Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Oklahoma! [Berlin]

Musical Play

Musik von Richard Rodgers
Orchester-Arrangements von Russell Bennett
Buch und Text der Gesänge von Oscar Hammerstein II
Nach dem Schauspiel „Green Grow the Lilacs“ von Lynn Riggs

Inszenierung

Deutsche Erstaufführung (in englischer Sprache): 12. September 1951
Titania-Palast, Berlin, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:

Premierenchronik

USAUA31. März 1943St. James Theatre, New York
GBEA29. April 1947Theatre Royal Dury Lane, London
DEA (i. Engl.)12. September 1951Titania-Palast, Berlin
DDspr. EA24. August 1973Münsterlandhalle, Münster
CHEA? Oktober 1976Stadttheater Luzern
DDREA7. Juli 1978Städtische Bühnen, Erfurt

Inhaltsangabe

Die Geschichte spielt im Jahre 1907, zu jener Zeit, als das ehemalige Indianer-Territorium als Bundesstaat Oklahoma den Vereinigten Staaten von Amerika eingegliedert wird. Der Cowboy Curly liebt die Farmertochter Laurey, die im bescheidenen Haushalt ihrer alleinstehenden Tante Eller aufwächst. Laurey träumt von einer glücklichen und materiell besseren Zukunft („with the Fringe on Top“), die ihr aber ein unsteter, umherziehender Cowboy kaum bieten kann. So hält sie Curly denn auch hin, als er sie zum Ball einladen will, der anlässlich der Eröffnung eines Schulgebäudes stattfinden soll. Gefallen würde er ihr aber schon. Umworben wird sie zudem von Jud Fry, dem einzigen Mann im Frauenhaushalt von Aunt Eller, ein Landarbeiter und Tagelöhner mit einem leicht düsteren und gewalttätigen Charakter. Nach einigen Aufregungen, bei denen Curly die Grundlagen seines Berufes (Pferd, Sattel und Revolver) für Laurey weggibt, wird der Konkurrent Jud ausgestochen und die Liebenden liegen sich glücklich in den Armen. Auf ihrer Hochzeit, die auf den Tag der Staatsgründung von Oklahoma gelegt wird, findet sich Jud noch einmal ein, der beim Kampf mit Curly in sein eigenes Messer fällt und stirbt. Schnell wird das Gericht einberufen, das die Unschuld von Curly feststellt, so dass der Hochzeitsreise nichts mehr im Wege steht. Curly wird sich nach seiner Rückkehr als Farmer niederlassen.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Hier wird Lebensfreude verkauft, Vitalität; nicht mehr und nicht weniger. Hier kommt das andere Amerika.

[…] Eine kräftige Spritze Optimismus kommt von der Szene, ein harter, guter Stoß für das Selbstbewußtsein, die unverstellte Rührung in redlichen Strömen, das Gelächter in populärster Breite. Das ist, wenn das Wort gestattet ist, gesund. Und Gesundheit teilt sich mit. Eine der schönsten Ansteckungen von der Szene seit langem.

[…] Ein sehr nationales Gewächs, das Ganze, kaum nachahmbar und an anderer Stelle so nicht wiederholbar. Denn so mühelos, so überredend und ungedrückt läßt sich die pure Lebensfreude sonst an fast keiner Stelle herstellen. Dieser exakte Elan ist nicht kopierbar.

Wie das mühelos ineinanderfließt – vom Dialog in den Gesang, vom Gesang in den Einzel- und Massentanz. Mit welcher Perfektion da die Pointen vorbereitet, angespielt, ausgespielt werden. Wie die, auf der Titania-Bühne etwas beengte Choreographie der Agnes de Mille aufging. […]

Ein Abend vitaler Lustbarkeit und eine Bereicherung unseres Bildes von Amerika nach der gesunden, der frischen, der energiegeladenen Seite hin. Der Sieg der selbstsicheren Naivität. das Publikum jubelte mit.“

Friedrich Luft: Angebot in Lebensfreude, Broadway-Gastspiel „Oklahoma“ im Titania-Palast. In: Neue Zeitung, 14. September 1951.

„Das kommt in Amerika natürlich ganz anders an. Das ‚Musical Play‘ ist die typischste Form des Theaters, die Amerika hervorgebracht hat. Ein Mischmasch von Operette und Revue, Komödie und Pantomime. Der Amerikaner will sich auf der Bühne wiedererkennen, im Parkett dabei eine Zigarette rauchen und Eiscreme lutschen. […] Das Ganze: ein Cocktail an Lebensfreude und Optimismus.

Bewunderswert die Unbekümmertheit, mit der die Jungs auf der Bühne stehen, tanzen, steppen, singen und spielen. Und was sind das auch für prächtige Kerle; Ridge Bond, Walter Donahue, Henry Clarke und Jerry Mann z.B. Sie verdrehen nicht die Augendeckel, wenn sich eine Arie in ihrem Busen meldet, wie  manche unserer Tenöre. Man möchte mit ihnen an der nächsten Bar einen Wiskey trinken. So natürlich, begabt und sympathsich sind sie. […]

Es war ein sympathischer, kein aufregender Abend. Das deutsche Publikum wird sich mit dieser sehr amerikanischen Form der anspruchslosen Unterhaltung wohl nur langsam befreunden.“

Heinz Ritter: Wild-West mit Lebensmut, Vom Broadway zur Schloßstraße – Die Revue „Oklahoma“ im Titania-Palast. In: Telegraf, 14. September 1951.

„Ueber eines staunte man aufrichtig, wenn man diesen Abend auf sich wirken ließ. Darüber, daß vor der Aufführung solcher Musical Plays Ankündigungen wie diese erscheinen können: ‚Eine ganze neue Kunstgattung, die alles über den Haufen wirft.‘ Oder: ‚Text und Musik so vollendet, daß man von einer autonomen Form des musikalischen Theaters sprechen kann.‘ Oder: ‚…plastische Kraft, mit der die Persönlichkeiten vor einem aufgebaut werden.‘ Hier wollen wir doch in Zukunft wieder etwas solider, etwas reeller werden. Denn: dieses Musical Play ‚Oklahoma‘ von Oscar Hammerstein und Richard Rodgers ist gar nichts anderes als ein Volksstück mit Musik von vor achtzig Jahren. Wenn gestern jemand erklärte: ‚Eine Mischung von Mascagni und Lehár‘, so ist das wohlwollend, aber sehr wohlwollend ausgedrückt. Im Grunde haben wir das, in Form und Inhalt, bereits im ‚Weißen  Röss’l‘ erledigt, ja früher noch: in David Kalischs ‚Hunderttausend Thaler‘. […] ‚Oklahoma‘ ist zwar am Broadway uraufgeführt worden, aber es ist, in der Grundabsicht, eine Aufführung für Tourneen durch die ‚Provinz‘, und zum Ruhme Amerikas. Und so wollen wir denn auch dieses Gastspiel werten: gerecht, aber das in den Grenzen, die zu ziehen hier notwendig sind.“

h.p.: „Oklahoma“ – Titania-Palast. In: Der Tagespiegel, 14. September 1951.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen


Literatur

Kommentar

Bei der deutschen Erstaufführung handelt es sich um eine Tourneeproduktion der ANTA, der American National Theatre and Academy. Die Produktion gastierte in Berlin anlässlich der 1. Berliner Festwochen. Es musizierte das RIAS Orchester (RIAS = Rundfunk im Amerikanischen Sektor). Nach einigen Aufführungen im Titania-Palast wechselte die Produktion in das Corso-Theater.

1973: Die deutsche Übersetzung für die Inszenierung in Münster besorgte Robert Gilbert.

Empfohlene Zitierweise

„Oklahoma!“ [Berlin]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/oklahoma-berlin/

Letzte inhaltliche Änderung: 10. April 2022.