Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Moral [Wittenberg]

Musical nach Ludwig Thoma

Buch und Texte von Günther Schwenn
Nach dem Roman von Ludwig Thoma
Musik von Franz Grothe

Inszenierung

DDR-Erstaufführung: 16. Oktober 1976   
Elbe-Elster-Theater, Wittenberg, DDR

Besetzung:

Premierenchronik

DUA26. Oktober 1974Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen
CHEA29. Dezember 1974Stadttheater, St. Gallen
DDREA16. Oktober 1976Elbe-Elster-Theater, Wittenberg

Inhaltsangabe

„Dieser Bilderbogen aus der guten alten Zeit – man schrieb das Jahr 1910 – spielt in einer kleinen Residenzstadt. Die Bürger leben in einer Welt, in der „ein Wurm im Stil der neuen Zeit noch nicht drin ist“. Die Verhaftung der sehr gastlichen Dame, bei der man sich von der heimischen Herd so dick aufgetragenen Ehrbarkeit erholen konnte, erweckt bei den Herren des Sittlichkeitsvereins, dem der konservativ-liberale Reichtstagskandidat, Rentier Fritz Beermann, präsidiert, persönliche Interessen. Geradezu Panik löst bei den Männern die Nachricht aus, besagte Dame habe ein Tagebuch geführt. Da bei der Verhaftung sich unglücklicherweise der „allerhöchste“ Erbprinz im Kleiderschrank verstecken mußte, wird die Sache vertuscht. Der Sittlichkeitsverein bezahlt Kaution und Entschädigung und die Dame bricht auf, um an einem besseren Ort zu erhöhten Preisen neu zu beginnen. Beermann bekommt einen Orden und wird geadelt. Zucht und Ordnung, Recht und Sitte kehren wieder ein. Am Rande spielt die Liebesgeschichte, die natürlich mit einer standesgemäßen Verlobung endet, zwischen des Rentiers Töchterlein und dem armen Poeten.“

(Helmut Schwanen: Erfolg ohne Höhepunkt. In: Rheinische Post, 28. Oktober 1974)

Kritiken

„‚Mit ’nem Teelöffel Zucker nimmst du jede Medizin‘, belehrt ein amerikanischer Musical-Schlager – Schwenn und Grothe gaben der einst ‚bitteren Pille‘ nicht nur die anempfohlene versüßende Zugabe, sondern entfernten obendrein fast alle Heilstoffe, obwohl gar nicht so wenig vom Original-Text belassen wurde. Bei dem Bestreben, möglichst musicalgerechte Situationen zu finden, die den Einsatz von Gesang, Ballett und Chor gestatten, bedienten die Autoren sich der durchaus klugen Methode, vieles von dem auf der Szene zu zeigen, was in der Komödie hinter derselben geschieht.

[…] Als Handikap erwies sich das recht hübsch anzusehende und obendrein praktikable Bühnenbild Wolf Hochheims. Weit nach hinten gezogen, wurden – wohl aus akustischen Gründen, denn inhaltliche hätten es zumeist verboten! – fast alle musikalischen Nummern an der Rampe, vor dem Bühnenbild, gesungen. Das bedingte ihre Lösung aus der Handlung und erschwerte so neben den starken parodistischen Überzeichnungen den Darstellern die Figurenschöpfung.

Im Fall der DDR-Erstaufführung des Musicals ‚Moral‘ blieb der Wunsch, daß sich vielleicht ein zweites Theater findet, seine tatsächliche Verwend- und Brauchbarkeit für uns zu entdecken.“

Paul Friedrich: Trivialstory und Panoptikum. Zwei Musical erstaufgeführt. In: Theater der Zeit, Heft 2/1977, Seite 27-28.

Medien / Publikationen

Literatur 

Empfohlene Zitierweise

„Moral [Wittenberg]“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/moral-wittenberg/

Letzte inhaltliche Änderung: 5. Februar 2024.