Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Gypsy [Münster]

Musical

Musik von Jule Styne
Buch von Arthur Laurents
Songs von Stephen Sondheim
nach den Memoiren von Gypsy Rose Lee
Deutsche Übersetzung von Renate Axt
Deutsche Songtexte von Walter Brandin

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 9. März 1979
Städtische Bühnen, Münster, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Hollywood-Schätzchen:

Premierenchronik

USAUA21. Mai 1959Broadway Theatre, New York
GBEA29. Mai 1973Piccadilly Theatre, London
DDspr. EA9. März 1979 Städtische Bühnen, Münster
AEA13. Mai 2000Tiroler Landestheater, Innsbruck

Inhaltsangabe

Rose, Mutter von Louise und June, ist eine richtige „Stage-Mother“, die ihre Töchter unbedingt auf der Bühne sehen will. Ihr, die es selbst nicht zur Bühne geschafft hat, ist dazu jedes Mittel recht. Doch als Baby June, der Kinderrolle längst entwachsen, sich mit einem anderen jungen Bühnendarsteller auf und davon macht, lenkt Rose ihr Augenmerk auf die bisher eher vernachlässigte Louise. Herbie, Manager von Louise und der gerne Ehemann von Rose sein möchte, verlässt irgendwann das Gespann, weil die Bühnenmutter keine Einmischung duldet. Louise landet als Striptease-Tänzerin zuerst in einem billigen Burlesque-Theater, letztendlich jedoch als neuer Star am Bühnenhimmel im berühmten „Minsky“-Theater. Rose bleibt allein zurück.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Tatjana Iwanow spielt sie im Kavaleristengang teils mit dem umwerfenden Temperament einer hemmungslos majorisierenden Mutter, teils jedoch zu aufdrínglich burschikos und oft schreiend, statt verständlich artikulierend. Sie erreicht nur einen Hauch von Tragik.

[…] Die Nummern auf insgesamt 18 Schauplätzen (ein Lob der Technik!) waren außerordentlich unterschiedlich. Großartig der Eingang, wo Regisseur Dick Price mit den wenigen zur Verfügung stehenden Tänzern schwungvoll die Bühne füllt. Anderes wirkt einfach provinziell durch die Ausführung. Lustige Kinderszenen gingen in peinlichen Dilettantismus über.

[…] Die gesamte Tanzgruppe war auch darstellerisch tätig: ein lustiges Sprachenbabel! Marianne Frehners Kostüme haben Pfiff, das Bühnenbild von Malte Marks ist recht unterschiedlich, sein goldener Bühnenrahmen glänzt für diesen Abgesang auf das Vaudeville allzu goldfrisch. Frank Graczol bringt die Musik von Jule Styne ansprechend zum Klingen, hatte bei der Premiere jedoch seine Last, das Geschehen im und überm Orchestergraben in Einklang zu bringen. Die Regie von Dick Price ist immer dann gut, wenn es um Tänzerisches geht.“

Joh. Hasenkamp: Mit Tanz garnierter Abgesang. Unbefriedigende deutsche Erstaufführung des Musicals „Gypsy“ durch Dick Price. In: Westfälische Nachrichten, 12. März 1979.

„Die Musik von Jule Styne darf während dieser Zeit die Seelenregungen der begreiflicherweise gestreßten Familie hemmungslos auskosten und die Songs von Stephen Sondheim, von Walter Brandin bedenklich simpel eingedeutscht, verleihen der manchmal zäh dahinfließenden Geschichte ein wenig Kurzweil und Farbe. Amüsement jedoch – vom Musical darf dies erwartet werden – mag sich nur spärlich einstellen.

Das lag in Münster sicherlich nicht an Dick Price, einem Allround-Man dieses Genres, der in seiner Inszenierung das Ensemble zu ein paar staunenswerten Taten animieren konnte. Freilich zeigt sich hier auch, daß unsere Musical- Darsteller nur Tanzen, nur Singen oder nur Spielen können. Zusammen aber will’s selten klappen. Obwohl dies fürs Musical eigentlich unabdingbar ist.“

Joahnnes K. Clauber: Aus „Gypsy“ ist hier kein Star zu machen. Deutsche Erstaufführung eines US-Musicals in Münster. In. Neue Rhein Zeitung, 12. März 1979.

„Er garniert die dünnblütige Handlung, die weniger die Stripperin Gypsy, als deren karriereverblendete Mutter in den Vordergrund stellt, mit Show-Zutaten: immer  wieder sprengen Step- und Tanzintermezzi die zum Teil erschütternde Familienchronik, fangen harmlose Ballettarrangemens den bemühten Versuch auf, menschliche Psychogramme und den sozialen und künstlerischen Abstieg des amerikanischen Unterhaltungstheaters vom Vaudeville-Amüsement über Talmi-Artistik bis hin zum ordinären Auszieh-Spektakel beispielhaft anzureißen.

Das fügt sich nicht immer zwingend zusammen – und Price scheint auf die tragische Seite der Story auch weniger Wert zu legen. Ihm geht es um Broadway-Temperament: um zuckriges Glamour-Milieu zwischen Schminktisch und Schmiere, zwischen Klamauk und Künstlichkeit der Gefühle.“

Hans-Jörg Loskill: Show allein tut’s nicht. Münster: Styne/Laurents Musical „Gypsy“ erstaufgeführt. In: Westdeutsche Allgemeine, 12. März 1979.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Empfohlene Zitierweise

„Gypsy“ [Münster]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/gypsy-muenster/

Letzte inhaltliche Änderung: 24. Juli 2023.