Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Kiss Me, Kate [Berlin]

Musikalische Komödie

Musik und Gesangstexte von Cole Porter
Buch von Bella und Samuel Spewack
Deutsche Übersetzung von Günter Neumann

Inszenierung

DDR Erstaufführung: 9. April 1965
Metropol-Theater, Berlin, DDR

Besetzung:

Premierenchronik

USAUA30. Dezember 1948New Century Theatre, New York
GBEA8. März 1951Coliseum, London
DDspr. EA27. November 1955Börsensaal, Städtische Bühnen, Frankfurt/M.
AEA14. Februar 1956Volksoper Wien / Opernhaus Graz
CHEA25. Mai 1956Stadttheater Basel
DDREA9. April 1965Metropol-Theater, Berlin

Inhaltsangabe

Das Stück geht auf die Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare zurück. In einem geradezu genialen dramaturgischen Einfall schrieben die Autoren Samuel und Bella Spewack die Geschichte dahingehend um, dass nun ein Tournee-Ensemble das Shakespeare-Stück in der amerikanischen Provinz auf die Bühne bringt, und die Hauptdarsteller Fred und Lilli, die bis vor einem Jahr noch verheiratet waren, auch hinter der Bühne jenen Streit austragen, den sie als Petruchio und Katharine während der Aufführung spielen müssen. Ein Spiel im Spiel also, bei dem beide Handlungsebenen unauflöslich miteinander verflochten sind, und alle Handlungen (backstage und onstage) das fröhliche Geschehen zwingend vorantreiben. Zufällig fällt die Tourneepremiere auf den Jahrestag ihrer Scheidung. In einer sentimentalen Anwandlung erinnern sich Fred und Lilli früherer glücklicherer Zeiten, bei der unverhofft die gegenseitige Zuneigung wieder aufflammt. Ohne sie sich selbst und dem anderen einzugestehen, beginnen sie ein streitlustiges Liebeswerben, bei dem nicht zuletzt Lilli ihre Nebenbuhlerin Lois und Fred Lillis Verlobten Harrison ausstechen müssen. Auf der Bühne führt Petruchio zum Schluss triumphierend die gebrochene Katharine wie ein gezähmtes wildes Tier vor: Folgsam erklärt sie sich einverstanden mit der weiblichen Gehorsamspflicht gegenüber dem Mann. Doch für den Zuschauer des Musicals wird Shakespeares patriarchalische Demütigung in dem Wissen aufgehoben, dass hinter der Szene, gleichsam im realen Leben, eine andere Geschichte erzählt wird.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Der im vorigen Jahr verstorbene Amerikaner Cole Porter gehört heute zu den ‚Klassikern‘ des Musicals, jener neuen Form heiteren Musiktheaters, die, von Amerika ausgehend, sich die Welt erobert hat. […]

Von Anfang bis Ende herrschte gute Laune auf der Bühne und im Zuschauerraum. Das ganze Ensemble tat sein Bestes, und Erich Großmann am Dirigentenpult ließ das Orchester Porters Musik schwungvoll und zügig spielen. Dieser musicalisierte Shakespeare wird seinen Zuschauern noch viel Spaß machen.“

Hans-Jürgen Schaefer: Schlag nach bei Shakespeare, „Kiss me, Kate“ – DDR-Erstaufführung im Metropol. In: Neues Deutschland, Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Nr. 102, 12. April 1965.

„Shakespeare als Schutzpatron der leichtesten Muse? Warum eigentlich nicht, wenn es so amüsant und spritzig geschieht wie hier! Ein launiger Einfall köstlicher Selbstironie ist es, wenn in der Metropol-Aufführung nach dem Ganovenlied ‚Schlag nach bei Shakespeare‘ über das oberhalb des Bühnenrahmens befestigte Bildnis des Dichters dicke Tränen kullern. Das Metropol-Theater hat jedenfalls keinen Aufwand gescheut, um Bella und Samuel Spewacks erfindungsreiche Variante des Shakespeare-Lustspiels so locker und fröhlich zu servieren, daß die Besucher voll auf ihre Kosten kommen.

Intendant Hans Pitra hat die Regie besorgt und war sehr darauf bedacht, dem Stil unbeschwerter, gleichsam improvisatorischer Verspieltheit Genüge zu tun. Freilich könnte die Parallelität der Sahkespeare-Handlung mit dem Musicalgeschehen noch akzentuierter herausgearbeitet werden. Die Sprechdialoge bieten bei der Größe des Zuschauerraumes die Gefahr mangelnder Verständlichkeit.“ 

H.L.: „Schlag nach bei Shakespeare“, Cole Porters Musical „Kiss me, Kate“ im Metropol-Theater. In: Neue Zeit, Zentralorgan der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands, Nr. 91, 18. April 1965. 

 „Vor allem lebt das Stück von dem Reigen beschwingter Melodien, den der im Herbst vergangenen Jahres verstorbene Cole Porter, der mit seinen Werken ‚Can-Can‘ (1953) und ‚Kiss me, Kate‘ (1948) einer der berühmtesten Schöpfer des Broadway-Musicals wurde, mit erfahrener Hand und attraktiven Einfällen hingezaubert hat. Porters ansprechend arrangierte Musik ist eine internationale Intonations-Mischung, in der erstaunlich wenig typisch amerikanische Wendungen zu hören sind. Doch befindet sich unter den Nummern zu ‚Kiss me, Kate‘ so mancher Schlager, wie beispielsweise Katharinas Chanson ‚Kampf dem Mann‘ oder der Haupttreffer des Stückes, das Lied der beiden Ganoven ‚Schlag nach bei Shakespeare‘, das Rolf Herricht und Rudi Schiemann entsprechend witzig pointiert vortrugen. […]

Als Regisseur der DDR-Erstaufführung war Intendant Hans Pitra um zügiges Spieltempo und treffende Zeichnung des Theatermilieus, um einen genauen Blick ‚hinter die Kulissen‘ besorgt. Manfred Grund schuf hierzu zweckmäßige und amüsante Bühnenbilder sowie einen knalligen Reklamevorhang. Doch fehlte dem Ganzen bisweilen die nöige Spritzigkeit und scharfe ironische Pointierung. Zwar wurden die Dialoge gut gesprochen, ihren geistsprühenden Witz freilich vermißte man des öfteren in dieser Wiedergabe. Ob Shakespeare – wie auf einem über der Bühne hängenden Medaillon dargestellt – deshalb wirklich bittere Tränen weinte?“

Manfred Schubert: „Kiss me, Kate“, DDR-Erstaufführung im Metropol-Theater. In: Berliner Zeitung, Nr. 101, 11. April 1965.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen:

Literatur:

Kommentar

Das Musical basiert auf William Shakespeares Komödie „The Taming of the Shrew“ („Der Widerspenstigen Zähmung“).

In Österreich gab es eine Doppelpremiere: Zeitgleich mit der Volksoper Wien brachte das Opernhaus Graz „Kiss Me, Kate“ heraus, nur die Anfangszeiten unterschieden sich: 19:00 Uhr in Wien, 19:30 Uhr in Graz. 

Empfohlene Zitierweise

„Kiss Me, Kate“ [Berlin]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/kiss-me-kate-berlin/

Letzte inhaltliche Änderung: 9. Januar 2023.