Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Moskau – Tscherjomuschki (Moskva, Čerëmuški)

Musikalische Komödie in drei Akten (fünf Bildern)

Musik von Dimitri Schostakowitsch
Text von Wladimir Mass und Michail Tscherwinski
Deutsche Übersetzung von Ulrike Patow

Inszenierung

Bundesdeutsche Erstaufführung: 2. Juni 2000 
Theater Regensburg, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

UdSSRUA24. Januar 1959Operettentheater, Moskau
DDRDspr. EA4. Juli 1960Platz der Jugend, Rostock
DDRDspr. EA3. November 1962Theater Kleines Haus Dreilinden, Leipzig
GBEA19. Oktober 1994Lyric Theatre, Hammersmith London
DEA2. Juni 2000Theater, Regensburg
AEA7. Mai 2005Kammeroper, Wien

Inhaltsangabe

„Ort und Zeit: Die Tscherjomuschki-Siedlung in Moskau, 1950er Jahre.

Ende der fünfziger Jahre erscheinen neue Hochhaussiedlungen am Stadtrand von Moskau. Eine davon heißt Tscherjomuschki („Kirschbäume“). Eine bunt gemischte Schar von Freunden und Bekannten freut sich schon darauf, in den schicken neuen Wohnblocks einquartiert zu werden. Unter ihnen sind die frisch vermählten Sascha und Mascha Bubenzow, die momentan getrennt voneinander in Wohnheimen leben, da sie keine Wohnung finden. Mit dabei ist auch der alte Baburow, der noch zweifelt, ob er sein altes Zuhause in Moskau verlassen soll, und seine verkopfte Tochter Lidoschka, die – wie Sascha Bubenzow – Führungen in einem Museum leitet. Auch Boris, ein Sprengstoffexperte, ist unter ihnen; er verliebt sich bald in Lidoschka. Neben ihnen gibt es noch Sergej, einen Chauffeur für ein hohes Tier der Stadtregierung, und Lusia, die zeitweilig seine Freundin ist und als Kranführerin in der Tscherjomuschki-Siedlung arbeitet. Leider ist Sergejs Chef Drebedniow korrupt. Zusammen mit dem Hausmeister Barabaschkin versperrt er den Zugang zu den neuen Wohnungen.

Drebedniow hat gerade eine schicke junge Frau geheiratet, die platinblonde Wawa, und möchte für sie beide zwei Wohnungen zu einem Luxusapartment zusammenlegen. Da Barabaschkin die Schlüssel nicht hergibt, hebt Lusia Boris und Lidoschka mit dem Kran zu der Wohnung hinauf, in die die Baburows ziehen wollen. Während sie sich die Wohnung ansehen (und sich dabei etwas näher kommen), brechen Drebedniow und Barabaschkin plötzlich von der anderen Seite ein Loch in die Wand, und die jungen Leute werden hinausgeworfen.

Sascha und Mascha haben sich die Schlüssel von ihrer neuen Wohnung besorgt und geben eine Einweihungsparty. Da kommt Lusia und berichtet von Drebedniows Absicht, die Baburows am Beziehen ihrer rechtmäßigen neuen Wohnung zu hindern. Entsetzt tun sich die neuen Tscherjomuschki-Mieter unter Lusias Führung zusammen und bauen einen Zaubergarten mit einer Wahrheitsbank. Jeder, der auf der Bank sitzt, muß die Wahrheit sagen. Drebedniow, Wawa und Barabaschkin werden alle vorgeführt und entmachtet. Die beiden Liebespaare, Lusia und Sergej sowie Boris und Lidoschka, werden vereint und alle leben glücklich bis an ihr Ende.“

(aus: Online-Angaben des Bühnenverlags Boosey & Hawkes / Sikorski)

Kritiken

„An der Musik liegt es nicht: die changiert zwischen Offenbach und Lehár, gewürzt mit dem Tonfall seiner eigenen Filmmusiken und Jazzsuiten. Er dachte an seine frechen, frühen Sachen und wollte mit einer populären Musik breite Massen erreichen. Schon das Lied «Tscherjomuschki» (Betonung auf dem o) ist ein Ohrwurm, der die ganze Operette durchzieht. In Regensburg, das das Stück zum ersten Mal in Westdeutschland aufführt (in der DDR war es in der Übersetzung von Kuba gern gesehen, im Berliner Metropol-Theater– «Alle helfen Lidotschka» – und in Rostock mit seinen Plattenriegeln auch – «Alte Stadt, neue Stadt»), gelingen besonders schön die flotten Orchesterzwischenspiele, die für futuristische Balletteinlagen genutzt werden. Da treten nicht nur Picassos Wolkenkratzer oder Schlemmers Triadisches Ballett auf, sondern tanzen auch die Möbel (Choreographie: Winfried Schneider). Und wie Seth Malkin als der spindeldürre Hauswart Barabaschkin da mittanzt – alle Achtung!

Schostakowitsch wollte offenbar an die durchkomponierte Filmschnitt-Dramaturgie seiner Oper «Die Nase» oder seiner Ballette anknüpfen, und diese flotte Szenenfolge nutzt Roberto Goldschlagers Regie zu revuehaftem Tempo. Kazayuki Okamoto sorgt nachdrücklich für Schwung im Orchester, und der Chor wird es auch noch schaffen, nicht zu schleppen. Das Stück braucht Pep. Die Orchestrierung ist eigentlich zu schwer für ein Haus wie das Velodrom, in dem das Regensburger Theater während der Generalsanierung seines Stammhauses spielt, da ist viel Blech und Schlagzeug im Einsatz, und das müsste abgefedert werden. Abgefedert werden müsste eigentlich auch die ganze Geschichte, sonst stürzt sie in den Schwank. Das Bühnenbild von Jochen Diederichs ist für die Inszenierung praktisch, bleibt aber selbst im Zaubergarten des Schlusses, der die Auflösung aller Probleme ins Reich der Illusion verschiebt, nicht zauberhaft und leicht genug für diese Operette.“

Bernd Feuchtner: Regensburg. Schostakowitsch: Moskau-Tscherjomuschki, Alle lieben Lidotschka. In: Opernwelt, Band 41, Heft 7/2000, Seite 46.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Video / DVD

Literatur

Kommentar

Die deutschsprachige Erstaufführung, Textfassung von Kurt Barthel (Pseudonym: Kuba) und Hanns Anselm Perten, erhielt den Titel „Meine junge alte Stadt“. Siehe unter diesem Titel hier im Lexikon.

Die Vorlage war so stark verändert worden, dass die Fassung nicht wie verabredet vom Henschel-Verlag in den Vertrieb aufgenommen wurde. Stattdessen wurde eine neue Übersetzung in Auftrag gegeben, die am 3. November 1962 unter dem Titel „Alle helfen Lidotschka“ in der Musikalischen Komödie, Leipzig, zur Erstaufführung kam.

Die erste bundesdeutsche Inszenierung in neuer Übersetzung fand in Regensburg statt. Erstmals wurde auch der Originaltitel übernommen.

Empfohlene Zitierweise

„Moskau – Tscherjomuschki“ („Moskva, Čerëmuški“). In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/moskau-tscherjomuschki/

Letzte inhaltliche Änderung: 19. Juli 2023.