Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Pippin [Wien]

Eine musikalische Komödie

Musik und Liedertexte von Stephen Schwartz
Buch von Roger O. Hirson
Deutsche Übersetzung von Robert Gilbert

Inszenierung

Deutschsprachige Erstaufführung: 10. Februar 1974 
Theater an der Wien, Wien, Österreich (nach der Inszenierung und Choreographie von Bob Fosse)

Besetzung:  

Premierenchronik

USAUA23. Oktober 1972Imperial Theatre, New York
GBEA30. Oktober 1973Her Majesty’s Theatre, London
ADspr. EA10. Februar 1974 Theater an der Wien, Wien
DEA16. November 1995Stadttheater Pforzheim

Inhaltsangabe

„Titelfigur ist Prinz Pippin (773-810), Sohn Karls des Großen und Erbe des fränkischen Throns. Der junge Mann sucht nach Glück und Erfüllung und begegnet den Gefahren in dem, was man heute Selbstverwirklichung nennt. Glücklos auf dem Schlachtfeld, bei den Frauen, in der Politik, kann Pippin aus dem Schatten des Vaters nicht heraustreten. Doch auch (und gerade) aus Niederlagen schöpft man wertvolle Erfahrung – Pippin findet das wahre Glück in der Liebe zu Katharina, in den gar nicht so besonderen Momenten des täglichen Lebens, die das ‚Besondere‘ plötzlich als weniger erstrebenswert erscheinen lassen.

(Stückangaben des Bühnenverlags Musik und Bühne, Wiesbaden, Juni 2021)

Kritiken

„Und das war – für einen, der die Broadway-Aufführungen gesehen hat – die eigentliche Überraschung des Abends: Daß die fabelhafte Präzision mit der die Show in New York abschnurrte, auch hier erreicht werden konnte, daß österreichische Schlamperei keine Sekunde lang Sand ins Getriebe streute, daß von der Bühnenmaschinerie bis hin zur letzten Mitspielenden, zur kleinen Ziege, die in Pippins Arm auch im richtigen Momente meckerte, alles wie am Schnürl funtionierte.

[…] Was totales Theater in Amerika sein kann, das demonstrierten hier Kathryn Doby, die Bob Fosses preisgekrönte Regie und Choreographie einstudierte, Tony Walton (Bühnenbild), Jules Fisher (Lichtregie) und Patricia Zipprodt (Kostüme). Rudolf Kutschera steuerte die Dialogregie (Übersetzung: Robert Gilbert) bei, Johannes Fehring den trichtigen Sound.

[…] Fazit: Ein ‚Tony‘ für Direktor Kutschera – ein Muß für alle Theaterfreunde!“

Andrea Seebohm: Totales Theater. „Pippin“ hatte an der Wien Premiere. In: Kurier, 12. Februar 1974.

„Hit der Aufführung ist das Ballett: Die Truppe wohltrainiert wie schon lange nicht, selbst in den härtesten Nummern exakt, jeder Zoll stilgerecht. Das eigentliche Ereignis: zwei Allroundkünstler, die ihr Showgeschäft buchstäblich im kleinen Finger haben, und zwar jeder auf seine Art. Der Budapester Béla Erny: ein sanfter Held Pippin, der mit der halb scheuen, halb ungestümten Jungenhaftigkeit seines Typs das Publikum einfing. Ihm zum liebenswert-sentimentalen Showstar von deutschsprachigen Produktionen aufzubauen, lohnt wohl den Versuch. Und der junge Berliner Joachim Kemmer (Erster Schauspieler): ein Vulkan von einem Showtänzer-Sänger.“

Karlheinz Roschitz: Zirkusspiele sind Trumpf. „Pippin“ mit Béla Erny im Theater an der Wien. In: Neue Kronen-Zeitung, 12. Februar 1974.

„Es entspricht dem Geschmack bzw. Ungeschmack der Amerikaner sehr ernste Dinge im Stil eines Showamüsements zu behandeln. Das trifft auch für ‚Pippin‘ zu, wo ein Welttheater vom leeren Leben als musikalische Komödie abläuft und dargestellt wird. Ohne die spirituellen Grundlagen etwa eines barocken Welttheaters läßt das Stück, das jetzt im Theater an der Wien Premiere hatte, die höheren geistigen Perspektiven vermissen, es lebt nur von der szenischen Aufmachung.

[…] Die Musik ist keine Eingebung, sondern seicht, sie verrät Vifheit im Geschäft, besteht aus Hippie- und anderen Broadwayschnulzen, hat Tuchfühlung zu ‚Hair‘, aber bei weitem nicht zu den unbestrittenen Musicalklassikern.

Was immer man auch Schlechtes über dieses Stück, dieses völlig überflüssige Stück, sagen kann und muß – über die Aufführung selbst muß man anderes, Bessers sagen. Denn sie ist in ihrer Art, der Art des Stückes gemäß, ganz ausgezeichnet.“

Norbert Tschulik: Musical-Welttheater vom leeren Leben. „Pippins“ Erstaufführung an der Wien: ohne Tiefgang, aber szenisch ausgezeichnet. In: Wiener Zeitung, 12. Februar 1974.

Medien / Publikationen

Audio-Aufnahmen

DVD / Video

Literatur

Kommentar

Das mit fünf Tony-Awards ausgezeichnete Musical erlebte in der Uraufführungs-Produktion 1.944 Aufführungen. Die Londoner Produktion kam lediglich auf 85, die Wiener Inszenierung auf 75 Vorstellungen.

Zur deutschen Erstaufführung in Pforzheim entstand eine neue Übersetzung von Frank Thannhäuser und Nico Rabenalt.

Empfohlene Zitierweise

„Pippin“ [Wien]. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/pippin-wien/

Letzte inhaltliche Änderung: 30. Januar 2023.