Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Pfui Martina

Musical-Burleske in 16 Bildern

Musik von Hans Moeckel
Text von Hans Gmür und Karl Suter

Inszenierung

Uraufführung: 30. Dezember 1968
Theater am Hechtplatz, Zürich, Schweiz

Besetzung:  

Musikalische Begleitung: Walter Baumgartner (am Flügel) und Bodo Suss (Bass)

Premierenchronik

CHUA30. Dezember 1968Theater am Hechtplatz, Zürich

Inhaltsangabe

„Pfui Martina“ nimmt satirisch Bezug auf die seinerzeitige, sogenannte „Sex-Welle“. Die Geschichte ist in einzelne Episoden aufgeteilt, die den Lebenslauf der Titelheldin nachzeichnen, beginnend mit ihrem vergeblichen Versuch, als dramatische Schauspielerin auf die Bühne zu kommen. Auch als Tänzerin scheitert sie: Statt in künstlerisch seriösen Häusern landet sie im Varieté, wenig später im Nachtclub und findet von dort in einem eher mühevollen Weg durch die Welt der zeitgenössischen Nacktkultur mit ihren Softpornos und sexualkundlichen Fotoserien – bis Martina schließlich die Seiten wechselt, und eine eigene Agentur eröffnet für männliche und weibliche Sexmodells. Damit hat sie endlich auch ökonomischen Erfolg.

(Wolfgang Jansen)

Kritiken

„Laut vorwiegend unglücklich formuliertem Waschzettel haben die Autoren versucht, einen neuen Weg einzuschlagen. In ‚Bibi-Balù‘ und in ‚Golden Girl‘ nahmen sie die Auswüchse der Wohltätigkeit, die Werbung und ihre Manager aufs Korn. Heute sei es – ‚wie könnte es 1968 anders sein‘ – die Sex-Welle. […]

Zweifellos wird auch die Musical-Burleske ‚Pfui Martina‘ – übrigens mit insgesamt 14 Musiknummern – ein Publikumserfolg mit vielen Lachern sein. Dem Berichterstatter geht dieses und jenes zu weit. Von Homosex-Einlagen, auch von sehr gut gespielten, sowie von überreichlich dotierten Hinweisen auf Busen, Bordell und Beischlaf hat er schon lange, volkstümlich ausgedrückt, die Nase voll. Er ist nicht zuletzt deshalb auch vom Grundthema des neuen Halb-Musicals nicht unbedingt begeistert.“ 

he.: Martina und das grosse Sexmaleins. In: Tages-Anzeiger, Zürich, 31. Dezember 1968.

„Die auf Leinwand und Druckpapier wogende Sex-Welle hat die Eignungsprüfung als Vorlage für eine Parodie nicht bestanden, sei es, weil das Thema dem Zötchen näher liegt als dem Witz, sei es, weil den Vätern von ‚Martina‘ diesmal im Gegensatz zur erstgeborenen ‚Bibi-Balù‘ und zum liebenswürdigen Schwesterchen ‚Golden Girl‘ zu wenig eingefallen ist. Auf eine durchgehende Handlung haben sie weitgehend verzichtet, jagen dafür die Drittgeborene im Laufe eines Bühnenabends wild durch die Gegend. […]

Was sich vor- und nachher abspielt, schwankt zwischen Parodieren und Kokettieren; man will sich über die Sexwelle lustig machen, kokettiert aber zur gleichen Zeit mit ihr. Man distanziert sich von ihr und trägt ihr Rechnung. Man lacht über den Spießer, mit dem Leinwand und deutsche Illustrierte ihr Geschäft machen, und bedient sich mit viel Unterwäsche-Schau der gleichen Mittel. Das ist der Teufelskreis der Parodie: Sie muß das Vorbild zeigen. Im besten Falle mit Ueberlegenheit. Im vorliegenden mit bloßem Augenzwinkern.“

pz.: Zwischen Parodieren und Kokettieren, Uraufführung im Theater am Hechtplatz: „Pfui Martina“. In: Neue Zürcher Zeitung, 3. Januar 1969.

„Die Zürcher Erfolgsautoren Hans Gmür und Karl Suter wollen nicht eigentlich Sextheater spielen lassen, sondern nennen ihr Produkt ‚Musical-Burleske‘. Entstanden ist nun aber eine rund drei Stunden dauernde ‚Sexorgie‘, die diese heute so hoch im Kurs stehende Zeiterscheinung nach allen Kanten und Ecken wälzt. […]

Das alles tönt – besonders für Männer – verlockend. Eine Zeitlang kann man sich denn auch amüsieren, mit der Zeit aber wird es doch etwas zuviel. Nicht zuletzt darum, weil sich eigentlich kein roter Faden durch das Stück zieht. Es sind vielmehr 14 aneinander gereihte Kabarettszenen, die einen gut, die anderen schwach bis langweilig. Hans Moeckel, der dazu die Musik komponierte, hat ebenfalls keine Stricke zerrissen. Es gibt keine tragende Melodie, kein Stück, das nach Schluss der Vorstellung in den Ohren weiterklingen würde.“

nr.: Mit viel Sex ins 69, „Pfui Martina“ im Hechtplatz-Theater. In: Die Tat, Zürich, 3. Januar 1969.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

Literatur

Kommentar

Die musikalische Live-Begleitung ergänzte das ansonsten durchgehend angewandte Playbackverfahren.

Empfohlene Zitierweise

„Pfui Martina“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/pfui-martina/

Letzte inhaltliche Änderung: 2. Mai 2021.