Siegelement der Uni Freiburg in Form eines Kleeblatts

Rhapsodie der Liebe

Operette in vier Akten

Musik von Nico Dostal
Text von Paul Knepler und Peter Herz

Inszenierung

Uraufführung: 9. November 1963
Opernhaus, Nürnberg, Bundesrepublik Deutschland

Besetzung:  

Premierenchronik

DUA9. November 1963Opernhaus, Nürnberg

Inhaltsangabe

„A bisserl Victoria und ihr Husar, a bisserl Mariza, a bisserl ungarische Hochzeit, a bisserl verdrahten Zarewitsch -, dies alles ergab die ‚Rhapsody der Liebe‘.

Da kommt ein russischer Großfürst mit reizender Tochter, die gleichzeitig Nichte vom Zaren ist, an die blaue Donau in die alte Kaiserstadt. S’Nichterl gibt sich als Zofe aus, no ja, und möcht‘ halt auch einmal was erleben. Bloß das Unglück ist, daß derjenige – welcher halt nicht zu becircen ist, weil er das Nichterl seines treuen Gutsverwalters liebt, welches Agathe heißt und im übrigen der Karrier‘ des Geliebten nicht im Wege stehen will, wo doch die Beziehungen zwischen Österreich und Rußland dringend verbessert werden müssen, was am besten durch Heirat von Baron Tibor von Arany mit dem Nichterl vom Zaren zu bewerkstelligen ist. Aber als die österreichische Diplomatie eben alles aufs beste gerichtet hat, da erschießen’s in Sarajewo drunt‘ den Thronfolger, der Pallawatsch ist da – und wie er vorbei ist, is das ungarische Nichterl eine tüchtige Hotelbesitzerin und das Zarennichterl eine rassige Charleston-Tänzerin geworden. No ja, wie’s halt so zugangen is im Leben.“

Walter Panofsky: Altmeister Dostals neue Operette. Uraufführung der „Rhapsody in [sic!] Liebe“ im Nürnberger Opernhaus. In: Süddeutsche Zeitung, 12. November 1963.

Kritiken

„Mit seiner im Nürnberger Opernhaus uraufgeführten ‚Rhapsody der Liebe‘ kehrte Nico Dostal nach vielerlei musikalischen Rundreisen in inner- und außereuropäisches Operettenmilieu, nach ‚Eisenbart‘-Neulandsuche und Musicalette-Flachland-Wanderungen dahin zurück, wo er einst herkam: zur Wiener Operette. Er tat es mit einem solchen Maß an Schwung und Eleganz, mit soviel Einfallskraft, daß es ihm wie der Wiener Operette hohe Ehre machte. Sicher: Im Grunde könnte diese ‚Rhapsody in Liebe‘ ohne weiteres in den dreißiger Jahren geschrieben sein. Dostal vergißt bewußt Jazz- und Musical-Gegenwart, ja seine eigene experimentierfreudige Vergangenheit. Und doch: Hat er da nicht recht, wo ihm auf die hergebrachte Operettenformweise noch so viel musikalischen Reizvolles, ja Neues einfällt? So viel jedenfalls, daß sich aus der mehr als drei Stunden ausfüllenden musikalischen Substanz der einzige Einwand gegen das Werk, nämlich der der Überlänge, konstruieren läßt.“

Willi Wörthmüller: Sieg der Wiener Operette. Nico-Dostal-Uraufführung in Nürnberg. In: Stuttgarter Nachrichten, Nr. 267, 15. November 1963.

„Bei der Uraufführung stellte sich heraus, daß es sich gewissermaßen um einen Querschnitt durch sämtliche wienerisch-ungarischen Operetten altbekannter Art handelt. […] Auch Dostals Musik, wirkungssicher und routiniert instrumentiert, geschickt verteilt auf das Sängerpaar, das Buffopaar, die Chöre und das Ballett, glaubt man so oder so ähnlich irgendwann und irgendwo schon gehört zu haben. Summa summarum: Alle bewährten und leicht angestaubten Ingredienzien der Operettenmischung Marke Doppeladler sind vorhanden und werden in einem zweiten oder, besser gesagt, dritten Aufguß serviert. Willi Auerbachs kultivierte und großzügige Inszenierung konnte daran nichts ändern.“

Fred O. Neger: Wiedersehen mit Nico Dostal. „Rhapsody der Liebe“ in Nürnberg uraufgeführt. In: Osnabrücker Tageblatt, 20. November 1963.

„Nun ist es mit der modernen Operette in der Tat eine merkwürdige Geschichte. Irgendwie erscheinen uns gerade ihre neuesten Produkte, sagen wir seit dem Mariza-Jahr 1925, als antiquiert und ihre antiken Preziosen als überaus zeitgemäß. Wer heut eine moderne Operette schreibt, gleicht einem österreichischen Sozialdemokraten, der die Habsburger wieder auf den Thron stemmen will.

Doch wer möchte es einem der letzten Altmeister dieses Genres, wer möchte es Nico Dostal verargen, wenn er seiner alten Liebe treu bleibt? Er hängt nun einmal an der launischen Dame, mit der er ein Leben lang verbandelt war, was, nebenbei gesagt, nicht die schlechteste Liason gewesen ist. […] Ergo soll man nicht zu hart ins Gericht gehen, wenn eine Bühne, die wie die Nürnberger, ansonsten einen Wagemut sondersgleichen an den Tag legt, sich eine Nico-Dostal-Uraufführung sichert und das Ganze so in Szene setzt, wie es sich gehört: Mit dem Altmeister am Pult, mit tausendfach bewährten Regie-Gags, mit großem Ballett, mit den Bühnenlieblingen, Tschinellenschlag und Cymbal-Klängen, und mit dem großen Vorhangzauber am Schluß. Man weiß in Nürnberg noch sehr gut, wie so etwas gemacht werden muß. Je klischeener, um so schöner…“

Walter Panofsky: Altmeister Dostals neue Operette. Uraufführung der „Rhapsody in [sic!] Liebe“ im Nürnberger Opernhaus. In: Süddeutsche Zeitung, 12. November 1963.

Medien / Publikationen

Literatur

Empfohlene Zitierweise

„Rhapsody der Liebe“. In: Musicallexikon. Populäres Musiktheater im deutschsprachigen Raum 1945 bis heute. Herausgegeben von Wolfgang Jansen und Klaus Baberg in Verbindung mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. https://uni-freiburg.de/musicallexikon/rhapsodie-der-liebe/

Letzte inhaltliche Änderung: 4. Oktober 2025.