Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Kaschtanka (Dogs)

Musical nach Anton Tschechow

Musik von Alexei Schelegin
Text von Tatjana Stepantchenko
Idee von Oleg Kudriaschow
Gesangstexte von Alexei Litwin
Deutsche Übersetzung (Dialoge) von Hilda Paul und (Gesangstexte) von Tina Delavre & Elena Gram

Inszenierung

Uraufführung: 10. August 1996 
Bühne beim Theatersommer, Weilheim, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA10. August 1996Sommertheater, Weilheim

Inhaltsangabe

„Kaschtanka ist die Geschichte einer kleinen, kastanienfarbigen Hündin, einer „Promenadenmischung“. Luka, ihr Herrchen, nimmt sie mit auf eine Sauftour, wo sie im Schneegestöber verloren geht. Sie landet vor der Tür von Monsieur George, der sie in sein Haus nimmt. M. George, der einmal früher bessere Tage gesehen hat, lebt in einer Wohngemeinschaft mit dem Kater Fiodor, dem Gänserich Iwan und dem Warzenschwein Chawronija, einer früheren Operndiva. Mit dieser Truppe tritt M. George im Zirkus auf, deshalb werden mehr oder weniger erfolgreiche Proben abgehalten. Zwischendurch kann Kaschtanka sich so richtig satt essen, und sie träumt lebhafte Träume. Leider stirbt Iwan, der Gänserich, der eine zarte Zuneigung zu Kaschtanka gefaßt hatte. M. George und seine Tiere trauern, doch das Leben geht weiter, die Premiere muß stattfinden. Bei ihrem Auftritt entdeckt Kaschtanka Luka, ihr altes Herrchen.“

(Aus dem Programmheft zur UA, 1996)

Kritiken

„Zwar setzt die 32-jährige Russin Tatjana Stepantchenko die Uraufführung ihrer Tschechow-Dramatisierung mit Musik von Alexeij Schelegin und sich selbst in der Titelrolle handwerklich geschickt und mit hübschen Einfällen in Szene, doch die Bearbeitung krankt an russisch-epischer Melancholie.

[…] Für die menschelnden Tiere fand Regisseurin Tatjana Stepantchenko überzeugende Darsteller und Charakterisierungen ohne allzugroße animalische Anleihen: ihre Kaschtanka ist so zerbrechlich wie zäh, ein verschrecktes aber wehrhaftes Straßengör, das im Rampenlicht aufblüht.

[…] Ein siebenköpfiger Hundechor sorgt für schmissige Tanzeinlagen (Choreographie Sven Sören Beyer), Umbauten und Traumsequenzen. Er ersetzt allerdings nicht die fehlende Dramaturgie: In epischer Breite reihen sich die Situationen unverbunden aneinander, die Dialoge plätschern langweilig, die Szenen haben keine dramatische Spannung. Leise rieselt der Schnee auf Uwe Niesigs sparsam-atmosphärischer Bühne, und ebenso leise geht der Aufführung nach einem komödiantischen Aufschwung am Ende die Luft aus.“

Gabriella Lorenz: Wenn Hunde und Katzen menscheln. Musical ‚Kaschtanka‘ beim Weilheimer Theatersommer. In: az Abendzeitung, 13. August 1996.

„Eine wesentliche Hürde hat das Duo bei der Stoffwahl außer acht gelassen: Wenn in einem Musical Menschen Tiere darstellen sollen, reicht es nicht, den Figuren menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Hunde, Katzen oder Vögel müssen zusätzlich durch die Musik, aber auch durch das Spiel und die Bewegungen der Darsteller eindeutig charakterisiert werden. Dies wurde zum Stolperstein der Weilheimer Inszenierung: Judith Pfistner ließ ihr Warzenschwein wenigsten noch durch gelegentliche Grunzer erkennen – als Running Gag wurden die allerdings zu oft bemüht. Der Rest der Menagerie animierte eher zum fröhlichen Tiereraten: Die Chor-Hunde bewegten sich in musical-typischer Basis-Choreographie, Jörg Zirnsteins Kater hätte auch einen Gockel abgegeben; die Identität Steven Kents mit einem Gänserich wurde nicht deutlich. Und Tatjana Stepantchenko als Kaschtanka hopste eher wie ein Kängeruh.“

Claudia Teibler: Hündin hüpft im Tierzirkus. Weilheimer Theatersommer : Musical ‚Kaschtanka‘ nach Tschechow. In: Münchner Merkur, 12. August 1996.

Medien / Publikationen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Kaschtanka (Dogs)“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/kaschtanka/

Letzte inhaltliche Änderung: 19. Februar 2022.