Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Lady in the Dark

Musical Play in zwei Akten

Musik von Kurt Weill
Buch von Moss Hart
Gesangstexte von Ira Gershwin
Deutsche Fassung von Roman Hinze

Inszenierung

Österreichische Erstaufführung: 18. Dezember 2021 
Volksoper, Wien, Österreich

Besetzung:  

Julia Koci (Eliza Elliott), Ensemble

Premierenchronik

USAUA23. Januar 1941Alvin Theater, New York
DDspr. EA24. Mai 1951Staatstheater Kassel
GBEA9. Dezember 1981Playhouse, Nottingham
AEA18. Dezember 2021Volksoper, Wien
CHEA29. Oktober 2022Theater Basel

Inhaltsangabe

In dem „Musical Play“ geht es um Liza Elliott und die Melodie eines Kinderliedes, an die sie sich nur noch bruchstückhaft erinnern kann. Sie ist Ende 30, Herausgeberin einer sehr erfolgreichen Frauenzeitschrift, mit einem älteren verheirateten Mann heimlich liiert, und der Inbegriff einer spröden Karrierefrau. Alles hat sich dem beruflichen Zielen unterzuordnen. Unvermutet jedoch zeigen sich Risse in dem Selbstbild, die so bedrohlich werden, dass sie einen Arzt aufsucht. Dort begibt sie sich in psychoanalytische Behandlung, die ihr in wilden, assoziativen Traumsequenzen die Hintergründe der Krise aufdeckt: Unbedachte Äußerungen ihres Vaters haben sie im Kindesalter in eine Art Selbsthass getrieben, der sie unbewusst zwang, ihren eigenen Körper hässlich zu finden und ihn in betont nüchterner Businessbekleidung zu verbergen. Gleichzeitig gibt sie durch die Gründung einer Modezeitschrift anderen Frauen Anleitungen zum Schönsein (was ihren Selbsthass wiederum bestätigt). Die Kompensation des selbsterzeugten Leidens und Minderwertigkeitsgefühls durch eine erfolgreiche Karriere funktioniert jedoch nicht auf Dauer. Die Zerstörungskraft ihrer Neurose treibt sie unaufhaltsam dem völligen seelischen Zusammenbruch entgegen. Erst durch die Aufhellung der Vergangenheit, an die sie sich mittels des Kinderliedes erinnert, wird der Heilungsprozess eingeleitet, der ihr schließlich auch die Wahl des richtigen Mannes erlaubt.

(Wolfgang Jansen)

Julia Koci (Eliza Elliott) und Axel Herrig (Kendall Nesbitt)

Kritiken

„Um eines vorwegzunehmen: Wer sich bei dem 1941 in New York uraufgeführten ‚musical play‘ von Kurt Weill (Musik), Moss Hart (Buch) und Ira Gershwin (Songtexte) ‚Lady in the Dark‘ ein reines Musical erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Denn die Betonung bei diesem Werk liegt auch auf ‚play‘, also Sprechtheater. Soll heißen: Es gibt großartige Musiknummern, aber auch sehr viele (teils langatmige) Textpassagen.

Diese dramaturgische Zwitterstellung ist auch an der Wiener Volksoper zu erleben, obwohl das Haus am Gürtel szenisch und musikalisch alles richtig macht und auch dem ‚amerikanischen Weill‘ zu einer Ehrenrettung verhilft.“

Peter Jarolin: Psychoanalyse mit Musik. In: Kurier, 20. Dezember 2021.

„Einen großteils amüsanten Mix aus Sessions auf Siegmund Freuds Divan, großer Ballettshow, einer erfrischend bunten Kostümschlacht und ein bisserl Herz-Schmerz. Schade nur, dass man die Produktion nicht auf Englisch gewagt hat. Die deutschen Dialoge von Roman Hinze sind eher halbwitzig und ziehen sich.

James Holmes, der West-End-Musicalexperte, treibt das Volksopernorchester ordentlich an, sorgt für Tempo, Drive. Und für den Weill-Klang, der 1941 allerdings nur noch gelegentlich scharf klingt wie zu Bert Brechts Zeiten.“

Karlheinz Roschitz: Träume auf Dr. Freuds Couch, Volksoper: Weills „Lady in the Dark“. In: Kronen Zeitung, 20. Dezember 2021.

„Im Wesentlichen handelt es sich um ein Sprechstück über Liza Elliott, Herausgeberin einer Modezeitschrift, die sich beim Psychoanalytiker einfindet, da sie in letzter Zeit mit Entscheidungsschwäche und Ängsten zu kämpfen hat. Deren Materialisierungen sind dann wiederum als längeren Musicalnummern gehalten.

Und vor allem bei diesen Musikeinlagen laufen Regisseur Matthias Davids und sein Bühnenbildner Hans Kudlich zur Hochform auf. Hier setzt man auf schnelle Wechsel und originelle Lösungen, wenn eine Showtreppe flux zum Auto mutiert oder ein Richterstuhl sich in einem weiblichen Torso findet. Mit großem Ensemble und den von der in jeder Hinsicht eleganten Julia Koci und dem quirligen Sprechakrobaten Jakob Semotan angeführten Leadsängern gelingt hier ein Feuerwerk der Broadwayklänge aus der US-Phase Kurt Weills, auf die immer wieder mit einer gewissen europäischen Arroganz geblickt wird. […]

Die Schwäche der ‚Lady in the Dark‘ stellen hingegen die langen Textpassagen dar. Zum einen sind gute Sängerinnen und Sänger nicht per se gute Schauspielerinnen und Schauspieler. Zum anderen fehlt in diesen Szenen just das, was die Musicalakte auszeichnet: Das Tempo und das Timing.“ 

(ohne Namen): Volksoper lädt mit Kurt Weill zur Psychoanalyse als Musical. In: Kleine Zeitung, 19. Dezember 2021.

Ensemble

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

Die deutschsprachige Erstaufführung war zugleich die europäische Erstaufführung.

Am 11. September 1976 brachten die Bühnen der Hansestadt Lübeck eine Neuinszenierung unter dem Titel „Die Dame im Dunkel“ heraus. Zu diesem Anlass schrieben Karl Vibach und Marianne Schubert eine neue Übersetzung. 

Am 15. Oktober 2011 brachte das Staatstheater Hannover eine Neuinszenierung unter dem Originaltitel „Lady In The Dark“ heraus. Damit verbunden war eine Neuübersetzung des Werks, die Roman Hinze schrieb.

Empfohlene Zitierweise

„Lady in the Dark“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/lady-in-the-dark/

Letzte inhaltliche Änderung: 24. Januar 2022.