Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Kein Pardon

Musical

Musik von Achim Hagemann
Idee, Buch und Liedtexte von Thomas Hermanns
Basierend auf dem Film ‚Kein Pardon‘
Weitere Songs von Thomas Zaufke / Heribert Feckler

Inszenierung

Uraufführung: 12. November 2011  
Capitol Theater, Düsseldorf, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA12. November 2011Capitol Theater, Düsseldorf

Anmerkung: Die erste Inszenierung an einem Stadttheater fand 2017 an der Musikalischen Komödie Leipzig statt. In 2022 ging eine Produktion des Frank Serr Showservice Int. auf Deutschland-Tournee.

Inhaltsangabe

Peter Schlönzke lebt zusammen mit Mutter, Opa und Oma im Ruhrpott. Gemeinsam betreiben sie einen „Schnittchen-Service“. Größtes Vergnügen ist die Samstagabend-Unterhaltungssendung „Witzigkeit kennt keine Grenzen“ mit Moderator Heinz Wäscher. Auf Umwegen kommt Peter zu einem Job in dessen Show und wird der „Lustiger Glückshase“. Vorbild Wäscher entpuppt sich immer mehr als Choleriker und als Peter der Kragen platzt macht er nicht nur den Moderator runter sondern wird als Showtalent entdeckt und tritt die Nachfolge Heinz Wäschers an. Aber auch ihm steigt der Ruhm zu Kopfe und so kommt, was kommen muss – auch er muss eines Tages einem anderen Talent Platz machen.

(Klaus Baberg)

Kritiken

„Die Musik besteht aus den Ohrwürmern des Films wie ‚Witzigkeit kennt keine Grenzen‘ oder ‚Das ganze Leben ist ein Quiz‘, die auch schon Achim Hagemann komponierte, welcher für die Bühnenfassung gemeinsam mit Thomas Zaufke 15 neue Titel schrieb.

[…] Im Capitol Theater mit seiner zweiteiligen Drehbühne findet großes Musical-Theater im Set eines antiken 1960er Jahre Fernsehers statt, auch wenn die bunte Knöpfe dann doch eher in die 80er passen. Bei den beidseitig bespielbaren hohen Kulissenteilen befindet sich auf der Rückseite des Schnittchenladens, über dem Peters Zimmer liegt, das Wohnzimmer der Schlönzkes, in dem sich das Fernsehfenster zu einer wirklichen Live-Show öffnet.

[…] Aus dieser menschlichen Ruhrgebietsgeschichte bezieht das Stück jenseits des Klamauks und der Klischees die starken Momente, die es auch für Nicht-Comedy-Fans sehenswert macht – denn ‚das Leben kennt (nunmal!) kein Pardon‘!

Barbara Kern: Bissige Fernsehsatire erobert die Bühne. Uraufführung ‚Kein Pardon‘ im Düsseldorfer Capitol Theater. In: blickpunkt musical, Ausgabe 56, Nr.01/2012, Januar – März 2012, Seite 12-14.

„Thomas Hermanns, u.a. Gründer des Quatsch Comedy Clubs, hat die Persiflage auf die verrückte und ganz und gar nicht so witzige Fernsehwelt für die Musicalbühne adaptiert. Dabei blieb er sehr nah an der Vorlage. Wer den Film kennt, der wird viel daraus wieder kennen, wer ihn gut kennt, sogar Dialoge mitsprechen können. Und tatsächlich johlt das Publikum vor Vergnügen, wann immer zum Beispiel die Rede davon ist, dass Oma Schlönzke seinerzeit allein mit dem Bollerwagen losgezogen ist – nicht unwichtig, um den Kultcharakter entwickeln zu können oder zu festigen. Natürlich ist nicht  jeder Gag ein Brüller, mancher Witz ist eher platt, Klischees werden bedient, doch ein großes Verdienst von Hermanns liegt darin, dass die Charaktere in dieser Persiflage auch auf der Musicalbühne zugespitzt und überzeichnet rüberkommen, aber eben nicht wie aus einem Comic entsprungen.

[…] Im Musical ist es nun der grandiose Dirk Bach, der sowohl den Heinz Wäscher als auch die Uschi Blum umwerfend auf die Bühne bringt – zum Niederknien! Als Fernsehmoderator gibt er mit hessischem Einschlag hinreißend den Heinz Schenk, der im Film als Wäscher eine wunderbare Parodie auf sich selbst hinlegt. Bach gelingt es dabei perfekt, als nicht wirklich gewinnender Showmaster immer noch ausreichend sympathisch zu wirken. Wenn er als gefeuerter Moderator nochmals die Stationen seiner Karriere Revue passieren lässt und schließlich Visitenkarten verteilend durch den Zuschauerraum abgeht, ist das ganz großes Theater.“

Gerhard Knopf: Kein Pardon. ‚Witzische‘ Persiflage aufs Fernsehen und eine Hommage ans Revier. In: musicals, Das Musicalmagazin, Heft 152, Dezember 2011/Januar 2012, Seite 4-8.

„Ein bisschen ist es, als stehe Kerkeling selbst auf der mit viel Liebe zum Detail gestalteten Bühne. De Pieri sieht dem Star nicht nur ähnlich – Stimmlage, Gestik und Frisur, selbst Timing und Betonung der Gags stimmen mit dem Film überein. Überhaupt lässt das Musical kaum einen der berühmten Momente der Vorlage aus: Die kleine Bettina wird von ihrer Mutter zu Talentwettbewerben geschleift und weigert sich zu singen, Anneliese Becker singt ihren „Schachtelhalmalm-Jodler“. Und wenn Oma Schlönzke ihre Leichtbittermiene aufsetzt und klagt: „Mit dem Bollerwagen bin ich damals alleine losgezogen…“, ist der Szenenapplaus ein ums andere Mal garantiert.

Neu sind die 15 Songs, die Achim Hagemann eigens für das Musical komponiert hat – darunter getragene Balladen und musical-typische Gute-Laune-Fetzer. Bei „Bottrop Beach“ kommt reichlich Ruhrpott-Charme auf die Bühne: Wohl nie zuvor durften sich bei einem Musical-Song gleichzeitig eine Mutter mit Kinderwagen, eine Oma mit Rollator und ein grölender Schalke-Fan auf der Bühne versammeln. „Dat heißt nicht: Gib mich die Currywurst“, herrscht da eine Mutter ihr Kind an: „Dat heißt: Gib mich die Currywurst, BITTE!“

[…] Den Machern ist eine kurzweilige Show mit Kult-Faktor gelungen, die die Fans des Films begeistern dürfte. Und Autor Thomas Hermanns ist überzeugt, dass die Broadway-Sounds mit Ruhrpott-Texten auch die überzeugen, die die Vorlage nicht auswendig mitsprechen können. Schließlich kennt Witzigkeit ja weder Grenzen – noch Pardon.“

Nicole Lange: ‚Kein Pardon‘ hat Witz und Ruhrpott-Charme. In: Die Welt, 13. November 2011.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Empfohlene Zitierweise

„Kein Pardon“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/kein-pardon/

Letzte inhaltliche Änderung: 11. März 2022.