Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Kuss der Spinnenfrau (Kiss of the Spider Woman) [Wien]

Musical

Musik von John Kander
Buch von Terence McNally nach dem Roman von Manuel Puig
Liedtexte von Fred Ebb
Deutsch von Michael Kunze

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 28. November 1993
Vereinigte Bühnen Raimund Theater, Wien, Österreich

Besetzung:  

Stand Bys:

Zweitbesetzungen:

Premierenchronik

CANUA14. Juni 1992St. Lawrence Centre for the Arts, Bluma Appel Theatre, Toronto
GBEA20. Oktober 1992Shaftesbury Theatre, London
USAEA3. Mai 1993Broadhurst Theatre, New York
ADspr. EA28. November 1993Vereinigte Bühnen Raimund Theater, Wien
CHEA28. Oktober 2000Stadttheater, St. Gallen
DEA11. Mai 2002Landestheater, Coburg

Inhaltsangabe

„Als Zellengenossen in einem südamerikanischen Gefängnis treffen der homosexuelle Schaufensterdekorateur Molina und der politische Häftling Valentin aufeinander. Der träumt naturgemäß von Marx, jener von Aurora, dem Glitzerwesen der B-Movies, halb Femme fatale, halb weiblicher Todesengel. Denn selbstverständlich ist der Kuß der Spinnenfrau letal. Molina opfert sich für Valentin – auch Schwule können Helden werden, lautet die Moral von der Geschichte.“

u.we.: Frivole Folter. Schreck, laß nach: ‚Der Kuß der Spinnenfrau‘ als Musical. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 278, 30. November 1993.

Kritiken

„Die deutschsprachige Erstaufführung im Raimundtheater hinterläßt trotz aller Vorschußlorbeeren zwiespältige Gefühle. Da ist zunächst das Sujet: Die Romanvorlage des argentinischen Autors Manuel Puig ist eine äußerst sensible, poetische Auseinandersetzung mit Mut und Verzweiflung, Liebe und Vertrauen in einer extremen Situation in einer südamerikanischen Gefängniszelle, wo ein Homosexueller und ein Revolutionär zu überleben versuchen, Verständnis füreinander und zueinander finden.

Die Spekulation, die hinter der Wahl von Themen wie Gefängnis, Folter und Homosexualität als Basis für ein Unterhaltungsstück steht, stimmt ärgerlich. Um so mehr, als die einfühlsame Romanvorlage zwangsläufig vereinfacht und plakativ verändert wird. Molina wird zur hysterischen Tunte, Valentin zum polternden Rauhbein. Und da eine attraktive Frauenrolle nötig ist, wird Aurora erfunden, einerseits die Hauptdarstellerin aller Kinoerinnerungen mit denen sich Molina aus der Realität davonträumt, andererseits die Spinnenfrau, in deren Netz sich alle unentrinnbar verstricken.“

Maria Rennhofer: In den geschmacklosen Musical-Netzen von Wien. Banale, ärgerliche deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Stückes „Kuss der Spinnenfrau“ im Raimundtheater. In: Tiroler Tageszeitung – Innsbruck -, 30. November 1993, Seite 6.

„John Kanders Musik ist angesiedelt zwischen Symphonik und Elektronik, bezieht Cha-Cha-Cha, Mambo, Rumba, Samba und Tango mit ein. Sie hat Tempo, Esprit, geht in die Beine – echten „Ohrwurm“ hat sie eigentlich keinen. Und manche Lyrismen sind – pardon – Webberscher Prägung.

Warum sollte es gerade bei der „Spinnenfrau“ anders sein? Auch bei dieser Musical-Produktion geht es in erster Linie um das Wie. Und dieses Wie ist wirklich perfekt, wahrhaftig broadwaylike. Das raffinierte Bühnenbild von Jerome Sirlin mit seinen ständig rotierenden Gefängnisgittern ist ein technisches Wunderwerk. Brillant die Kostüme von Florence Klotz, souverän das Lichtdesign von Howell Binkley, zündend die Choreographie von Vincent Paterson.

Ein Wurf ist die Regie von Harold Prince. Makellos in der Personenführung, die keine Peinlichkeiten kennt, sorgt sie für knallhartes Tempo und für Gefühl ohne Sentiment.“

H.G Pribil: Perfekt verpackte Fantasie. Raimundtheater: „Kuß der Spinnenfrau“. In: Wiener Zeitung, 30. November 1993, Seite 5.

„Erster Eindruck der deutschsprachigen Erstaufführung des „Kusses der Spinnenfrau“ im Raimundtheater: Ein Publikumserfolg!

Allerdings versucht Starregisseur Harold Prince, John Kanders und Fred Ebbs „Kuß der Spinnenfrau“ für seine Besetzung zurechtzumachen. Am Broadway, wo der „Kuß“ zum besten Musical des Jahres gewählt wurde, und in London wirkt das Gefängnisstück aggressiv, scharf, gefährlich, in Wien hat’s etwas von der weichen Welle abbekommen. Wer in London die grandiose Chita Rivera als Aurora, Königin in den Träumen des Häftlings Molina gesehen hat, spürte ein Schaudern vor dieser Umarmung. In Wien hat sich der Todesengel in der Darstellung von Yamil Borges in ein nettes Revuegirl verwandelt. Aurora, Ihr Kuß ist ungefährlich.“

Karlheinz Roschitz: Ihr Kuß ist ungefährlich! Gestern, Raimundtheater: „Spinnenfrau“. In: Neue Kronenzeitung – Wien -, 29. November 1993, Seite 23.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Kuss der Spinnenfrau“ („Kiss of the Spider Woman“) [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/kuss-der-spinnenfrau-wien/

Letzte inhaltliche Änderung: 21. Juni 2021.