England gekommen ist, um just in jenem Schloß zu wohnen, welches von den Nachfahren des Gespensts verwaltet wird, von seinem Spuk erlöst.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Das Ganze erinnert nicht nur streckenweise an Andrew Lloyd Webbers ‚Phantom der Oper‘, sondern dessen Prägekraft erstreckt sich auch auf einige Bildfindungen und musikalische Einfälle (was kein Nachteil ist). […] In einer Auftragsproduktion des Theaters Vorpommern haben der Autor Michael Korth und der Komponist Marc Berry den Stoff jetzt zum Musical umgeformt, dessen Uraufführung am 31. August 1996 im Theater Stralsund vom Publikum heftig beklatscht wurde.

In der Tat hat der Intendant Florian Zipf eine achtbare Inszenierung auf die Bühne gebracht, mit einem richtigen Gefühl fürs Timing, und der stimmlich durchweg passenden Besetzung der Rollen. Ihre Grenzen findet die Produktion jedoch in den Zwängen und Möglichkeiten eines Mehrspartenbetriebes. […] Auch das Textbuch scheint nicht ganz fertig geworden zu sein, denn selbst die Hauptfiguren sind in ihren zentralen Beweggründen nur unzureichend motiviert (Virginias Mitleid etwa oder Sir Simons Eifersucht). Die Musik hingegen, die vom Philharmonischen Orchester Vorpommern unter der Leitung von Thomas Schmittenbecher mit gutem Gespür für die lyrisch-effektvollen Partien gespielt wurde, kann sich durchwegs hören lassen; sie ist gefühlvoll und schlagerhaft, weiß aber auch die gespenstisch-komischen Momente (für die insbesondere der überzeugende Jörg Simon als Gespenst zuständig war) sicher zu bedienen.“

Wolfgang Jansen: Das Gespenst von Canterville. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 61, Oktober/November 1996, Seite 19-20.

„Der Intendant höchstselbst ließ sich die Inszenierung angelegen sein und konnte das Ganze zustimmendem Pfeifkonzert und stürmischem Beifall zufolge, als dicken Erfolg verbuchen. […] Beide Autoren bevorzugen den direkten Weg. Sie setzen auf Klarheit und Eindeutigkeit und veranlassem zu flottem Tempo. Insofern lebt das Stück wesentlich von einer kontrastreichen, kurzweiligen Szenenfolge und damit von der Andereinanderreihung charakteristischer Bilder, die locker den handlungsfaden markieren. Ganz entscheiden ist dabei natürlich die Musik, und sie ist es auch, die em Stück dauerhafteren Erfolg sichern dürfte. Marc Berrys Vorbilder sind zwar erkennbar (Bernstein, Webber), aber seine musikalische Sprache besitzt erfreulich viel Eigenes, übrigens auch dort, wo (legal) mit gewisssen ‚Songs‘ und Ensembles bewußt ganz bestimmte (erfolgreiche) ‚Muster‘ bedient werden.“

Ekkehard Ochs: Viel Spaß und etwas Mitgefühl. Musical in Stralsund uraufgeführt. In: Ostsee-Zeitung, Stralsund, Kultur, 2. September 1996.

„Very british geht es dabei auf den Brettern zu. Durch geschickte Einfälle der Bühnenbildnerin Ingeborg Bernerth verändert sich die Kulisse beinah ständig: einmal werden altertümliche Fassaden hereingerollt, in denen Sir Simon spukt, dann gibt es eine düstere Empfangshalle mit wurmstichigem Mobiliar. Irgendwie wirkt das Ganze wie eine nicht ungeschickte Mischung aus dem Hollywood-Streifen „He, Geister“ und den 60-Jahre-Hits mit Peter Alexander als Graf Bobby.

[…] Musikalisch gesehen ist das neue Musical des Wiener Marc Berry (wirkte mit bei Bernsteins „Mass“ und der Musical-Operette „Sissy und Romy“) keine große Attraktion.“

Kerstin Klim: Ein Gespenst hat genug vom Gruseln. Stralsunder-Musical-Uraufführung gefeiert. In: Nordkurier, Feuilleton, 2. September 1996.

Medien / Publikationen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Gespenst von Canterville“ [Stralsund]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/gespenst-von-canterville-stralsund/

Letzte inhaltliche Änderung: 17. Januar 2022.